Wenn nichts fehlt, wenn die Predigt fehlt

Hirtenhund
Ausgabe Nr. 8
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©Der SONNTAG

Der Kirchenhund bellt diese Woche über den Predigt Contest 2026.

Song Contest war gestern, Predigt Contest ist heute: Zum zweiten Mal lädt das Pastoralamt zu einem Predigt-Wettbewerb ein. Priester, Diakone und Wort-Gottes-Feier-Leitende sind eingeladen, bis 13. April Predigten einzureichen. Ziel sei es, Predigten sichtbar zu machen, „die Menschen ansprechen, die Schrift näherbringen und den Glauben in den Gemeinden stärken“, heißt es in einer Mitteilung. (Der SONNTAG hat berichtet.) 

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Hohe Anforderungen an eine gute Predigt

Die Latte liegt also mal wieder denkbar hoch: Zum einen dürfen nur Menschen mit entsprechender Weihe und/oder „Befähigung“ einreichen – Wort-Gottes-Feier-Leitende brauchen laut Ausbildungsordnung der Erzdiözese eine entsprechende theologische Ausbildung, um „eine ‚Predigt‘ im eigentlichen Sinne“ halten zu dürfen. Alle anderen – das gläubige Wald- und Wiesenvolk – dürfen höchstens eine „Kurzansprache“ halten. Trostpreis. Zum anderen frage ich mich: Welche Predigt schafft es überhaupt noch, zugleich die Menschen anzusprechen, die Schrift näherzubringen und „den Glauben in den Gemeinden zu stärken“?

Wozu braucht es eine Predigt?

Die Sankt Galler Kirchengemeinde Straubenzell hat vor einigen Jahren eine radikale Frage gestellt: Wozu braucht es überhaupt noch Predigten, wenn in ihr Einfalls- und Weltlosigkeit gepaart gar mit theologischem wie didaktischem Dilettantismus einhergehen? „Predigtfreie Sonntage“ wurden ausgerufen. Mehr noch: In einem Elon-Musk-artigen Akt wurde die Kanzel mit ein Kettensäge zersägt und daraus einen Tisch gemacht. An dem konnten beim Gottesdienst dann Menschen Platz nehmen und über das Wort Gottes diskutieren. Nach vier Wochen wurden die Erfahrungen gesammelt. Das Tröstliche: Die klassische Predigt wurde vermisst. Zumindest ein bissi. Zugleich aber wollte man den neu entstandenen Dialog-Raum nicht mehr missen. Kein bissi.

Etwas mehr Mut - auch beim Predigt Contest

Keine Sorge, ich rufe nicht zum Zerstückeln kirchlicher Zentralmöbel auf. Ich wünschte mir nur etwas mehr Mut – auch beim Predigt Contest. Würde der nicht erst dann wirklich spannend, wenn wirklich jeder eine Predigt einreichen dürfte? Also Hinz, Kunz und Hund(z), all jene, die in der Welt stehen, um die es doch geht, und die sich in dieser Welt um das Wort Gottes bemühen? Und wenn wir schon allüberall das Unwort „Synodalität“ durch den Kirchenraum schmettern: Warum dann nicht bei der Predigt anfangen und diese nicht nur als Kunst der gepflegten Rede, sondern auch als Kunst des bewussten Zuhörens der Geistlichen auf die Laien einüben? Es wäre dies nicht nur ein Zeichen des Mutes, sondern auch dafür, die Taufwürde jedes Einzelnen ernst zu nehmen, sind wir doch bekanntlich durch die Taufe Priester, Könige und Propheten zugleich. Zumindest ein bissi. 

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