Simeon Wester: Ein neuer Takt in Heiligenkreuz

Neubeginn in Heiligenkreuz
Ausgabe Nr. 39
  • Wien und Niederösterreich
Autor:
Pater Simeon Wester beim Treueversprechen der Mönche im Stift Heiligenkreuz.
Pater Simeon Wester beim Treueversprechen der Mönche im Stift Heiligenkreuz. ©Stift Heiligenkreuz
„In Demut übernehme ich meine neue Aufgabe": Pater Simeon Wester ist neuer Ordensoberer im Stift Heiligenkreuz.
„In Demut übernehme ich meine neue Aufgabe": Pater Simeon Wester ist neuer Ordensoberer im Stift Heiligenkreuz. ©Stift Heiligenkreuz
Bevor Pater Simeon 2001 in das Stift Heiligenkreuz eingetreten ist, war er jahrelang als Kirchenmusiker und Chorleiter tätig.
Bevor Pater Simeon 2001 in das Stift Heiligenkreuz eingetreten ist, war er jahrelang als Kirchenmusiker und Chorleiter tätig. ©Stift Heiligenkreuz
Simeon Wester mit Elīna Garanča
Musikalisch: Administrator Simeon Wester mit der weltbekannten Sängerin Elīna Garanča ©Stift Heiligenkreuz
Simeon Wester segnet
Ein Segen von Pater Simeon Wester. ©Stift Heiligenkreuz
Simeon Wester trinkt ein Bier.
Administrator Simeon Wester ist schon fast in Oktoberfeststimmung. ©Stiift Heiligenkreuz

Das Zisterzienserstift Heiligenkreuz hat eine neue Leitung. Am 17. September 2026 wählte das Kapitel Pater Simeon Wester (61) zum neuen Administrator für zunächst drei Jahre. Was erwartet die Gemeinschaft? Darüber hat der SONNTAG mit Pater Clemens Maria Spranger gesprochen.

Der neue Administrator von Stift Heiligenkreuz ist Pater Simeon Wester. Er wird als fröhlich, fromm, bodenständig und gemeinschaftsfähig beschrieben. Wie erleben Sie ihn?

„Er bringt Ruhe, Humor und Leichtigkeit in die Gemeinschaft“

Er ist ein sehr bodenständiger Mitbruder. Er ist musikalisch und hat einmal gesagt, dass es in der Musik wichtig sei, dass alle Stimmen zusammenklingen – und von einem guten Miteinander versteht er viel. Ich glaube, er ist genau der Richtige als Administrator.

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Er malt auch Bilder. Wird das Kloster jetzt künstlerischer?

Kunst hat im Kloster ja Tradition. Unsere jahrhundertealte Stiftskirche mit ihren Bildern, der Kreuzgang, die Architektur – all das zeigt, dass Kunst hier einen Platz hat. Die Malerei von Pater Simeon ist eine schöne Ergänzung.

Ein weiteres Wort, das über ihn gefallen ist: Er sei demütig. Ein Begriff, der heute nicht populär ist. Was bedeutet Demut?

In der monastischen Tradition heißt Demut: Mut zum Dienen. Dienen müssen wir alle im Kloster. Ich bin Diakon – das heißt übersetzt „Diener“. Jeder Mitbruder ist berufen, an seiner Stelle zu dienen, auch der Administrator der ganzen Gemeinschaft.

Impulse aus der Diaspora

Pater Simeon war Gründungsprior in Brandenburg‑Neuzelle, wo die katholische Kirche kaum eine Rolle spielt. Welche Impulse bringt er aus dieser Diaspora-Erfahrung mit?

Er war ja schon einmal Prior in Heiligenkreuz, bevor er nach Neuzelle ausgesandt wurde. Er bringt also sowohl die Erfahrung von hier als auch die Leitung einer kleinen Gemeinschaft mit. Ich glaube, dass er Impulse geben kann, die wir als Traditionschristen gar nicht kennen. Es tut der Kirche gut, von Menschen zu hören, die existenzielle Fragen stellen und wirklich auf der Suche sind.

Sie sind mit 84 Mönchen mit Ewigen Gelübden ein großer Konvent. Warum braucht es nun Konsolidierung?

„Wir müssen Strukturen nachziehen“

Unsere Gemeinschaft hat großes Potenzial. Viele junge Menschen sind in den letzten Jahrzehnten eingetreten, jeder bringt Talente mit. Durch das starke Wachstum mussten wir darauf achten, dass Strukturen und Organisation nachkommen. Manches wurde vielleicht nicht genau genug verfolgt, weil alles so schnell ging. Eine Aufgabe des Administrators ist es daher, die Gemeinschaft zu bündeln und zu schauen: Was ist da? Wer kann was gut? Wie setzen wir Talente bestmöglich ein?

Spannung zwischen Klosterleben, Hochschule und Pfarren

Sie sind seit sechs Jahren dabei. Was ist herausfordernd im Gemeinschaftsleben?

Wir haben viele Mitbrüder und viele Aufgaben: das Stift mit den Pfarren im Wienerwald, an der Hohen Wand, im Seewinkel, das Neukloster, Neuzelle, Stiepel und die Hochschule. Das sind große Bereiche. Zu schauen, welcher Mitbruder wofür geeignet ist, ist nicht leicht.

Wo sehen Sie selbst Aufholbedarf?

Ich spüre eine Spannung zwischen dem monastischen Leben und der Pfarrseelsorge. Ich wurde gerade zum Diakon geweiht, habe sechs Jahre im Stift gelebt und studiert und bin nun im Neukloster, wo die Aufgaben ganz anders sind. Beides ist bereichernd. Das monastische Leben ist für mich die Grundlage: Gebet, Studium, Einsamkeit mit Gott. Aus dieser Verbundenheit heraus kann ich für andere da sein – das lerne ich jetzt besonders im Neukloster.

Warum sind Sie selbst eingetreten?

Mich hat als Jugendlicher das Chorgebet fasziniert, die Schönheit der Liturgie. Mit 16 war ich zum ersten Mal in Heiligenkreuz, habe die Jugendvigil kennengelernt und mit 17 Kloster auf Zeit gemacht. Die Gemeinschaft war mir wichtig. Ich hatte überlegt, ins Priesterseminar zu gehen, aber Priestersein kann einsam sein. Ich wollte in einer Gemeinschaft leben – und das habe ich in Heiligenkreuz gefunden.

Visitation in Heiligenkreuz als Chance

Kommen wir zurück zu Ihren vergangenen bewegenden Tagen. Die Wahl war notwendig, weil Altabt Maximilian Heim aus gesundheitlichen Gründen gesagt hat, er wird zurücktreten, er stellt sich nach 16 Jahren nicht noch einmal einer Wahl. Es gab unruhige Monate im vergangenen Jahr, die auch publik geworden sind. Es gab anonyme Vorwürfe, es gab eine apostolische Visitation des Heiligen Stuhls, das heißt, Sie haben hier Personen gehabt, die in den Konvent hineingegangen sind, die mit Ihnen allen intensiven Gesprächen geführt haben. Sie sind alle recht drangekommen. Es war für Sie alle eine bewegende Zeit und jetzt hat Altabt Maximilian gesagt, Pater Simeon wird die verschiedenen Stimmen zu einem Klang wieder vereinen. Welche konkreten Schritte sind denn jetzt notwendig zur Versöhnung und Aufarbeitung nach diesem anstrengenden letzten Jahr?

Also ich habe die ganze Zeit der Visitation eigentlich als große Chance gesehen. Wir haben unser Klosterleben reflektiert mit der Gemeinschaft und allem, was dazugehört, wir haben nachgedacht, wofür steht Heiligenkreuz, was macht Heiligenkreuz aus und dieser Reflexionsprozess hat uns allen gutgetan.

Wir sind miteinander ins Gespräch gekommen und das ist in einer großen Gemeinschaft gar nicht so leicht. Wir sind auch draufgekommen, dass es viel Gutes gibt in Heiligenkreuz, dass wir viel Schönes haben, das gemeinsame Chorgebet, das uns alle vereint. Gleichzeitig wissen wir, dass wir uns in Zukunft überlegen müssen, wohin wir unsere Kräfte investieren wollen. Ist das mehr die Pfarrseelsorge, ist das mehr die Seelsorge im Kloster selbst oder ist das die Hochschule. Ich glaube, da gibt es kein entweder oder, sondern da gibt es ein sowohl als auch. Das Reflektieren, was tun wir und wie wir das tun, das hat sehr gutgetan. Ich denke, das ist schon der erste Schritt in die Zukunft. Wir können gemeinsam überlegen, wohin es geht.

Ist Pater Simeon während der Visitation aufgefallen?

„Er bringt Ruhe und Gelassenheit“

Ja. Auch während der Visitation, die ja unruhig war, hat er Ruhe und Gelassenheit ausgestrahlt. Ich erinnere mich gut an seinen rheinländischen Humor und seine positive Grundhaltung auch in dieser fordernden Zeit.

Der Administrator hat die gleichen Befugnisse wie ein Abt, aber keine lebenslange Verantwortung. Ist das für Sie ein Unterschied?

Zwischen Abt und Administrator gibt es eigentlich kaum Unterschiede. Der Administrator trägt lediglich keine Insignien, ansonsten hat er die gleichen Rechte und Pflichten. Aber ich sehe darin auch eine Chance: Wir können uns sammeln, Kräfte bündeln und die drei Jahre nutzen, um über unsere Zukunft nachzudenken – und besser zu werden.

Ein Drittel des Konvents hätte noch nie einen Abt gewählt. Finden Sie diese Begründung nachvollziehbar?

Die Wahl eines Administrators ist grundsätzlich sinnvoll. Ich habe die Wahl als spannendes Ereignis erlebt und sie war zutiefst geistlich.

Stift Heiligenkreuz, Pfarren und Hochschule – ein Dreiklang

Was tun Sie als Botschafter der Hochschule?

Die Hochschule wird ausschließlich durch Spenden finanziert. Es braucht jemanden, der zwischen Studenten, Professoren und Unterstützern vermittelt. Viele Menschen sind freundschaftlich verbunden, beten für uns und unterstützen uns finanziell. Ohne sie gäbe es die Hochschule nicht. Auch die Professoren unterrichten ehrenamtlich. Dieses Miteinander zu fördern, sehe ich als Aufgabe – und es macht mir Freude.

Welche Bedeutung hat die Hochschule im Konvent?

Ich würde sagen: Wir haben in Heiligenkreuz einen Dreiklang – Stift, Pfarren und Hochschule. Die Hochschule war früher Teil des Klosters und ist dann zu einer Hochschule päpstlichen Rechts mit über 300 Studierenden gewachsen. Mich begeistert das gute Miteinander von Intellektualität und geistlichen Angeboten.

Kommen wir kurz zur Hochschule. Können Sie erklären, wie die Situation von Pater Edmund Waldstein ist, der aktuell jetzt nicht in der Hochschule tätig ist und der in der Öffentlichkeit als Vertreter des Integralismus bekannt geworden ist. Darunter versteht man, dass die katholische Kirche in der Politik eine bestimmende Rolle einnehmen soll.

Als das Thema mit dem Integralismus aufgekommen ist, war ich sehr überrascht, weil ich Pater Edmund in Vorlesungen über Moraltheologie erlebt habe, aber nie das Wort Integralismus gefallen ist. Ich habe seine Vorlesungen sehr geschätzt und war erstaunt, dass das so ein großes Thema ist. Pater Edmund hat diese Äußerungen zurückgenommen, soll eine Korrektur schreiben und unterrichtet jetzt nicht mehr an der Hochschule. Er hat den Auftrag in den nächsten drei Jahren in Rom zu studieren für sein Doktorat in Philosophie.

Kritik an Heiligenkreuz

Wie gehen Sie mit Kritik um?

Gelassen. Aber es tut mir schon weh, weil Heiligenkreuz für mich ein lebendiger Ort mit Tradition, Gemeinschaft und Gebet ist – meine geistliche Heimat ist. Wir verstehen nicht immer, warum uns manche anfeinden. Wir müssen demütig bleiben und das annehmen, was Gott uns schenkt.

Dürfen Sie im Konvent auch einmal schimpfen?

„Wir Wiener dürfen auch grantig sein“

Natürlich. Ich bin Wiener – und wir Wiener können auch ordentlich grantig sein. Aber dann ist es auch schon wieder gut. Und am Ende des Tages beten wir nicht nur für unsere Freunde, sondern für alle Menschen.

Schlagwörter
Autor:
  • Sophie Lauringer
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