Ein „Kirchenschiff“ – mitten in Wien
Weiternutzung anstatt AuflösungIch will demnächst auch mehr im Grätzl herumgehen und die Menschen vor Ort, in den Parks, fragen, was sie brauchen“, sagt die Seelsorgerin des „Kirchenschiffs“, Pastoralassistentin Theresia Weiss, zum SONNTAG. Das „Kirchenschiff“ verfüge über zwei große Räume, erzählt Weiss: „Zum einen über den Kirchenraum, wo weiterhin Gottesdienste gefeiert werden und wo es Konzerte und Veranstaltungen geben wird und wo der Le+O-Markt (Lebensmittel und Orientierung) zwei Mal in der Woche präsent sein wird. Und zum anderen über das Café in den Nebenräumen, von der Kirche aus erreichbar. Hier wird es künftig Beratung und Sozialarbeit sowie Bildungsangebote geben.“
"Kirchenschiff": Hunger des Körpers und der Seele stillen
Die Erzdiözese Wien, die Pfarre und die Caritas haben gemeinsam mit Unterstützern wie dem Stift Klosterneuburg das Projekt möglich gemacht. Als ein „offenes Sozial- und Begegnungszentrum für die Stadt“ bezeichnete Erzbischof Josef Grünwidl das „Kirchenschiff“, das er am 9. April segnete. Das Pilotprojekt bleibe Gottesdienstraum, bewahre den sakralen Charakter, entwickle ihn aber „zu einem Ort der konkreten Nächstenliebe“ weiter. Grünwidl zeigte sich überzeugt, dass das Modell „in der Erzdiözese Wien Schule machen wird“. Das „Kirchenschiff“ führe vor Augen, wie man als Kirche Räume und Kulturschätze öffnen und so nutzen könne, dass Menschen gerne hereinkommen, sagte der Erzbischof über das Projekt in der Siebenbrunnenfeldgasse 22–24 in einem der am dichtesten bebauten Gebiete Österreichs. Menschen sollen hier den „Hunger des Körpers und der Seele stillen können“.
"Kirchenschiff" als „Symbol des Optimismus“
Auch Wiens Bürgermeister Michael Ludwig würdigte den Vorbildcharakter. Das „Kirchenschiff“ zeige „sehr konkret, wie wir in Wien mit knappen Flächen in einer wachsenden Stadt umgehen können“. Es verbinde Hilfe, Gemeinschaft und Kultur und sei ein „Symbol des Optimismus“ sowie ein Modell für den Umgang mit kirchlichen Räumen angesichts sinkender Katholikenzahlen. Caritas-Botschafterin Doris Schmidauer betonte, die Kirche bleibe ein spiritueller Ort und öffne sich zugleich für Menschen, „die sonst nicht den Weg hineinfinden würden“. Das „Kirchenschiff“ sei ein Ort der Begegnung, für Hilfsangebote und für Rückzug. Schmidauer verwies zudem auf die zentrale Rolle Ehrenamtlicher im sozialen und kirchlichen Bereich.