Dreimal in der Woche im Pflegewohnheim

Glaubenszeugnis
Ausgabe Nr. 6
  • Spiritualität
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Im Gottesdienst reichen Elisabeth und Fritz Neumann den Bewohnern im Pflegewohnheim ein Glas Wasser.
Im Gottesdienst reichen Elisabeth und Fritz Neumann den Bewohnern im Pflegewohnheim ein Glas Wasser. ©privat

Elisabeth, 65, und Fritz, 73, Neumann beschlossen, in ihrer Pension ihre Zeit sinnvoll einzusetzen. Dreimal pro Woche machen sie sich auf ins Haus Sankt Barbara, dem Pflegewohnheim der Caritas, und unterstützen die Bewohnerinnen und Bewohner.

Das Haus Sankt Barbara im 23. Bezirk wird von der Caritas betrieben und ist eines der größten Pflegewohnhäuser Österreichs.

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Herr Neumann, Frau Neumann, Sie sind intensiv ehrenamtlich im Einsatz. War das immer schon so? 

Fritz: Wir haben damit erst in der Pension begonnen. Als ich vor 14 Jahren mein Erwerbsleben beendet habe, meinte meine Frau zu mir, ich solle doch etwas ‚Sinnvolles‘ mit meiner freien Zeit anstellen. Also habe ich im Haus Sankt Barbara meine Dienste angeboten. Was ich denn gern machen würde?, wurde ich gefragt, und ich meinte, dass ich mich am liebsten mit den Menschen befassen möchte. Am Anfang bin ich zweimal pro Woche gekommen und habe mich zu den Bewohnern gesetzt. Heute bin ich dreimal in der Woche dort. Ich lese vor, spiele mit den Bewohnern Bingo, unterhalte mich. Die Leute erzählen gern aus ihrem Leben, oft von früher. Vor kurzem erst haben zwei Männer, die im Pflegewohnheim leben, ein ehemaliger Straßenbahnfahrer und ein Kanalreiniger, viel über ihre Arbeit erzählt. Seit Neuestem gibt es einen Bewohner, der Musikant ist. Er kommt oft mit seiner Gitarre und spielt. Wir lachen sehr viel. 

Elisabeth: Mein Mann verkleidet sich im Dezember außerdem als Nikolaus und besucht die vier Stationen im Haus. Und er übernimmt oft die Spitalsbegleitung. 

Fritz: Bei demenzkranken Personen zum Beispiel. Ich kenne sie und ihre Vorgeschichte ja meistens gut und kann so manche Fragen im Spital beantworten.

Elisabeth: Es hat sich herumgesprochen, dass mein Mann die Spitalsbegleitungen verlässlich und gern macht. Deswegen wird er oft angerufen und darum gebeten, Menschen zu Untersuchungen zu begleiten. Ich selbst bin vor drei Jahren in Pension gegangen und habe schon bei meinem Mann gesehen, wie gut ihm das ehrenamtliche Engagement tut. Also habe ich auch damit begonnen. Ich bin Gesundheitsbuddy beim Hilfswerk und gehe wie Fritz ins Haus Sankt Barbara. 

Gottesdienste im Pflegewohnheim

Sie beide begleiten die Bewohner des Hauses am Mittwoch zur Heiligen Messe in die Kapelle. Wie viele Bewohner nehmen das in Anspruch?

Elisabeth: Es sind meist rund vierzig Personen. Wir fragen jeden von ihnen, ob er auch an diesem Tag mitkommen möchte. Für viele ist die Messe ein wichtiger Fixpunkt. Eine der Bewohnerinnen sagt mir oft, wie sehr ihr der Besuch der Messe ein Bedürfnis ist, gerade jetzt im Alter. Andere kommen mal mit, mal nicht. Eine andere Frau zum Beispiel, 102 Jahre alt, sitzt oft vor ihrem Zimmer am Gang. Wenn wir sie fragen, ob wir sie in die Kapelle bringen sollen, sagt sie manchmal ja, manchmal nein. 

Fritz: Im Gottesdienst lesen wir auch die Lesungen und nach der Kommunion reichen wir den Bewohnern einen Schluck Wasser. 

Im Pflegewohnheim ist man oft mit dem Tod konfrontiert

In einem Pflegewohnheim wie im Haus Sankt Barbara sind Sie regelmäßig mit dem Tod konfrontiert. Wie gehen Sie damit um?

Fritz: Der Tod gehört zum Leben. Im Pflegeheim ist das ein Hin und Her, ein Nebeneinander: Da sitzt man am Bett einer Sterbenden und streichelt über ihren Arm, und kurz darauf feiert man das Erntedankfest in der Aula mit flotter Musik.  

 

„Der Tod gehört zum Leben. Im Pflegeheim ist das ein Hin und Her, ein Nebeneinander.“

Ehepaar Neumann

Hat sich dadurch Ihre persönliche Perspektive auf das Sterben und den Tod verändert?

Fritz: Ich bin gelassener geworden. Ich sehe, was alles passieren kann und wie schnell es gehen kann. Wichtig ist für mich, die innere Ruhe zu bewahren, zufrieden zu sein. Ich bin ein ausgeglichener Mensch und freue mich über die Anerkennung und Wertschätzung, die mir im Haus Sankt Barbara entgegengebracht wird. 

Elisabeth (lacht): Wenn die Bewohner mich sehen, fragen sie gleich: ‚Wo ist der Fritz?

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Autor:
  • Sandra Lobnig
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