„Das Feuer muss in dir selbst brennen“
Glaubenszeugnis
Susanne Schiefer-Pichlbauer gehört zu Pfarre Lichtenegg in der Buckligen Welt. Dort ist sie aufgewachsen.
Glaube ist wichtig
Sind Sie in eine gläubige Familie hineingeboren?
Seit ich zurückdenken kann, war der Glaube wichtig. Es war für mich als Kind immer selbstverständlich, dass wir am Sonntag in die Kirche gegangen sind, meine Geschwister und ich waren auch alle Ministranten. Was mich sehr geprägt hat – obwohl es mir damals gar nicht so bewusst war: Mein Papa war mein Firmbegleiter. Das war mir damals zwar peinlich, aber im Nachhinein sehe ich, wie viel er mir und unserer kleinen Gruppe damals mitgegeben hat.
Ein Vater als Firmbegleiter ist ungewöhnlich.
Das war es damals und ist es bis heute. Er ist bis jetzt der einzige Papa in der Pfarre, der das gemacht hat. Das Tolle: Er hat uns alle immer wieder ins Auto gepackt und ist mit uns überall hingefahren: Zum Beispiel zu den Dekanats- und Vikariatsjugendmessen nach Wiener Neustadt. Dort habe ich viele für mich wichtige Menschen kennen gelernt.
Seit damals bringen Sie sich sehr ein in der Pfarre und darüber hinaus.
Ich war Teil der örtlichen Jugendgruppe, war eine Zeitlang auch hauptamtliche Jugendleiterin. Als Jugendliche wollte ich unbedingt im Chor der 1.000 Stimmen singen, der im Stephansdom aufgetreten ist. Dort konnte man aber nicht als Einzelperson, sondern nur als Chor mitsingen. Und so habe ich mit sechszehn Jahren einen Chor gegründet, den es bis heute gibt. Als ich mit meinem dritten Kind schwanger war, habe ich statt eines Geburtsvorbereitungskurses einen Orgenl-einsteigerkurs beim Kirchenmusiker Herbert Gasser absolviert, der mich später gefragt hat, ob ich nicht am Kirchenmusikkonservatorium studieren möchte. Die Zeit am Konservatorium war für mich sehr prägend, meinen großartigen Lehrern dort bin ich unglaublich dankbar. Zu der Zeit hat mir der Direktor des Erzbischöflichen Gymnasiums in Sachsenbrunn Stunden an der Schule angeboten. Dort unterrichte ich in einem christlichen Umfeld und fühle mich sehr wohl. So hat sich immer eines ins andere gefügt.
Sie waren und sind außerdem in der Erstkommunion- und Firmvorbereitung aktiv, organisieren Gottesdienste für junge Menschen, und spielen am Sonntag im Gottesdienst an der Orgel, manchmal bis zu drei Mal an einem Wochenende. Beeindruckend!
Heute sind meine eigenen Kinder meine Motivation. Ich möchte ihnen zeigen, dass Kirche nicht verstaubt sein muss. Dass der Glaube und die Bibel etwas mit dem eigenen Leben zu tun hat. Ich finde, wir haben alle Talente bekommen und die Verantwortung, sie einzusetzen. Und wenn wir etwas verändern wollen, müssen wir selbst aktiv werden.
„Heute sind meine eigenen Kinder meine Motivation“
Susanne Schiefer-Pichlbauer
Und: Sind Ihre Kinder an Bord?
Bis jetzt funktioniert es gut, was mich sehr freut! Sie singen im Chor mit, ministrieren, meine große Tochter ist mit fünfzehn Lektorin und Mesnerin. Und sie sind bei den Jugendgottesdiensten „OnTrack - Gemma bet‘n“ dabei, die in unterschiedlichen Pfarren des Dekanats stattfinden.
Wie haben Sie es geschafft, dass sich Ihre Kinder nicht von der Kirche abwenden – wie Jugendliche das oft tun?
Wichtig ist, dass das Feuer in dir selbst brennt und dass die Kinder das sehen. Auch wenn es manchmal mühsam ist, bleibe ich dran – das will ich ihnen vermitteln. Außerdem haben sie alle eine Aufgabe im Gottesdienst. Das macht viel aus. Aber natürlich: Ich weiß nicht, wie es später sein wird. Was wir als Eltern tun können, ist den Grundstein zu legen, sie zu begleiten. Noch ein Beispiel: Bei uns im Ort gibt es eine Selbstbesteuerungsgruppe. Wir verpflichten uns dazu, einen Teil unseres Einkommens zu spenden. Dafür treffen wir uns zweimal pro Jahr und entscheiden, welches Projekt wir unterstützen wollen. Zu diesen Treffen habe ich meine Kinder immer mitgenommen. Ich will, dass sie das mitbekommen.
Susanne Schiefer-Pichlbauer
Alter: 41
Lebensmotto: Sei du die Veränderung, die du dir wünscht für die Welt.
Gott ist für mich: Stütze und Halt.
Sonntag bedeutet für mich: eine Auszeit vom Alltag, zur Ruhe kommen, aber auch, eine Aufgabe zu haben.