Wenn aus der Seebühne eine Tanzfläche wird
Grenzen verschwimmenDas Programm beginnt mit einer heiligen Messe, bei der rund 1.000 Menschen feiern. In seiner Predigt findet Franziskanerpater Manuel Sandesh Worte, die später wie eine Überschrift über dem gesamten Abend stehen: „Habt Freude, singt, tanzt … baut Brücken.“ Wenige Stunden später erleben alle diese Botschaft auf besondere Weise. Denn nach Gebet und Gottesdienst wird die Seebühne zur Tanzfläche.
Vom Altar ans DJ-Pult
Mit Padre Guilherme steht ein ungewöhnlicher Hauptact auf dem Programm. Er passt kaum in das klassische Bild eines Priesters. Der Portugiese ist nicht nur Seelsorger, sondern auch DJ und erreicht mit seiner Musik ein Millionenpublikum in den sozialen Medien.
Priester, DJ und Brückenbauer
Seine Auftritte verbinden elektronische Musik mit einer Botschaft, die für ihn untrennbar mit seinem Glauben verbunden ist: Freude, Hoffnung und Gemeinschaft. Genau deshalb wird Padre Guilherme selbst zum Beispiel für das, was „Cross Pulse Pannonia“ zeigen möchte. Er steht nämlich nicht entweder für die Kirche oder für elektronische Musik, sondern vielmehr für beides. Dabei soll seine Musik Menschen genau dort erreichen, wo sie stehen – und damit auch jene, die mit einem klassischen Gottesdienst vielleicht weniger anfangen können.
„Habt Freude, singt, tanzt … baut Brücken.“
Pater Manuel Sandesh
Als er schließlich am Abend die Bühne betritt, wird schnell klar: Hier wird niemand lange stillstehen. Denn elektronische Beats, Licht, Laser und visuelle Effekte machen aus der Seebühne eine riesige Tanzfläche. Gleichzeitig tanzen Menschen nebeneinander, unabhängig davon, wie alt sie sind oder woher sie kommen. So entsteht eine Atmosphäre, in der Unterschiede in den Hintergrund treten und vor allem das gemeinsame Erlebnis zählt.
Ein Priester bringt tausende Menschen zum Tanzen
Und genau in diesem Moment wird die Idee des Festivals besonders deutlich. Während Padre Guilherme hinter dem DJ-Pult steht, wird aus dem zunächst ungewöhnlichen Gedanken von „Cross Pulse Pannonia“ Realität: Ein Priester bringt tausende Menschen mit elektronischer Musik zum Tanzen. Was zunächst wie ein Gegensatz klingt, funktioniert an diesem Abend erstaunlich selbstverständlich.
Glaube darf auch klingen
Dabei geht es bei „Cross Pulse Pannonia – The Sound of Hope“ um mehr als ein außergewöhnliches Konzert. Das Festival soll zeigen, dass christlicher Glaube auch dort seinen Platz haben kann, wo man ihn vielleicht nicht unmittelbar erwarten würde. Denn warum sollte Glaube immer mit Ernsthaftigkeit verbunden sein? In seiner Predigt erinnert Pater Manuel Sandesh daran, dass man in der Kirche oft gewohnt sei, ernst zu sein. Umso mehr lädt er dazu ein, zu lachen und „die Zähne zu zeigen“.
In seiner Predigt erinnert Pater Manuel Sandesh daran, dass man in der Kirche oft gewohnt sei, ernst zu sein. Umso mehr lädt er dazu ein, zu lachen und „die Zähne zu zeigen“.
Wo Glaube auf Beats trifft
Das Festival trennt Techno und Kirche nicht, im Gegenteil, sie sind zwei Welten, die miteinander funktionieren können. Padre Guilherme selbst sieht Musik als eine Möglichkeit, Menschen zu erreichen, die mit traditionellen Formen von Kirche vielleicht weniger anfangen können. Für ihn gehört auch elektronische Musik zu den Instrumenten, mit denen man Freude, Hoffnung und Glauben ausdrücken kann. Diese Offenheit ist am Abend des 12. Septembers in Mörbisch deutlich zu spüren. Die Stimmung ist ausgelassen und doch bleibt der religiöse Charakter des Tages präsent. Aus dem gemeinsamen Gebet wird gemeinsames Tanzen – und genau dieser Wechsel macht den Abend zu etwas ganz Besonderem.
Ein Zeichen für eine lebendige Kirche
Auch der Eisenstädter Bischof Ägidius Zsifkovics sieht darin einen wichtigen neuen Weg für die Kirche. Junge Menschen wolle man dort erreichen, wo ihr Leben stattfindet – und dazu gehören heute auch moderne Musik, Soziale Medien und neue Veranstaltungsformate. Vielleicht liegt genau darin die besondere Kraft dieses Abends: Niemand müsse sich zwischen Glauben und Lebensfreude entscheiden. Beides darf nebeneinander existieren.
Ein Abend, der nachklingt
Als sich die Menschen schließlich auf den Heimweg machen, bleibt vor allem eines zurück: ein Abend, der gezeigt hat, dass Kirche nicht immer leise sein muss und dass Hoffnung manchmal auch im Takt elektronischer Musik ihren Ausdruck finden kann. Auf ein Wiedersehen und -hören!