„Richtig ernst wurde es beim Brand in der Tiefgarage“
Glaubenszeugnis
Im Jänner wurde Stefan Viktorin-Pomper in seine dritte Periode als Kommandant der Stiftsfeuerwehr in Klosterneuburg gewählt.
Aufgaben der Stiftsfeuerwehr
Herr Viktorin-Pomper, die Stiftsfeuerwehr wurde 1890 gegründet. Welche Aufgaben hat sie heute?
Wir sind eine Betriebsfeuerwehr und haben vor allem eine Hauptaufgabe, nämlich den vorbeugenden Brandschutz. Ich bin auch Brandschutzbeauftragter im Stift und für die über 1.300 Brandmelder und deren stetigen Ausbau im Stift verantwortlich. In der barocken Stiftskirche ist der Brandschutz zum Beispiel gut versteckt. Wenn man nicht weiß, wo sie sind, sieht man die Brandmelder nicht. Aber auch der abwehrende Brandschutz gehört zu unseren Aufgaben – zum Glück kommt das nicht oft vor. Aber wenn ein Feuer ausbricht, sind wir im Einsatz. Das war etwa 2024 der Fall, als es in der Tiefgarage des Stifts gebrannt hat. Unser Einsatzgebiet umfasst das gesamte Stiftsgelände. Außerdem unterstützen wir bei verschiedenen Veranstaltungen im Stift und übernehmen Ordnungsdienste zum Beispiel beim Hochamt zu Leopoldi im November, helfen bei Agapen und bereiten das Osterfeuer vor. Wenn ein Chorherr stirbt, stellen wir bei den persönlichen Verabschiedungen die Sargwachen.
Mitglieder der Feuerwehr
Wie viele Mitglieder hat die Stiftsfeuerwehr?
Wir sind insgesamt 34, neun davon sind Reservisten, fünf davon Frauen. Alle sind oder waren hauptamtlich im Stift beschäftigt. Unser neuestes Mitglied ist einer unserer Portiere. Auch einer der Augustiner-Chorherren, Pius Feiler, ist bei der Stiftsfeuerwehr. Wir machen das übrigens alle ehrenamtlich. Ganz wichtig ist uns die Kameradschaft.
Was sind in historischen Gebäuden wie jenen des Stifts die größten Herausforderungen den Brandschutz betreffend?
Wo fangen wir da an? (Lacht.) Wir haben einmal die verschiedenen Gebäude: das Barockstift, das Seminarzentrum im historischen Schüttkasten, die riesigen Dachbodenflächen, die Museumsbereiche, das Archiv und die Stiftsbibliothek sowie den Keller. Da stellt eine der größten Herausforderungen dar, sich im Stift auszukennen. Wenn es brennt, übernehmen wir von der Betriebsfeuerwehr den Lotsendienst für die Einsatzkräfte, die von außen kommen. Sich in den zum Teil sehr verwinkelten Gebäuden zurechtzufinden, ist nicht einfach. Wir müssen uns also gut auskennen und die schnellsten Wege wissen. Dafür absolvieren wir einmal im Monat eine Übung im Haus mit unseren eigenen Mitgliedern.
„Warum geht jemand zur Feuerwehr? Um dem Nächsten zu helfen.“
Angelobung Feuerwehrmitglied
Jedes Feuerwehrmitglied wird angelobt mit den Worten ‚Gott zur Ehr, dem nächsten zur Wehr‘ und besiegelt das Gelöbnis mit einem Handschlag mit dem Kommandanten. Auch Sie wurden vor vielen Jahren darauf angelobt. Welche Bedeutung hat diese Formel für Sie?
Warum geht jemand zur Feuerwehr? Um dem Nächsten zu helfen. Die Nächstenliebe ist mir sehr wichtig. Ich habe auch gelobt, mein Leben einzusetzen, wenn es notwendig ist. Richtig ernst wurde es für mich beim Brand in der Tiefgarage. Ich war damals Einsatzleiter und mir wurde bewusst: Jetzt bist du wirklich verantwortlich, dass den Menschen hier nichts passiert. Ich bin nicht der Typ, der sich jeden Abend zum Abendgebet hinsetzt, aber in dieser Situation habe ich gebetet: ‚Bitte schau, dass alles gut geht.‘
Wie ist es für Sie, an einem so altehrwürdigen und spirituellen Ort wie dem Stift Klosterneuburg zu arbeiten?
Was meinen Brotberuf betrifft, ist es ein Job wie jeder andere. Der muss gemacht werden. Aber natürlich berührt oder inspiriert mich so manches hier besonders. Die imposante Stiftskirche zum Beispiel finde ich wunderschön. Ich arbeite auch eng mit den Chorherren zusammen, und da ist es spannend zu sehen, dass Sie zum Teil ganz ähnliche Probleme haben wie ich. Sie sind eben auch ganz normale Menschen.
Stefan Viktorin-Pomper
Alter: 40
Wohnort: Wien 22
Lebensmotto: Den Menschen helfen.
Gott ist für mich: ein Anker.
Sonntag bedeutet für mich: Ruhe.