Die Unendlichkeit des Lichts
KunstinstallationDie Schöpferin der „Himmelsleiter“ am Stephansdom, Billi Thanner, lässt nun mit einer neuen Lichtskulptur aufhorchen oder besser gesagt aufschauen: Die Installation „Die Unendlichkeit des Lichts“ wurde bei einer Feier am 16. Dezember präsentiert.
Unendlichkeitsschleife auf den Türmen der Votivkirche
Die Unendlichkeitsschleife, die um die Türme der Votivkirche zu schweben scheint, soll bis August 2026 die Kirche beleuchten. Somit ist die Lichtskulptur die zweite Installation der Künstlerin, die an einer Kirche zu sehen ist. Auf die Frage, warum sie sich als Ort wieder eine Kirche ausgesucht hat, antwortet Billi Thanner: „Kirchen sind besondere Orte. Es ist nicht nur die Architektur, die mich berührt – es ist der Raum selbst, die Stille, die Geschichte, die Offenheit nach oben. In meiner Arbeit geht es oft um Verbindung, und Kirchen tragen genau diese Bedeutung in sich: Verbindung zwischen Himmel und Erde, zwischen Menschen, zwischen Vergangenheit und Gegenwart.Nach der Himmelsleiter wollte ich einen neuen Gedanken in den öffentlichen Raum bringen – diesmal nicht vertikal, sondern kreisend, verbindend. Die Votivkirche mit ihren beiden Türmen war dafür wie gemacht.“
Feierliche Beleuchtung der Votivkirche
Unter den zahlreichen prominenten Gästen, die bei der Illumination dabei waren, befanden sich die Sängerinnen Elina Garancˇa und Dorretta Carter, Dompfarrer Toni Faber, die Geschäftsführerin des Stadttheaters Wiener Neustadt, Maria Großbauer, sowie Martin Sieger vom Bauamt der Erzdiözese Wien. Die 28 × 6 Meter große Aluminiumskulptur in Form des Symbols der Unendlichkeit setzt eine horizontale Lichtlinie zwischen die vertikalen Türme der neugotischen Kirche. Einen naturwissenschaftlichen Bezugspunkt bildet die Zeit, die ein Lichtstrahl von der Sonne zur Erde benötigt: acht Minuten.
„Kirchen sind besondere Orte.“
Billi Thanner
Die Künstlerin hat sich für die Illumination ihrer Lichtskulptur bewusst die Adventzeit ausgesucht: „Die Adventzeit ist eine Zeit des Wartens, des Lichts im Dunkeln, der Hoffnung. Die Unendlichkeitsschleife aus Licht, die zwischen den Türmen der Votivkirche leuchtet, steht für Verbindung – in einer Zeit, die oft von Spaltung geprägt ist.“
"Kollektive Anstrengung" für die Lichtskulptur auf der Votivkirche
Die Realisierung der Skulptur war ein Prozess, der über zwei Jahre Planung und Entwicklung erforderte. Technische Präzision, Witterungsbeständigkeit, Genehmigungen, Statik, Sicherheitskonzepte und ein eng getakteter Montagezeitraum bildeten dabei den Rahmen. Thanner betont die Dimension dieser kollektiven Anstrengung. Mitgearbeitet hat unter anderem auch Martin Sieger, Baumeister der Erzdiözese Wien: „Meine Motivation zu diesem Projekt bestand darin, dass ich Menschen gern unterstütze, die für eine Vision alle Hebel in Bewegung setzen, um diese umzusetzen und selber außer Anerkennung keine finanziellen Ziele verfolgen.“
Licht: Mehr als ein Material
Die Künstlerin realisierte „Die Unendlichkeit des Lichts“ als unabhängiges Projekt, getragen von privaten Sponsoren und Unterstützern. Sie verzichtete – wie bei früheren Arbeiten – auf ein Honorar sowie auf öffentliche oder kirchliche Förderungen. Licht sei für sie mehr als ein Material, so Thanner: „Es ist ein Zustand. Es ist präsent, aber nicht greifbar. Es verändert Räume, aber auch Gedanken. Mich interessiert, wie Licht Wahrnehmung verschiebt – im Außeren wie im Inneren. Es ist ein Medium, das niemandem gehört, und gleichzeitig berührt es jeden. Vielleicht hat es deshalb so eine stille Kraft. In einer oft lauten Welt ist Licht für mich ein leiser Impuls – aber ein sehr wirkungsvoller.“