Ein Geschenk

Meinung
Ausgabe Nr. 41
  • Meinung
Autor:
Wilhelm Krautwaschl (63) ist Bischof der Diözese Graz-Seckau und Referatsbischof für die Allianz für den freien Sonntag.
Der Kommentar drückt seine persönliche Meinung aus!
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Wilhelm Krautwaschl (63), Bischof der Diözese Graz-Seckau und Referatsbischof für die Allianz für den freien Sonntag schreibt über den freien Sonntag.

Unsere Zeit ist geprägt von einer überbordenden Rasanz. Viele, wenn nicht fast alle Menschen, sind ständig erreichbar und getrieben. Verpflichtungen drängen sich aneinander, und oft bleibt kaum Zeit zum Durchatmen. Gerade deshalb ist die Frage nach dem freien Sonntag aktueller denn je.

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Zwischen Rasanz und Ruhe

Unsere Zeit ist geprägt von einer überbordenden Rasanz. Viele, wenn nicht fast alle Menschen, sind ständig erreichbar und getrieben. Verpflichtungen drängen sich aneinander, und oft bleibt kaum Zeit zum Durchatmen. Gerade deshalb ist die Frage nach dem freien Sonntag aktueller denn je.

„Unruhig ist unser Herz“

Der heilige Augustinus, als Kirchenlehrer einer der bedeutendsten Denker der Kirchengeschichte, sagt: „Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir.“ Diese Worte beschreiben eine Erfahrung, die Menschen seit Jahrhunderten kennen. Der Mensch lebt nicht allein von Arbeit, Leistung und Erfolg. Er braucht Zeiten der Ruhe, der Besinnung, der Begegnung mit den Mitmenschen und auch für die Begegnung mit Gott, in dem alles begründet ist.

Mehr als Leistung

Der freie Sonntag erinnert uns daran, dass unser „Wert“ nicht von unserer Produktivität abhängt. An diesem Tag können wir rasten und uns bewusst machen: Wir sind mehr als Arbeitnehmerinnen, mehr als Konsumenten, mehr als Menschen mit endlosen Aufgabenlisten. Wir alle sind Menschen mit einer Würde, die über jede Leistung hinausgeht.

Augustinus verstand den Sonntag nicht einfach als Unterbrechung der regelmäßigen Arbeit. Für ihn war die Ruhe ein Vorgeschmack auf das Ziel des menschlichen Lebens – die Gemeinschaft mit Gott. Deshalb geht es beim Sonntag nicht nur darum, nichts zu tun. Es geht darum, das Wichtige wiederzuentdecken. Es geht um Dankbarkeit, um Begegnung, um Besinnung und nicht zuletzt um Hoffnung.

Ein Geschenk für die Seele

Der freie Sonntag ist ein Geschenk. Er ist ein Geschenk für die Seele, für die Familie, für die Gesellschaft und für unsere Gesundheit. Bewahren wir ihn deshalb nicht aus Gewohnheit, sondern aus Überzeugung. Lassen wir uns von den Worten des heiligen Augustinus leiten: „Unser Herz sucht Ruhe.“ Der freie Sonntag ermöglicht uns diese Ruhe und lässt uns Kraft für die neue Woche schöpfen.

Der Kommentar drückt seine persönliche Meinung aus!

Autor:
  • Wilhelm Krautwaschl
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