Weg von der Sorge

10. Sonntag im jahreskreis
Ausgabe Nr. 23
  • Sonntag
Sich überkreuzende, vor der Brust einer Person verschränkte Hände.
Sich statt von den eigenen Sorgen vom Willen Gottes – von seiner Güte und liebevollen Begleitung – leiten zu lassen, kann eine große Befreiung sein. ©Pixabay

Wort zum Evangeliium von Claudia Hubert

10. Sonntag im jahreskreis, Lesejahr B – 9. Juni

„Er ist von Sinnen.“ „Er hat einen unreinen Geist“: Die Schriftgelehrten sagen dies, da Jesu Lehre und Taten gegen ihre eigenen Vorstellungen des Glaubenslebens und dessen Regelungen gehen und da er Wunder wirkt, die sie sich nicht erklären können. Deshalb: Lieber dem Ruf desjenigen schaden, der zwar im Namen Gottes, aber nicht ganz regelkonform wirkt?

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Mit dieser Reaktion kann man ja rechnen. Aber, dass seine eigene Familie meint, Jesus sei von Sinnen? Hier steckt jedoch ein anderes Motiv dahinter. Nicht die Sorge um das eigene Ansehen, sondern die Sorge um Jesus selbst, einen geliebten Menschen. „So viel Arbeit kann doch gar nicht gut sein; er muss doch mal was essen und schlafen und auf sich schauen.“ Berechtigte Einwände. Eine gute Work-Life-Balance zu finden ist wichtig und richtig. Dabei handelt es sich nicht um ein statisches, sondern ein dynamisches Gleichgewicht. Mal überwiegt das „für-andere-da-sein“ mal das „an einen stillen Ort gehen, um zu beten“. Jesus findet es darin, „den Willen meines Vaters tun.“

Für mich bedeutet das im alltäglichen Leben, mein Handeln nicht allein an der Sorge – um mein Ansehen oder um eine andere Person –, nicht an meinen Gesetzen und Regeln auszurichten, sondern mich zu fragen: „Was will Gott von mir, in diesem Augenblick?“ Und er will nur mein Bestes und das Beste für alle Menschen um mich herum.
Mich von diesem Wunsch, „den Willen des Vaters zu tun“ leiten zu lassen – das macht mich zur Schwester oder Mutter Jesu.

 

1. Lesung Génesis 3,9–15

Sich vor Gott und hinter den anderen verstecken

Nachdem Adam von der Frucht des Baumes gegessen hatte, rief Gott, der Herr nach ihm und sprach zu ihm: Wo bist du? Er antwortete: Ich habe deine Schritte gehört im Garten; da geriet ich in Furcht, weil ich nackt bin, und versteckte mich. Darauf fragte er: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du von dem Baum gegessen, von dem ich dir geboten habe, davon nicht zu essen? Adam antwortete: Die Frau, die du mir beigesellt hast, sie hat mir von dem Baum gegeben. So habe ich gegessen. Gott, der Herr, sprach zu der Frau: Was hast du getan? Die Frau antwortete: Die Schlange hat mich verführt. So habe ich gegessen. Da sprach Gott, der Herr, zur Schlange: Weil du das getan hast, bist du verflucht unter allem Vieh und allen Tieren des Feldes. Auf dem Bauch wirst du kriechen und Staub fressen alle Tage deines Lebens. Und Feindschaft setze ich zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen. Er trifft dich am Kopf und du triffst ihn an der Ferse.

2. Lesung 2 Korínther 4,13 – 5,1

Nicht nur das Sichtbare, sondern auch das Unsichtbare wahrnehmen

Schwestern und Brüder! Wir haben den gleichen Geist des Glaubens, von dem es in der Schrift heißt: Ich habe geglaubt, darum habe ich geredet. Auch wir glauben und darum reden wir. Denn wir wissen, dass der, welcher Jesus, den Herrn, auferweckt hat, auch uns mit Jesus auferwecken und uns zusammen mit euch vor sich stellen wird. Alles tun wir euretwegen, damit immer mehr Menschen aufgrund der überreich gewordenen Gnade den Dank vervielfachen zur Verherrlichung Gottes. Darum werden wir nicht müde; wenn auch unser äußerer Mensch aufgerieben wird, der innere wird Tag für Tag erneuert. Denn die kleine Last unserer gegenwärtigen Not schafft uns in maßlosem Übermaß ein ewiges Gewicht an Herrlichkeit, uns, die wir nicht auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare blicken; denn das Sichtbare ist vergänglich, das Unsichtbare ist ewig. Wir wissen: Wenn unser irdisches Zelt abgebrochen wird, dann haben wir eine Wohnung von Gott, ein nicht von Menschenhand errichtetes ewiges Haus im Himmel.

Evangelium Markus 3,20–35

Über den Geist, der Jesu Handeln beseelt: den Willen des Vaters tun

In jener Zeit ging Jesus in ein Haus und wieder kamen so viele Menschen zusammen, dass er und die Jünger nicht einmal mehr essen konnten. Als seine Angehörigen davon hörten, machten sie sich auf den Weg, um ihn mit Gewalt zurückzuholen; denn sie sagten: Er ist von Sinnen. Die Schriftgelehrten, die von Jerusalem herabgekommen waren, sagten: Er ist von Beélzebul besessen; mit Hilfe des Herrschers der Dämonen treibt er die Dämonen aus. Da rief er sie zu sich und belehrte sie in Gleichnissen: Wie kann der Satan den Satan austreiben? Wenn ein Reich in sich gespalten ist, kann es keinen Bestand haben. Wenn eine Familie in sich gespalten ist, kann sie keinen Bestand haben.

Und wenn sich der Satan gegen sich selbst erhebt und gespalten ist, kann er keinen Bestand haben, sondern es ist um ihn geschehen. Es kann aber auch keiner in das Haus des Starken eindringen und ihm den Hausrat rauben, wenn er nicht zuerst den Starken fesselt; erst dann kann er sein Haus plündern.

Amen, ich sage euch: Alle Vergehen und Lästerungen werden den Menschen vergeben werden, so viel sie auch lästern mögen; wer aber den Heiligen Geist lästert, der findet in Ewigkeit keine Vergebung, sondern seine Sünde wird ewig an ihm haften. Sie hatten nämlich gesagt: Er hat einen unreinen Geist. Da kamen seine Mutter und seine Brüder; sie blieben draußen stehen und ließen ihn herausrufen. Es saßen viele Leute um ihn herum und man sagte zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und suchen dich. Er erwiderte: Wer ist meine Mutter und wer sind meine Brüder? Und er blickte auf die Menschen, die im Kreis um ihn herumsaßen, und sagte: Das hier sind meine Mutter und meine Brüder. Wer den Willen Gottes tut, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.

Quelle: Lektionar für die Bistümer des deutschen Sprachgebiets. Authentische Ausgabe für den liturgischen Gebrauch. Band I: Die Sonntage und Festtage im Lesejahr A, Freiburg u. a. 2019. © staeko.net

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