Venezuela: Glaube und Kirche in Zeiten politischer Ungewissheit
Christen in Venezuela
Die Ereignisse in Caracas in der Nacht zum 3. Jänner wirken surreal. Hubschrauber über der venezolanischen Hauptstadt, Explosionen und US-amerikanische Spezialeinheiten. Wenige Stunden später befinden sich Präsident Nicolás Maduro und seine Frau in den USA – und zwar nicht zu Besuch.
Venezuela: Geprägt von Krisen und tief verwurzeltem Glauben
Fast 13 Jahre wurde das Land von Nicolás Maduro regiert. Eine Zeit, die von gesellschaftlicher Spaltung, Vertrauensverlust gegenüber staatlichen Institutionen und einer Wirtschaftskrise geprägt war. Letztere führte zu Versorgungsengpässen bei Lebensmitteln, steigenden Kriminalitätsraten und zum Zusammenbruch des Gesundheitssystems. Im vergangenen Jahr sind fast acht Millionen Venezolanerinnen und Venezolaner in Nachbarstaaten wie Kolumbien, Ecuador oder Peru, aber auch nach Europa geflüchtet oder emigriert, auf der Suche nach Sicherheit und neuen Perspektiven. Hoffnung und Glaube sind es, was viele Menschen in schwierigen Zeiten vorantreibt und ihnen Stärke verleiht. Venezuela ist ein Land, das stark vom Christentum geprägt ist. Mehr als 90 Prozent der Bevölkerung bekennen sich zum christlichen Glauben, davon ist die Mehrheit katholisch.
Veränderungen der politischen Lage in Venezuela
Der katholische Erzbischof von Barquisimeto, Polito Rodríguez Méndez, nutzte jetzt die Gelegenheit, um sich angesichts der dynamischen Veränderungen der politischen Lage im Land offen zu positionieren. „Wir dürfen uns nicht mit dem Bösen abfinden, noch mit allem, was die Menschenwürde verletzt und die grundlegenden Menschenrechte zerstört“, zitierte das Portal „El Estimulo“ aus der Predigt von Rodríguez Méndez. Der Erzbischof forderte die Wiederherstellung und Achtung des Rechts auf Leben und Meinungsfreiheit sowie des Wahlrechts. Weiter verlangte er die Freilassung aller noch inhaftierten politischen Gefangenen.Wie „Aid to the Church in Need International“ berichtet, hat die katholische Kirche in Venezuela stets ihre Stimme erhoben und ein Ende der staatlichen Unterdrückungsmaßnahmen und Gewalt gefordert. Die Situation spitzte sich zu, als das Regime auf die Kritik der Kirche reagierte. Es folgten Diffamierungen von Bischöfen, Drohungen an Priester und ein Abhalten von den Erfüllungen ihrer seelsorgerischen Pflichten wie Besuche von Häftlingen durch Maduro-Anhänger. Dies führte dazu, dass sich einige Priester gezwungen sahen, ins Exil zu gehen.
Gebet für Frieden
Die venezolanische Bischofskonferenz hat die Gläubigen zum Gebet für Frieden und Einheit im Land aufgerufen. Die Kirche in dem südamerikanischen Land ist für viele Menschen „eine zentrale Quelle der Hoffnung“, so „Kirche in Not“. Die international vernetzte katholische Hilfsorganisation setzt sich für Religionsfreiheit ein und ist in Venezuela tatkräftig aktiv. Primär stellt „Kirche in Not“ finanzielle Hilfe zur Verfügung, etwa für Fahrzeuge für die Seelsorge in schwer zugänglichen Regionen und trägt so dazu bei, die Präsenz der Kirche vor Ort aufrechtzuerhalten. Ebenso werden Messstipendien für Priester ermöglicht. Ein bedeutendes Projekt war das Wallfahrtszentrum in der Siedlung „Ciudad Chavez“ nahe der Hauptstadt Caracas. Dieses ist José Gregorio Hernández, dem ersten venezolanischen Heiligen, gewidmet, der im Land besonders verehrt wird. Er wurde erst im Oktober 2025 von Papst Leo XIV. heiliggesprochen.