„Ein Gottesdienst ist mit dem Theater vergleichbar“
Glaubenszeugnis
Eveline Schloffer ist an den Sonntagen oft als Lektorin, Kantorin und Mesnerin im Einsatz.
Sie sind ausgebildete Schauspielerin. Wirkt sich das darauf aus, wie Sie im Gottesdienst die Lesung vortragen? Wie bereiten Sie sich auf den Lektorendienst vor?
Durch meine Schauspielausbildung muss ich mich sprachlich nicht extra vorbereiten, um beim Lesen gut verstanden zu werden und lebendig zu lesen. Ich schaue mir aber im Vorfeld auf einer App die Lesungen des Tages an und finde heraus, welche Stimmung der jeweilige Text hat. Die möchte ich rüberbringen. Ist es eine frohe Botschaft? Ist es ein ernsterer Text? Mit manchen Lesungen tue ich mir schwer, da finde ich es schwieriger, den Inhalt zu transportieren. Aber da muss ich dann durch – und man weiß ja nie, welcher Text wen in der Gemeinde berührt.
Was braucht es, um eine Lesung im Gottesdienst gut zu lesen?
Wenn man monoton liest, werden die Zuhörer eher wegdriften. Wichtig ist die Betonung, man kann auch zwischendurch Blickkontakt mit den Gläubigen aufnehmen – und man sollte deutlich lesen. Das fällt Menschen, die nicht gewohnt sind, mit dem Kiefer zu arbeiten, schwerer. Das Kiefer sollte locker sein.
Nicht jeder tut sich leicht damit, vor anderen aus sich herauszugehen. Sie sagen: Man darf sich als Lektor und Lektorin ruhig etwas trauen.
Unbedingt. Ganz wichtig ist auch, dass man laut liest. Das Durchschnittsalter der Gläubigen ist in der Kirche ja meist höher, und jeder soll die Texte verstehen. Die Lesungen sind zusammen mit der Predigt jene Texte, die man nur an diesem einen Sonntag hört – anders als die Gebete, die jedes Mal wieder kommen. Mir wird beim Lesen und Kantorieren immer bewusst, wie gern ich römisch-katholisch bin. Ein Gottesdienst ist mit dem Theater vergleichbar: Es gibt eine Dramaturgie, die Kirche ist schön gestaltet, der Priester hat ein schönes Gewand an – das mag ich sehr.
Sie sind außerdem stellvertretende Vorsitzende im Pfarrgemeinderat und Mitglied im Vermögensverwaltungsrat.
Ich gebe zu, dass mir das Singen und Lesen in der Kirche mehr Freude macht als die Sitzungen, die sich oft summieren. Manche der Diskussionen, die wir führen, kosten viel an Zeit und Kraft. Aber auch das muss jemand machen. Denn Entscheidungen sind zu treffen, Veranstaltungen zu koordinieren, die Agape zum Beispiel oder der Flohmarkt. Es gibt zwar viele Menschen in der Pfarre, die bereit sind, einen Kuchen zu backen. Es braucht aber auch eine Person, die sie alle anruft und darum bittet. Mir bedeutet die Gemeinschaft in der Kirche viel, deswegen engagiere ich mich. Ich würde jedem Menschen, der sich einsam fühlt, raten, in eine Pfarre zu kommen. Es gibt so viele Gruppierungen, in die man sich einbringen kann. Oder man geht einfach hin und genießt – nicht jeder muss gleich aktiv sein.
„Mir wird beim Kantorieren immer bewusst, wie gern ich römisch-katholisch bin.“
Eveline Schloffer
Abgesehen vom Gottesdienst am Sonntag: Wie bleiben Sie mit Gott in Verbindung?
Ich bin niemand, der sich jeden Abend zum Gebet hinsetzt. Aber eine Sache ist mir wichtig: Ich habe zum vierzigsten Geburtstag eine Kette mit einem Kreuz bekommen, die ich seit damals immer trage. In schwierigen oder emotionalen Situationen greife ich nach dem Kreuz und weiß, ich bin nicht allein.
Leitung einer Theatergruppe
Noch einmal zurück zum Schauspiel: Sie leiten eine Theatergruppe in der Pfarre.
Unser Pfarrer, Pater Charbel Schubert, hatte die Idee einer Theatergruppe. Sie ist mittlerweile 13 Jahre alt. Einmal pro Jahr spielen wir – das nächste Mal am 7. Februar die Komödie ‚Mann über Bord‘. Elf bis zwölf Akteure sind dabei, auch unser Pfarrer, der es wirklich gut macht und mit seinem Rauschebart mittlerweile ein echter Publikumsliebling ist. Ich übernehme die Regie und schaue, dass die Vorführung aus einem Guss ist – mit dem Bühnenbild und den Kostümen. Und heuer übernehme ich auch eine kleine Rolle.
Eveline Schloffer
Alter: 49
Lebensmotto: Das Leben ist ein Geschenk. Erweisen wir uns dankbar dafür.
Gott ist für mich: Hilfe und Begleiter.
Sonntag bedeutet für mich: Auszeit und Frieden.