Warum gibt es den Bibelsonntag?

Was wir der Kirche verdanken
Ausgabe Nr. 3
  • Theologie
Autor:
Aufgeschlagene Bibel
Die Bibel: Katholische Frömmigkeit und Bibel-Lesen sind kein Gegensatz. ©Bohdan Bevz

Entdecken Sie, wie der jährliche Bibelsonntag das Verständnis und die Nähe zur Heiligen Schrift fördert und die Traditionen der Kirche bereichert.

Lange Zeit galten katholische Frömmigkeit und Bibellektüre fast als ein Gegensatz. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil und mit dem jährlichen „Bibelsonntag“ seit 2020 wird die Bedeutung der Heiligen Schrift noch mehr unterstrichen.

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Immer am 3. Sonntag im Jahreskreis, das ist heuer der 21. Jänner, feiert die katholische Kirche in Österreich seit 2020 den von Papst Franziskus ausgerufenen „Sonntag des Wortes Gottes“. Franziskus will, dass dieser Bibelsonntag der Feier, dem Nachdenken und der Verbreitung des Wortes Gottes gewidmet ist. Denn lange Zeit waren Katholikinnen und Katholiken eher wenig mit der Heiligen Schrift vertraut, nur die Protestanten kannten sich gut in der Bibel aus. Doch das war nicht immer so.

Nicht ohne das Alte Testament

Am Anfang stand die Praxis der frühchristlichen Gemeinden, in der Liturgie bestimmte Schriften als Wort Gottes zu verkünden: Dazu zählten alttestamentliche Schriften genauso wie die Evangelien oder Briefe, die zwischen den Gemeinden kursierten. Langsam bildete sich ein sogenannter Kanon heraus, der bald eine bestimmte Anzahl von Schriften umfasste. Dabei unterschieden sich die Zahl der Bücher der Hebräischen Bibel des Judentums und die Anzahl der alttestamentlichen Bücher des jungen Christentums, wie sie sich in der griechischen Übersetzung des Alten Testaments, der Septuaginta, finden. Das frühe Christentum hatte anfangs keine anderen Schriften als die der Juden, das sogenannte Alte Testament. Ab der Mitte der 60er-Jahre des ersten Jahrhunderts kamen Paulus-Briefe hinzu, sie wurden gesammelt und getauscht, bis nach einem langen Ringen die Gesamtzahl der biblischen Schriften des Alten und Neuen Testaments feststand. Nicht nur einmal stand dabei die Kirche vor einer Zerreißprobe. Es war der kleinasiatische Reeder Markion, der im 2. Jahrhundert nach Christus in Rom gleich die ganze Bibel Israels, das sogenannte Alte Testament, verwarf und den Umfang der neutestamentlichen Schriften auf das von ihm bearbeitete Lukas- evangelium und auf zehn Paulus-Briefe reduzierte. Bei ihm stand sein Gott der Liebe und Güte gegen den vermeintlich gerechten und zornigen Schöpfergott des Judentums. Mit der Entscheidung, im Jahr 144 n. Chr. Markion aus der damaligen römischen Gemeinde auszuschließen, sprach sich das noch junge Christentum klar und deutlich für das Alte Testament als Heilige Schrift aus. Das Konzil von Trient (1545–1563) betonte dann, dass alle 46 Bücher des Alten Testaments und die 27 Schriften des Neuen Testaments „als heilig und kanonisch“ anzunehmen seien.

Mit der Bibel mehr vertraut werden

Papst Franziskus erinnerte bei der Ankündigung des ersten Bibelsonntags daran, dass das Zweite Vatikanische Konzil (1962–1965) einen „großen Impuls für die Wiederentdeckung des Gotteswortes“ im Leben der Kirche und der Gläubigen gegeben habe. Der nun dem Wort Gottes gewidmete Sonntag, so hofft Franziskus, möge daher „im Volk Gottes die andächtige und beständige Vertrautheit mit der Heiligen Schrift wachsen lassen“. Damit Katholikinnen und Katholiken ihre Bibel, etwa die Einheitsübersetzung, immer besser kennenlernen. 

Autor:
  • Stefan Kronthaler
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