Sternstunde der Schauspielkunst

Zweigs Klassiker im Burgtheater
Ausgabe Nr. 13
  • Kunst und Kultur
Autor:
Begeistert auf der Burg-Bühne: Nils Strunk.
Begeistert auf der Burg-Bühne: Nils Strunk. ©Hetzel

Das Wiener Burgtheater begeht heuer sein 250-jähriges Jubiläum – ein beeindruckender Anlass, der die Geschichte des Hauses zu feiern!

Das Wiener Burgtheater prägt, seit 1776, durch ein Dekret Kaiser Josephs II. zum „Deutschen Nationaltheater“ erhoben, die deutschsprachige Theaterlandschaft. Eine Ausstellung im zweiten Pausenfoyer sowie zahlreiche Jubiläumsevents – etwa der „Tag der offenen Burg“ am 11. April – öffnen den Blick auf Vergangenheit und Gegenwart dieses traditionsreichen Ortes und zeigen zugleich, wie lebendig Theater heute sein kann.

Werbung

"Schachnovelle" im Burgtheater

In dieses Festjahr fügt sich eine der erfolgreichsten aktuellen Produktionen stimmig ein: „Schachnovelle“ von Stefan Zweig, in Szene gesetzt und gespielt von Nils Strunk. Strunk verkörpert nicht nur die Hauptfigur Dr. B., sondern wechselt mit atemberaubender Geschwindigkeit zwischen allen Rollen – Erzähler, Gegenspieler, Nebenfiguren. Kaum hebt er den Blick, verändert er schon Stimme, Körperhaltung, Tempo. Sein Spiel wirkt nie wie ein Kunstgriff, sondern wie eine organische Notwendigkeit dieser Geschichte über psychische Isolation, geistige Überforderung und die fragile Grenze zwischen Genie und Wahnsinn.

Meisterhafte musikalische Gestaltung

Meisterhaft ist die musikalische Gestaltung: Schachzüge, Figuren und dramaturgische Spannungsbögen werden in Klaviermusik übersetzt. Strunk spielt selbst am Piano, unterstützt von einer kleinen Band, die die inneren Kämpfe des Protagonisten in rhythmische Steigerungen und fast jazzige Improvisationen verwandelt. So entsteht ein Klangraum, der die berühmte Novelle nicht nur begleitet, sondern interpretiert. Die Musik macht hörbar, was die Figuren nicht aussprechen können.
 

Ein intensiver Abend im Wiener Burgtheater

Diese dichte Verbindung von Text, Schauspiel und Musik verleiht dem Abend eine Intensität, die das Publikum unweigerlich in den Bann zieht. Der Applaus nach der Vorstellung ist lang, herzlich und deutlich: Hier wurde ein Klassiker nicht museal präsentiert, sondern mit großer künstlerischer Energie neu aufgeladen. Genau solche Produktionen zeigen, welches Potenzial im alten Gemäuer der Burg steckt – wie sehr es, trotz aller Geschichte, noch immer Ort des Wagnisses und der Gegenwartskunst sein kann. Möge dieses Haus, getragen von mutigen Künstlerinnen und Künstlern wie Nils Strunk, auch in den nächsten 250 Jahren Menschen begeistern, irritieren, berühren und zum Denken herausfordern. 

Schlagwörter
Autor:
  • Portraitfoto von Agathe Lauber-Gansterer
    Agathe Lauber-Gansterer
Werbung

Neueste Beiträge

| Theologie
Fünf Sinne

Unsere Sinne sind wahre Geschenke Gottes. „Sie haben einen Mund und sprechen nicht, sie haben Augen und sehen nicht, sie haben Ohren und hören nicht, sie haben Nasen und riechen nicht, sie haben Hände und greifen nicht …“ Psalm 115,5–7

| Politik
Sommergespräch: Emil Brix

Emil Brix war jahrelang Direktor der Diplomatischen Akademie in Wien, davor österreichischer Botschafter in Moskau und in London. Er erzählt, worauf es in der Diplomatie ankommt und welche Funktion Päpste innehaben bei der Bewahrung des Friedens.

| Soziales
Venezuela nach dem Jahrhunderterdbeben

Nach den schweren Erdbeben in Venezuela am 24. Juni berichten Kirchenvertreter und Hilfswerke vom wachsenden Ausmaß der Katastrophe. Aber die Soforthilfe ist bereits angelaufen.