Ein Fasten, wie Gott es wünscht
Mehr als Sack und Asche
Die wohl wichtigsten Aussagen über das richtige Fasten bietet der „Fastenspiegel“ des Propheten Jesaja (Kapitel 58, Verse 3 bis 7): „Warum fasten wir und du siehst es nicht? Warum haben wir uns gedemütigt und du weißt es nicht? Seht, an euren Fasttagen macht ihr Geschäfte und alle eure Arbeiter treibt ihr an. Seht, ihr fastet und es gibt Streit und Zank und ihr schlagt zu mit roher Gewalt. So wie ihr jetzt fastet, verschafft ihr eurer Stimme droben kein Gehör. Ist das ein Fasten, wie ich es wünsche, ein Tag, an dem sich der Mensch demütigt: wenn man den Kopf hängen lässt wie eine Binse, wenn man sich mit Sack und Asche bedeckt? Nennst du das ein Fasten und einen Tag, der dem HERRN gefällt? Ist nicht das ein Fasten, wie ich es wünsche: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, Unterdrückte freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen? Bedeutet es nicht, dem Hungrigen dein Brot zu brechen, obdachlose Arme ins Haus aufzunehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden und dich deiner Verwandtschaft nicht zu entziehen?“
Fesseln des Unrechts lösen
Den Beterinnen und Betern der Psalmen ist die Fastenzeit ebenfalls vertraut. „Ich aber zog ein Bußkleid an, als sie erkrankten, und quälte mich ab mit Fasten. Nun kehre mein Gebet zurück in meine Brust“, heißt es im Psalm 35, Vers 13. Und weiter im Psalm 109, Vers 24: „Mir wanken die Knie vom Fasten, mein Fleisch nimmt ab und wird mager.“ Die Betenden klagen laut Psalm 69, Vers 11: „Ich habe geweint und gefastet, es brachte mir nur Verhöhnung.“
In Sack und Asche gehen
Das Fasten in Sack und Asche findet sich dennoch in der Religionsgeschichte des alten Israel. „Ich richtete mein Gesicht zu Gott, dem Herrn, um ihn mit Gebet und Flehen, bei Fasten in Sack und Asche, zu bitten“, sagt Daniel im gleichnamigen Buch (Kapitel 9, Vers 3). Das Buch Nehemia (Kapitel 9, Vers 1) erzählt von einem Bußgottesdienst: „Am vierundzwanzigsten Tag dieses Monats kamen die Israeliten zu einem Fasten zusammen, in Bußgewänder gehüllt und das Haupt mit Staub bedeckt.“ Bußgewänder kennt auch das Buch Jona (Kapitel 3, Vers 5): „Und die Leute von Ninive glaubten Gott. Sie riefen ein Fasten aus und alle, Groß und Klein, zogen Bußgewänder an.“ An das „heilige“ des Fastens wird öfter appelliert. „Ordnet ein heiliges Fasten an, ruft einen Gottesdienst aus! Versammelt die Ältesten und alle Bewohner des Landes beim Haus des HERRN, eures Gottes, und schreit zum HERRN“, berichtet das Buch Joel (Kapitel 1, Vers 14). Joel (Kapitel 2, Vers 15) ordnet ein heiliges Fasten an, ruft einen Gottesdienst
aus!“ Auch das Buch Ester (Kapitel 4, Vers 16) schildert ein großes Fasten: „Geh und ruf alle Juden zusammen, die in Susa leben. Fastet für mich! Esst und trinkt drei Tage und Nächte lang nichts! Auch ich und meine Dienerinnen wollen ebenso fasten.“
Jesus fastete 40 Tage und 40 Nächte
Vor dem Beginn seiner öffentlichen Wirksamkeit zog sich Jesus (laut Matthäusevangelium, Kapitel 4, Vers 1) in die Wüste zurück: „Dann wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel versucht werden. Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn.“
Später wird Jesus (im Matthäusevangelium, Kapitel 9, Vers 14) darauf aufmerksam gemacht, dass seine Jünger nicht fasten: „Da kamen die Jünger des Johannes zu ihm und sagten: Warum fasten deine Jünger nicht, während wir und die Pharisäer fasten?“ Jesus gibt eine klare Antwort (Markusevangelium, Kapitel 2, Verse 19 und 20): „Können denndie Hochzeitsgäste fasten, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Solange der Bräutigam bei ihnen ist, können sie nicht fasten. Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der Bräutigam weggenommen sein; dann werden sie fasten, an jenem Tag.“
Kein finsteres Gesicht beim Fasten
In der Lehre Jesu am Berg, kurz Bergpredigt genannt, spricht Jesus im Matthäusevangelium (Kapitel 6, Verse 16 bis 18) vom richtigen Fasten: „Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler! Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber, wenn du fastest, salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass du fastest, sondern nur dein Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“
Hunger, Durst, Kälte und Nacktheit
Das Lukasevangelium (Kapitel 2, Verse 36 bis 38) kennt auch eine ständig fastende Frau: „Damals lebte auch Hanna, eine Prophetin, eine Tochter Penuëls, aus dem Stamm Ascher. Sie hielt sich ständig im Tempel auf und diente Gott Tag und Nacht mit Fasten und Beten.“ Ebenso im Lukasevangelium (Kapitel 18, Vers 12) zählt ein Pharisäer seine eigene „Fastenleistung“ auf: „Ich faste zweimal in der Woche und gebe den zehnten Teil meines ganzen Einkommens.“ Die Apostelgeschichte (Kapitel 14, Vers 23) weiß von einem Fasten als Vorbereitung eines Gottesdienstes: „Sie setzten für sie in jeder Gemeinde Älteste ein und empfahlen sie unter Gebet und Fasten dem Herrn, an den sie nun glaubten.“ Auch Paulus nennt im zweiten Brief an die Korinther (Kapitel 11, Vers 27) das Fasten, das er gehalten hat: „Ich erduldete Mühsal und Plage, viele durchwachte Nächte, Hunger und Durst, häufiges Fasten, Kälte und Nacktheit.“