Auf die alte Großmutter Kirche kann man einschlagen
Christen in BedrängnisAuf großes Interesse stieß diese Woche die Veranstaltung "Christen in Bedrängnis", zu der die Wiener Volkspartei in die Volkshalle des Wiener Rathauses geladen hatte. Jan Ledochowski, Sprecher für Christdemokratie der Wiener Volkspartei und Vorsitzender der Meldestelle "Christenschutz.at", konnte dazu neben den Referentinnen und Referenten u.a. den russisch-orthodoxen Wiener Bischof Alexij (Zanochkin), den rumänisch-orthodoxen Bischofsvikar Nicolae Dura, den syrisch-orthodoxen Chorepiskopos Emanuel Aydin oder auch Freikirchen-Generalsekretärin Claudia Krupensky begrüßen.
Dazu kamen zahlreiche weiterer Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlicher Kirchen und Institutionen. Auch der Wiener Weihbischof Franz Scharl war im Publikum. Hilfsorganisationen wie Open Doors, Christen in Not und Kirche in Not waren mit Infotischen vertreten.
Die Not der Christinnen und Christen im Nahen Osten ist groß.
Der Wiener ÖVP-Parteiobmann Markus Figl kritisierte eingangs der Veranstaltung, dass das Thema "Christenverfolgung" in Österreich immer noch verharmlost werde. Die Not der Christinnen und Christen im Nahen Osten sei groß. "Darüber müssen wir reden", so Figl. Und für Österreich hielt er fest: "Christliche Werte und Traditionen bilden das Fundament unseres Landes und des gesellschaftlichen Zusammenhalts." Diese dürfe man auch nicht in Anbetracht von falscher Toleranz verleugnen, sondern müsse sie mit Selbstbewusstsein leben.
Ein Arzt aus Syrien, der aus Sicherheitsgründen nicht namentlich genannt werden wollte, hielt fest, dass die Christen aus ihrer Heimat nicht deshalb fliehen würden, weil sie sich im Westen mehr Wohlstand erhofften, sondern aus existenziellen Ängsten heraus. Der Alltag der Christen sei geprägt von Marginalisierung, direkter und indirekter Bedrohung. Er warnte vor der schleichenden Islamisierung des Landes und sprach von einer ungewissen Zukunft für die Christen in Syrien. Dankbar zeigte sich der Arzt gegenüber seinem neuen Heimatland Österreich. Die Migranten seien gefordert, sich für ein friedliches Zusammenleben in Österreich einzusetzen, so der Arzt. Und er forderte, mit entschlossener Härte gegen jede Form von Extremismus vorzugehen.
Eine Frau aus dem Iran, die in Österreich getauft wurde, schilderte, dass Konvertiten auch in Österreich in Angst leben würden. Ihren Namen wollte sie aus Sicherheitsgründen ebenfalls nicht medial genannt wissen. Ihre klare Botschaft:
Wir dürfen auf unseren Glauben nicht verzichten. Wir müssen ihn so leben, dass wir Zeugnis geben.
Erzpriester Nikola Wahbeh von der antiochenisch-orthodoxen Gemeinde in Wien zeigte sich überzeugt, dass Österreich von den Erfahrungen der Christen im Nahen Osten lernen müsse und nicht mit dem Feuer spielen dürfe. Die Stimme der Christen hier im Land bezeichnete er als viel zu leise.
Weniger Christen, weniger Glaubensweitergabe
Im Rahmen der Veranstaltung wurden auch geschätzte Zahlen zu den Christen im Nahen Osten genannt. genannt. Demnach lebten in Syrien vor dem Krieg noch rund 2 Mio. Christen, heute sind es noch 300.000. Im Irak waren es vor 2003 noch rund 1,5 Mio., heute sind es nur mehr 150.000.
Das Christentum und die Gletscher
Harald Zierfuß, Klubobmann der ÖVP Wien im Wiener Gemeinderat, sprach sich dafür aus, Christen aus andern Ländern in Österreich aufnehmen, die verfolgt sind. Zierfuß zeigte sich weiters im Blick auf seine Partei überzeugt: "Das christliche Menschenbild ist in unserer DNA." Im politischen Alltag müssten täglich Kompromisse geschlossen werden. Nach außen wirkt es dann nicht immer christlich, aber man kann dennoch viel bewegen. Zierfuß erinnerte an den einstimmigen Beschluss des Wiener Gemeinderates zur Verurteilung der weltweiten Christenverfolgung.
Besorgter zeigte sich diesbezüglich Pater Karl Wallner vom Kloster Heiligenkreuz. Der frühere Missio-Nationaldirektor stellte für Österreich fest: "Das Christentum schmilzt schneller als die Gletscher. Auf die alte Großmutter Kirche kann man einschlagen, denn Christenhass ist verbreitet." Der Abbruch der Glaubensweitergabe sei dramatisch, so Wallner, der zugleich aber auch von der "brutalen Realität der Demografie" sprach und Kardinal Christoph Schönborn zitierte: "Wer die Kinder hat, hat die Zukunft."
Es sei nicht egal, welche Religion ein Land prägt, sagte der Ordensmann:
"Wenn die christliche Prägung eines Landes verloren geht, gehe damit aber auch die Menschlichkeit verloren."
Letztlich wolle er aber Optimist bleiben, so Pater Wallner. Die Wende sei zu schaffen. Die Kirche müsse von der Palliativstation zur Geburtsstation werden. In jeder Messe sollte eine Fürbitte für verfolgte Christen gebetet werden, forderte Wallner weiters und er mahnte zudem eine genaue Unterscheidung zwischen Asyl und Migration ein: "Asyl muss Asyl bleiben. Migration darf aber nicht zur Invasion führen."
Für Betroffenheit sorgte im Rahmen der Podiumsdiskussion der Bericht eines Wiener katholischen Pfarrers, wonach vor wenigen Tagen ein abendlicher Gottesdienst von muslimischen Jugendliche mit „Allahu akbar“-Rufen gestört wurde. Der Vorfall sei auch nicht nur besorgniserregend, sondern auch empörend, da sich die betreffende Pfarre sehr aktiv in der Flüchtlingshilfe bewährt hatte.
Der Abschluss stimmte versöhnlich: Ein Chor der syrisch-orthodoxen Kirche das Vater Unser auf Aramäisch in der Sprache Jesu.