Vom Niemand zum Jemand

Die alte Johanna
Ausgabe Nr. 17
  • Kunst und Kultur
Autor:
Als ledige Dirn überwindet Johanna soziale Schranken, das dabei erlittene Unrecht kann sie nicht vergessen.
Als ledige Dirn überwindet Johanna soziale Schranken, das dabei erlittene Unrecht kann sie nicht vergessen. ©Barbara Palffy

Renate Welshs Lebensporträt der Dienstmagd Johanna zeigt das Theater Spielraum jetzt in einer Bühnenfassung – unbedingt ansehen!

Das wär‘ ja noch schöner, wenn ledige Kinder schon was wollen dürften!“ Die 14-jährige Bauerndirn Johanna steht an der Spitze der Ausgegrenzten in den 1930er-Jahren in Niederösterreich. Ihre Füße wärmt sie sich in den warmen Kuhfladen, denn Schuhe kann sie sich erst mit dem erkämpften Lohn leisten, der ihr jahrelang vorenthalten wird.

Im Alter, gut betreut bei einem ihrer acht Kinder, staunt sie noch immer, dass sie jetzt fünf Paar Schuhe ihr Eigen nennen „kann“ oder fast mag sie meinen: „darf“. Als alte Frau kann sie auf ein Leben zurückblicken, in dem sie vom missachteten „Niemand“ zum vielgeliebten „Jemand“ geworden ist. Und das hat sie hart erkämpft, erduldet und auch erlitten – dabei ist sie beherzt, gescheit und einfach sympathisch.

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Eine Biographie von Renate Welsh

90 Minuten dauert die rasant erzählte Biographie eines harten Frauenschicksals. Die Figur der Johanna wird auf drei Schauspielerinnen aufgeteilt. Zwei Schauspieler schlüpfen in mehrere Rollen der Männer in Johannas Leben. Unter ihnen ist der unbelehrbar patriarchale Bauer, der verliebte Arbeiter, der ihr späterer Ehemann wird – oder der Sohn, der sogar Professor in Wien ist.

„So schnell sterbe ich nicht“,

meint sie einmal. Und man gönnt es der alten Johanna, dass sie noch einige gute Jahre vor sich hat. 
 

Renate Welsh im Publikum

Applaus bei der Premiere am 15. April mit einer gerührten Autorin Renate Welsh im Publikum, die Johanna vor dem Vergessen bewahrt hat. Nicole Metzgers Bühnenfassung  stellt das Frauenschicksal in den Mittelpunkt – das Theater Spielraum ist dabei ein Garant für Inszenierungen, die nahegehen (bitte weiter so!). Entstanden ist ein wertvoller Beitrag gerade für spätere Generationen, die mit dieser Form des sozialen Stigmas im bäuerlich-erzkatholischen Milieu nie in Berührung kommen und denen oft jegliche Empathie für diese soziale Ausgrenzung fehlt, gegen die sich Menschen mit Zivilcourage vor einem Jahrhundert manchmal auch vergebens aufgelehnt haben. Daher auch eine unbedingte Empfehlung für Schulklassen! 

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Autor:
  • Sophie Lauringer
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