"Die Passion" auf RTL: Kitsch trifft Glauben

Hirtenhund
Ausgabe Nr. 14
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©Der SONNTAG

Der Hirtenhund "bellt" über "Die Passion" auf RTL.

Zum letzten Abendmahl gab es Ciabatta und zwei Pizzen Frutti di Mare. Dazu noch ein Selfie der Jünger und ein gemeinsam geträllertes „So soll es bleiben“, den Hit von „Ich + Ich“. Man hätte das Spektakel „Die Passion“, das kurz vor Ostern auf RTL zum zweiten Mal über die Bühne gegangen ist, wirklich in Grund und Boden kritisieren können. Die teils jämmerlichen B- und C-Schauspieler, die sich ansonsten Käfer und Kröten im Dschungelcamp in den Mund stopfen. Die poppige Verkitschung oder kitschige Verpoppung mit einem Soundteppich der 80er, der 90er und dem Besten von heute … Die Werbeunterbrechungen mit vorherigen Cliffhangern (Wird Jesus echt voll krass verurteilt und getötet? Bleiben Sie dran!). Ja, ja, ja, alles schrecklich und zum Fremdschämen. Hat so auch gleich der allzeit kritisch sprungbereite Ulrich Körtner in einer vernichtenden Kritik auf einem evangelischen Blog erledigt. Katholische Beobachter waren da etwas milder. Fremdscham, ja, aber irgendwie auch berührend. Und irgendwie ist ja auch was rübergekommen. Nur – was? 

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Mir ist nach den erschöpfenden wie erfüllenden heiligen Tagen der Karwoche und dem österlichen Halleluja so gar nicht nach Kritik zumute. Ich bin eher milde gestimmt und kann über diesen RTL-Klamauk ruhig hinweglächeln. Denn, hey, es ist RTL, was erwartet ihr? Hätten 3sat oder arte die Passion inszeniert – es hätte sicherlich keine Millionen-Einschaltquote und auch kein Twitter-Gewitter gegeben. Ich stelle mir lieber vor, wie sich unser Toni F. und sein vermutlich leicht verbitterter Künstlerfreund Gottfried H. mit Popcorn und weißem Spritzer auf die churhäusliche Couch gefläzt haben und sich „Die Passion“ gegeben haben: 

Toni: „Wow, was für eine Inszenierung, was für Licht­effekte!“ Gottfried: „Aber Toni, das ist doch wirklich sehr aufgesetzt und knallig. Das verstört das Gottesvolk doch nur!“ Toni (zögernd): „Gottfried, vielleicht hast du Recht. Wobei ich die Idee witzig und treffend finde, die Passionsgeschichte nach Kassel zu verlegen. Kassel ist wirklich Passion pur.“ Beide lachen gelöst. Toni greift nach der letzten Ausgabe vom Pfarrblatt der Dom­pfarre mit dem nicht-gezeigten Ostertuch auf dem Cover. Toni: „Hast du schon mal überlegt, dein Werk an RTL zu verkaufen?“ Gottfried: „Ja, klar, aber denen war das zu krass. Und zu teuer.“ Auf der Mattscheibe geht die Passion ihrem Ende entgegen. Toni: „In zwei Jahren soll wieder eine ‚Passion‘ auf RTL laufen.“ Gottfried: „Und sie suchen nach einer geeigneten Location.“ Toni: „Denkst du, was ich denke?“

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