„Da ist sehr viel Positives – man muss es nur sehen“

Glaubenszeugnis
Ausgabe Nr. 2
  • Spiritualität
Autor:
Klaus Eichardt-Ackerler hat immer schon gern ministriert, auch wochentags. Er ist Pastoralassistent in der Antonskirche in Favoriten.
Klaus Eichardt-Ackerler hat immer schon gern ministriert, auch wochentags. Er ist Pastoralassistent in der Antonskirche in Favoriten. ©Privat

Wenn es nach manchen Frauen in seinem burgenländischen Heimatort gegangen wäre, wäre Klaus Eichardt-Ackerler, 59, Priester geworden. Heute ist er seit dreißig Jahren Pastoralassistent im 10. Bezirk in Wien – und hat viel Veränderung miterlebt.

Klaus Eichardt-Ackerlers Arbeitsort als Seelsorger ist vorwiegend die Antonskirche in Favoriten, wenn auch nicht als Priester.

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Deine kirchliche ‚Karriere‘ begann als Ministrant im burgenländischen Strebersdorf. Du wolltest sogar Priester werden.

Ich habe gern ministriert, auch wochentags. Und wie es halt so ist in einem kleinen Dorf, haben die Frauen in der Kirche gemeint: Der ist so brav, der soll Pfarrer werden. Als ich 14 war, habe ich mir diese Frage selber gestellt und entschieden, ins Knabenseminar, wie es damals geheißen hat, nach Mattersburg zu gehen. Nach dem Präsenzdienst bin ich ins Priesterseminar eingetreten, habe aber gemerkt, dass es nicht mein Weg ist. Theologie habe ich fertig studiert und in Sankt Anton als Pastoralassistent begonnen. Ich bin also immer noch dort, wo ich angefangen habe. 

Das ist 30 Jahre her, in denen sich sehr viel dort verändert hat. Welche Veränderungen fallen dir besonders auf?   

Vor allem natürlich der demographische Wandel im Bezirk. Wir Christen schrumpfen zusammen, und man begegnet vielen Menschen auf der Straße, die Migrationshintergrund haben. Ich erinnere mich an den ersten Schultag voriges Jahr, als ich mit der U-Bahn in die Arbeit gefahren bin. Da waren so viele Kinder, viele richtig herausgeputzt in schönen Kleidern und mit Schultüte, einige Mädchen mit Kopftuch – und alle in freudiger Erwartung. Wie bunt ist doch Favoriten, habe ich gedacht. Und mittendrin ist es unsere Berufung, das Evangelium zu verkünden: Gott liebt die Menschen.

Ist es für dich frustrierend, mitzuerleben, wie die Zahl der Katholiken zurückgeht?  

Es frustriert mich eher, wenn wir Christen diese Botschaft der Liebe zu wenig verstehen. Aber in unserer Pfarre erlebe ich sogar so etwas wie einen kleinen Aufbruch. Es gibt Menschen, die Rosenkranz beten, am Leben der Gemeinde teilnehmen, sonntags in den Gottesdienst kommen und sich sehr engagieren im Dienst an anderen. Da ist viel Positives da, man muss es nur sehen. 

Die Antonskirche in den Medien

Die Antonskirche war in der Vergangenheit in den Medien: Die Außenfassade wurde beschmiert, im Kirchenraum kam es zu Beschädigungen. Wie erlebst du das?  

Zum Glück sind die Vandalenakte im Inneren der Kirche wegen der Videoüberwachung selten. Aber klar ärgert mich das! Gleichzeitig finde ich es nicht gut, wenn diese Vandalenakte in den Medien hochgekocht werden. Meine Strategie ist: Ich überlasse es der Polizei, sich damit zu beschäftigen, und lege den Fokus auf die Botschaften, die in der Kirche zu finden sind. Dafür wünsche ich mir viel mehr Aufmerksamkeit.

„Wenn Kinder oder Jugendliche in die Kirche kommen, 
spreche ich sie an.“

Klaus Eichhardt-Ackerler

Rund um die Kirche ist immer viel los. Kommst du mit den Leuten in Kontakt? 

Wenn Kinder oder Jugendliche in die Kirche kommen, spreche ich sie an. Ich gebe zu, wegen des Vandalismus auch ein wenig argwöhnisch zu sein. Oft reden sie aber einfach oder spielen am Handy, dann sage ich Hallo und frage sie: ‚Ihr seid ja in einer Kirche, wollt ihr etwas wissen?‘ Manche sind wirklich sehr interessiert und fragen, ob es stimmt, dass wir an drei Götter glaube.

Pastoralassistent in der Antonskirche

Als Pastoralassistent bist du sozusagen von Berufs wegen Christ. Wie pflegst du die Beziehung mit Gott? 

Vielleicht haben es ‚Berufschristen‘ sogar noch etwas schwerer, immerhin stehen sie stärker in der Verantwortung, ihren Glauben zu pflegen. Bei mir ist es so: Ich habe mir angewöhnt, am Rosenkranzgebet in der Gemeinde teilzunehmen und gehe in die Wochentagsmesse. Ich habe immer schon an Gott geglaubt, aber in den vergangenen Jahren hat sich das sehr intensiviert. Ich habe die Gewissheit, dass er da ist.

Wodurch hat sich das verändert?  

Das hatte auch mit meiner Frau zu tun: Sie hatte einen Tumor. Die Krankheit hat in uns beiden etwas verändert. Wir sind im Laufe der Krankheitsgeschichte auf Maria gestoßen. Maria ist uns wichtig geworden. Durch sie ist mir stärker bewusst geworden, dass Gott tatsächlich da ist. Und Jesus unmittelbar zu begegnen, ist in der Eucharistie für jeden möglich. Ich habe gemerkt: Es braucht die Änderung des Blickes, um eine Realität, die da ist, wahrzunehmen. Gott ist die Liebe und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott. 

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Autor:
  • Sandra Lobnig
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