Das ewige Unrecht

Ihnen gesagt
Ausgabe Nr. 30
  • Meinung
Leihmutter mit Kind
Was ein Kind empfindet, das seine Bezugsperson – die Leihmutter ist auch das! – verliert, hört man nur in Nischenveranstaltungen ©Wikicommons / Tiomax80

Chefredakteurin Sophie Lauringer über Leihmutterschaft und den Wunsch einer eigenen Familie.

Im Deutschunterricht waren wir entsetzt: Wir sahen „Die Ratten“. Gemeint ist das naturalistische Drama von Gerhart Hauptmann. Wir lebensunerfahrenen Teenie-Mädchen verurteilten die amoralische Gesellschaft, die nicht für eine uneheliche junge Mutter und ihr Kind einsteht, sodass diese in ihrer Not ihr Neugeborenes verkauft.

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Mit der Leihmutter zum Wunschkind

Unsere jugendliche Empörtheit hielt nicht allzu lange an. Denn aus unserer Generation heraus wurden Erwachsene, die nichts anderes machen.

Die es sich leisten können, investieren nicht unerhebliche Summen und holen sich ihr Wunschkind.

Das ist zwar bei uns verboten, hindert aber wohlhabende Menschen der Nordhalbkugel nicht, die Verbote geschickt zu umgehen.

Und auch ein homosexuell lebender Mensch hat eben das innere Bedürfnis, eine eigene Familie zu gründen – treuherzig wird uns dieser scheinbar philantropische Ansatz rauf- und runtererzählt, der am Ende nur dem hedonistischen Lebensgefühl einer westlichen Gesellschaft entspricht, die ihre beschworenen Werte selbst mit Füßen tritt.

Dass allerdings selbst Politiker ihre eigenen Gesetze missachten und auch noch herbeierklären, dasss sie ja christlich leben, hat schon eine eigene Qualität. Im Fall des CDU-Unions-Fraktionschefs Spahn führte es zumindest zu dessen Rücktritt.

Dass am anderen Ende eines jungen Familienglücks eine ausgebeutete Frau steht, die ihren Körper massiv schädigt, ist wenig Thema. Was ein Kind empfindet, das seine Bezugsperson – die Leihmutter ist auch das ! – verliert, hört man nur in Nischenveranstaltungen. Und somit wieder zurück zu „den Ratten“: In dem Stück handeln alle schlecht – außer dem unschuldigen Kind. Wie es ihm am Ende ergehen wird, erfahren wir nicht. 

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