6. Juli: Selige Maria Theresia Gräfin Ledóchowska
Mutter Afrikas
Im Heiligenlexikon steht unterhalb des Namens der heutigen Seligen: Deckname Alexander Halka. Diesen brauchte sie, weil sie Autorin und Verlegerin war und als Frau zu ihrer Zeit nicht ernst genommen worden wäre. Und einen Orden hat sie nebenbei auch gegründet.
Mutter Afrikas: Maria Theresia Gräfin Ledochowska brennt für Afrika
Ihr richtiger Name war Maria Theresia Gräfin Ledochowska. Die Schriften, die sie verfasste und in ihrem eigenen Verlag herausgab, hatten alle ein Thema: Afrika. Ledochowska brannte für Afrika und die Abschaffung der Sklaverei und hat den Beinamen „Mutter Afrikas“ erhalten. Wie kam es dazu, dass die österreichische Adelige mit polnischen Wurzeln aus Loosdorf bei Melk diesen internationalen Titel erhielt?
Maria Theresia Ledochowska: Von der Hofdame zur Ordensgründerin
Ledochwska kam 1863 zur Welt. Mit 22 Jahren trat sie in den Dienst der Großherzogin Alice von Toskana in Salzburg. Kurz darauf hörte sie von Kardinal Charles Lavigerie, der sich gegen die Sklaverei einsetzte, und verließ den Hof, um sich dem Fundraising für die Mission zu widmen. Sie sammelte Mitarbeiterinnen um sich. Daraus entstand eine Vereinigung zum Kampf gegen die Sklaverei in Afrika, aus der der Orden der Missionsschwestern vom heiligen Petrus Claver wurde; deren Aufgabe war die finanzielle Unterstützung der Missionare, und die Herausgabe religiöser Bücher in afrikanischen Sprachen; dafür wurde im Missionshaus Maria Sorg in Bergheim bei Salzburg eine eigene Druckerei errichtet.
Mit Medien gegen die Sklaverei
Maria Theresia Ledochowska war ein Marketinggenie. 1899 verfasste sie das Drama: „Zaida“, in dem sie die Folgen der Sklaverei vor allem für Frauen thematisierte. Sie gab Zeitschriften heraus und kuratierte Wanderausstellungen, um über das Leben in Afrika und vor allem über die Sklaverei zu informieren. Sie organisierte mehrtätige Informationsveranstaltungen und hielt Vorträge, was für eine Frau ihrer Zeit sehr ungewöhnlich war. Doch auch nach Afrika gingen Schriften, denn Maria Theresia gab Schulbücher in Hunderten afrikanischen Sprachen heraus. Die Zeitschrift „Echo aus Afrika“ erscheint seit 1920.
Und so wurde aus der Gräfin und Missionsnärrin auch noch die „Mutter Afrikas“, die selbst nie in Afrika war. Maria Theresia Ledochowska starb mit 59 am 6. Juli 1922 in Rom und wurde 1975 seliggesprochen. Ihre Schwester Ursula ist übrigens eine Heilige. Aber das ist eine andere Geschichte, nämlich die vom 29. Mai.
Das Buch zum Podcast
Heilige, das sind beeindruckende Persönlichkeiten auf allen Kontinenten, in allen Jahrhunderten: Herrscher und Sklaven, Brave und Aufmüpfige, Geistliche und Laien. Diese bunte Schar porträtiert Autorin Bernadette Spitzer in kurzweilig-informativen Geschichten, wobei sie die Besonderheit der jeweiligen Persönlichkeit treffend hervorkehrt. Sie übersetzt die teils sperrigen Quellen in eine heutige Sprache und spart dabei nicht mit einem Augenzwinkern. Die tägliche Auswahl dieser „Vorbilder“ reicht von in der breiten Öffentlichkeit weniger bekannten, bis hin zu solchen, die erst vor kurzem heilig- oder seliggesprochen wurden. Aufgefrischt durch moderne Illustrationen und bemerkenswerte Zitate wird das Buch zur täglichen Inspirationsquelle.
Bernadette Spitzer
Von Bischofsstab bis Besenstiel. Mit 365 Heiligen durchs Jahr.
Wiener Dom-Verlag.
ISBN: 978-3-85351-294-4
Erhältlich im Webshop des Wiener Dom-Verlags.