Auf(er)wecken und auf(er)stehen
Meinung
Als Mutter zweier Kinder war ich jahrelang gewohnt, sie in der Früh aufzuwecken und zum Aufstehen zu motivieren. Das war nicht immer leicht und ich erfuhr oft sehr schmerzlich, dass zwischen Aufwecken und Aufstehen ein großer Unterschied sein kann. Und doch gehört beides zusammen.
Auferstehen: Zurück vom Tod
Wenn ich über Auferstehung nachdenke, erinnere ich mich oft an diese Situationen. Denn im biblischen Denken ist Auferstehung nur möglich, wenn Gott jemanden auferweckt. Kein Toter kann irgendwann von sich aus beschließen, aus dem Tod aufzuerstehen. Die Initiative muss von Gott ausgehen. Wer aufersteht, muss zuvor auferweckt worden sein. Auch zwischen Auferstehung und Auferweckung gibt es also einen Unterschied und doch gehören auch sie zusammen. Schon im Alten Testament finden sich Spuren für die Hoffnung, ja, Gewissheit, dass Gott die Seinen nicht im Tod belässt, dass der Tod nicht das letzte Wort hat: Ob das Gottesvolk nach dem Exil (Ez 37), ob einzelne Märtyrer (2 Makk 7), ob der Beter von Psalm 16: Es ist Gott, der sie erweckt, seine Zuwendung zu den Menschen macht sie lebendig.
Das Sterben nicht als Ende sehen
Mir gefällt dieser Gedanke: Da ist jemand, der möchte, dass ich mein Sterben nicht als das Ende sehe. Und der dann, wenn ich gestorben bin, dafür sorgt, dass ich nicht im Tod bleibe. Aber nicht nur erst dann. Er ist es auch, der mir jeden Tag neu die Kraft dazu gibt, mein Leben wach zu leben, der mich aus den kleinen Toden des Alltags immer wieder auferstehen lässt. Gott befähigt und motiviert mich, er weckt mich auf.
Auferstehung ist nicht nur ein passives Geschehen
Und doch ist Auferstehung nicht nur ein passives Geschehen. So wie bei meinen Kindern: Ich kann sie zwar wecken und zum Aufstehen motivieren. Aufstehen müssen sie aber selbst.
Der Kommentar drückt ihre persönliche Meinung aus!
Zu den Personen
Elisabeth Birnbaum (57) ist Direktorin des Österreichischen Katholischen Bibelwerks.