Zwischen Barock und Mittelschule
Glaubenszeugnis
M atthias J. Pernerstorfer leitet das Don Juan Archiv Wien, ein privates Forschungsinstitut zur Theater- und Kulturgeschichte. Katholische Religion unterrichtet er an einer Mittelschule in der Seestadt.
Herr Pernerstorfer, haben Sie vor, Ihre Forschungstätigkeit aufzugeben und komplett in den Lehrerberuf zu wechseln?
Nein, dafür mache ich meinen Job zu gerne. Mir gefällt auch die Definition, dass ich Religion unterrichte, aber (noch) kein Religionslehrer bin, denn zurzeit absolviere ich den Hochschullehrgang für Quereinsteiger.
Wie kam es dazu, dass Sie sich entschieden, als Quereinsteiger in den Schuldienst zu gehen?
Im Anschluss an eine Erstkommunion-Feier in unserer Pfarre erzählte mir die einzige Religionslehrerin der Volksschule, dass sie nicht alle Stunden in der Schule selbst übernehmen könne. Ich dachte mir, ganz naiv, da könnte ich einspringen. Die zuständige Fachinspektorin meinte aber, dass es an einer Mittelschule in der Nähe überhaupt niemanden gebe, der Religion unterrichten würde. Ob ich mir schon mal gedacht hätte, an einer Mittelschule zu unterrichten. Hatte ich zwar nicht, dennoch habe ich – nach Rücksprache mit meiner Familie – zugesagt.
Als Religionslehrer von Papst Franziskus inspiriert
Das klingt nach einer Entscheidung aus dem Bauch heraus …
Vielleicht. Aber inspiriert von den Schriften von Papst Franziskus denke ich mir schon länger, dass ich als Katholik mich in der Gesellschaft einbringen muss. Gerade in einer Zeit, in der Polarisierung und Radikalisierung zunehmen, steigt die Verantwortung der einzelnen Gläubigen wie der gesamten Kirche als Kraft der Mitte. Mein Engagement liegt im Bereich unserer Pfarre in Essling, ich bin Pfarrgemeinderat, gehe Sternsingen und bereite Jugendliche auf die Firmung vor. Jetzt stelle ich mich in der Mittelschule zur Verfügung.
Ist es ein hartes Pflaster?
Die Frage stellen mir viele. Aber selbst wenn es so ist, dürfen wir uns nicht scheuen, auch dort zu wirken. Ich denke, dass es kein Zufall war, dass ich in die Seestadt gekommen bin und dass das für mich der richtige Ort ist.
„Die Sonntagsmesse ist für mich ein zentraler Punkt.“
Matthias Pernerstorfer
Wie legen Sie den Unterricht an?
Da habe ich noch kein Rezept. Ich lerne die Schülerinnen und Schüler kennen, probiere vieles aus. Man kann den Jugendlichen durchaus etwas zutrauen und zumuten. Vor Kurzem habe ich ihnen den Psalm 117 auf Hebräisch gezeigt. Wir haben zusammen die Übersetzung gelesen und Mozarts ‚Laudate Dominum‘ gehört, das auf diesen Psalm zurückgeht. Manche können sich darauf einlassen und nachvollziehen, wie der Engel zum Lob Gottes aufruft und dann der Chor der Völker ebendieses Lob anstimmt.
Sie sind Barockexperte, lieben Musik, gestalten in der Pfarre Essling die Kirche, zum Beispiel in der Karwoche. Ist auch Ihr Zugang zum Glauben vor allem sinnlich?
Ich weiß nicht, ob man das so sagen kann. Ich lese oft und gern Benedikt XVI. Aber zum Beispiel ist mir der Klang der Klappern in der Karfreitagsliturgie meiner Kindheit – klack, klack; klack, klack – nach wie vor sehr präsent. Solche Klänge, aber auch Bilder oder Gerüche sind sehr wichtig. Die katholische Liturgie spricht nicht nur geistig und innerlich an, sondern auch auf einer unbewussten, körperlichen Ebene.
Es ist uns viel zu wenig bekannt oder bewusst, dass die regelmäßige Feier der Heiligen Messe wie ein homöopathisches Mittel zur Stärkung im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe ist. Einmal in der Woche tut es gut, sich Zeit für die Beziehung zu Gott zu nehmen, genauso wie es in einer Ehe gut und wichtig ist, sich regelmäßig Zeit für die Beziehung zu nehmen, ein Gespräch zu führen, das über die Alltagsroutinen hinausgeht. Mit meiner Frau organisiere ich zweimal im Jahr Vorträge für Paare, wo solche Dinge angesprochen werden. Die Sonntagsmesse ist für mich jedenfalls ein zentraler Punkt.
Matthias Pernerstorfer
Alter: 50
Wohnort: Wien
Lebensmotto: Du stellst meine Füße auf weiten Raum.
Gott ist für mich: A und Ω (Alpha und Omega).
Sonntag bedeutet für mich: Tag des Herrn.