29. Oktober: Maria Restituta Kafka

Widerstand im Ordenskleid
Ausgabe Nr. 43
  • Heiligenschein
Autor:
©Irene Unger

Wöchentliche Heilige, vorgestellt von Bernadette Spitzer.

Schwester Resoluta – so wird die erste Märtyerin Österreichs genannt: Restituta Kafka, eine Wiener Franziskanerin, die 1943 von den Nazis enthauptet wurde.

Werbung

Maria Restituta: Kindheit und Leben als Krankenschwester

Eigentlich hieß sie Helene und kam 1894 in Brünn als sechstes von sieben Kindern eines Schuhmachers zur Welt. Als sie zwei alt war, zogen ihre Eltern nach Wien-Brigittenau. Mit 19 Jahren trat sie mit dem Ordensnamen Maria Restituta bei den Hartmannschwestern ein und wurde Operationsschwester, erst in Lainz, und ab 1919 in Mödling.

Dort erhielt sie auch den Spitznamen Resoluta, denn sie war energisch, fröhlich, hilfsbereit, zudem hochkompetent und ein wenig anders. So gönnte sich die beleibte Schwester nach anstrengenden Operationen im Gasthaus ein Gulasch mit einem Krügel Bier.

Widerstand gegen den Nationalsozialismus

Hitler war für sie ein "Narrischer" und das sagte sie auch. Sie missachtete Anordnungen der Nazis, hängte etwa Kruzifixe nicht ab, behandelte aber alle Patienten gleich sorgfältig. Ein regimekritisches Gedicht, das sie einer Sekretärin diktierte, wurde ihr zum Verhängnis. Sie wurde denunziert. Am Aschermittwoch 1942 wurde sie wegen Vorbereitung zum Hochverrat im Operationssaal verhaftet und später zum Tode verurteilt. Am 30. März 1943 wurde die 49jährige Maria Restituta im Wiener Landesgericht enthauptet. Sie war die einzige Ordensfrau, die von den Nazis in Österreich hingerichtet wurde.

Maria Restituta: Seligsprechung und ein ungewöhnliches Denkmal

1998 wurde Restituta Kafka seliggesprochen. In Wien und Mödling gibt es mittlerweile nach ihr benannte Gassen, Plätze, einen Gemeindebau und ein Musical. Den Vogel hat aber eine Kirche in Kanada abgeschossen: Auf einem Glasfenster hat man Restituta als Attribut einen Bierkrug gegeben. Na dann Prost.

Buchcover Von Bischofsstab bis Besenstiel
©Wiener Dom-Verlag

Das Buch zum Podcast

Heilige, das sind beeindruckende Persönlichkeiten auf allen Kontinenten, in allen Jahrhunderten: Herrscher und Sklaven, Brave und Aufmüpfige, Geistliche und Laien. Diese bunte Schar porträtiert Autorin Bernadette Spitzer in kurzweilig-informativen Geschichten, wobei sie die Besonderheit der jeweiligen Persönlichkeit treffend hervorkehrt. Sie übersetzt die teils sperrigen Quellen in eine heutige Sprache und spart dabei nicht mit einem Augenzwinkern. Die tägliche Auswahl dieser „Vorbilder“ reicht von in der breiten Öffentlichkeit weniger bekannten, bis hin zu solchen, die erst vor kurzem heilig- oder seliggesprochen wurden. Aufgefrischt durch moderne Illustrationen und bemerkenswerte  Zitate wird das Buch zur täglichen Inspirationsquelle.

 

Bernadette Spitzer
Von Bischofsstab bis Besenstiel. Mit 365 Heiligen durchs Jahr.
Wiener Dom-Verlag.
ISBN: 978-3-85351-294-4

Erhältlich im Webshop des Wiener Dom-Verlags.

Schlagwörter
Autor:
  • Bernadette Spitzer
0:00
0:00
Werbung

Neueste Beiträge

| Hirtenhund
Hirtenhund

Der Hirtenhund bellt diese Woche über den Glauben und seine Weitergabe.

| Theologie
Frauen im Tanach

Der Tanach scheint ein Buch der Patriarchen zu sein. Doch Frauen sind aus der hebräischen Bibel nicht wegzudenken: Retterinnen, Prophetinnen und Stammmütter prägen den Tanach von Eva bis Esther.

| Kunst und Kultur
„Spiegel“ im Theater Spielraum

Seifenblasen, laute Musik, eine Candy Bar vor dem Eingang: Ehe man sich versieht, scheint man bei „Spiegel“ im Theater Spielraum nicht Zuschauer, sondern Gast einer Hochzeitsgesellschaft zu sein. An die Stelle der Eintrittskarte tritt eine Einladung zur Hochzeit von „Leyla & Joel“. Wer sich als geladener Gast fühlt, ist längst mehr: Mitwisser einer Aufführung, die die Zensur nie genehmigt hätte.