Biber-Quiche und Tradition

Hirtenhund
Ausgabe Nr. 9
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©Der SONNTAG

Der Kirchenhund bellt diese Woche über Biber-Quiche und das Fasten. Auch die Pius-Brüder und das Klischee des "Christentum als antimoderner Ewigkeitsmythos" sind Thema.

In Kärnten wird katholische Tradition noch gelebt. Und gegessen. Was nicht allen wohl bekommt. So sorgte zuletzt ein „Biber-Quiche“-Rezept im Magazin „Der Kärntner Jäger“ für Aufregung. Tatsächlich stellt Biber eine traditionelle Fastenspeise dar. Angeblich hat das Konstanzer Konzil Anfang des 15. Jahrhunderts auf die Not der Fastenden reagiert und festgelegt, dass alles, was im Wasser lebt, nicht unter das Fastengebot fällt. Vermutlich unter dem Einfluss des ebenfalls nicht fastenbrechenden Starkbiers haben daraufhin findige Mönche erkannt, dass ja auch Biber irgendwie im Wasser leben, ergo: Fisch sind, ergo: gegessen werden dürfen. Den armen Nager hat dieser geistliche Erfindungsgeist nicht nur gar, sondern ihm fast den Garaus gemacht. 

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Kein Verständnis für Biber-Quiche

Das Beispiel zeigt: Es ist nicht schlecht, wenn Traditionen sich ändern. Oder gar verschwinden. Das gilt auch für die Piusbruderschaft, die eine – um es vorsichtig zu sagen – schwierige Geschichte mit der katholischen Kirche hat. Zentrale Reformen, die das Zweite Vatikanische Konzil gebracht hat, werden von der Bruderschaft nicht mitgetragen. Etwa die Anerkennung des Wahrheitsgehaltes anderer Religionen inklusive Judentum oder die Liturgiereform, die das Kirchenvolk stärker in das gottesdienstliche Geschehen einband. Seit Jahrzehnten „verhandelt“ die Bruderschaft immer wieder mit den Päpsten über ihren Status. 700 Priester gehören ihr weltweit an; in Österreich etwa 20. Viel Wind, viele unnötige Diskurskilometer für eine Gruppe, die unter normalen Katholiken in etwa auf so viel Verständnis stoßen dürfte wie „Biber-Quiche“. 

Von der Biber-Quiche zur Piusbrüder-Quiche

Tatsächlich wäre ein vatikanisches Daumen-Hoch zu den Brüdern ein Desaster – auch theologisch. Denn es geht um mehr als um ein paar Männer, die gern barocke Gewänder tragen und Latein vor sich her tragen. Mit ihnen rollt die katholische Reconquista, in der die „Alte Messe“ mehr darstellt als nur einen ästhetischen Backlash: Dort wird das jüdische Erbe aus der Liturgie herausgedrängt und die friedensstiftende Überwindung von Opfer und Gewalt in der Kommunion getilgt zugunsten eines hohlen Sterblichkeitserlösungsgeraunes. Christentum als antimoderner Ewigkeitsmythos. Ist es das, was man wollen kann als Christ in der Welt von heute? Also, bitte, Pfoten weg von der Piusbrüder-Quiche. Das verdirbt einem den Appetit. 

Konstanzer Konzil

Nochmal zum Konstanzer Konzil: Dort wurde im Dekret „Frequens“ unter anderem festgelegt, dass Konzilien regelmäßig und mindestens alle zehn Jahre stattfinden sollten. Vielleicht wäre es an der Zeit, nicht nur angesichts des Reformstaus, sondern auch angesichts des unter Druck geratenen Zweiten Vatikanischen Konzils an dieses Dekret zu erinnern. Und ein neues Konzil anzudenken.

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