Piusbrüder exkommuniziert
Verbotene Bischofsweihen
Vor der Bergkulisse des Wallis und vor vielen tausend Teilnehmern haben die traditionalistischen Piusbrüder am Mittwochvormittag vier Priester ihrer Gemeinschaft in Econe in der Schweiz zu Bischöfen geweiht - gegen das ausdrückliche Verbot von Papst Leo XIV. Damit sind die Beteiligten, die beiden weihenden Bischöfe Alfonso de Galarreta und Bernard Fellay und die vier neu geweihten Bischöfe Pascal Schreiber, Michael Goldade, Michel Poinsinet de Sivry und Marc Hanappier, laut dem Kirchenrecht automatisch exkommuniziert.
Piusbrüder lehnen kirchliche Reformen ab
Die Traditionalisten lehnen entscheidende kirchliche Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) ab. Streitpunkte sind vor allem Religionsfreiheit, Ökumene und Formen des katholischen Gottesdienstes. Eindringlich hatte der Papst die erzkonservative Gemeinschaft am Montag in einem Brief noch einmal beschworen, die Weihen abzusagen. Stattdessen sprachen die Piusbrüder ihm zu Beginn der Bischofsweihe faktisch die kirchliche Autorität ab.
Normalerweise wird bei der Bischofsweihe der Auftrag des Papstes verlesen. Da dieser fehlte, erklärte der Generalobere Davide Pagliarani: Da die römischen Institutionen seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) von einem Geist beseelt seien, der der wahren Tradition der Kirche entgegenstehe, sehe man sich in der Pflicht, Bischöfe in der wahren Gesinnung zu weihen.
Pagliarani: "Strafen Roms haben keinerlei Gültigkeit"
Alle Strafen und Zensuren, die gegen die Weihen ausgesprochen werden, besitzen nach der ausdrücklichen Auffassung des Generaloberen "keinerlei Gültigkeit". 1988 war am Tag nach der Bischofsweihe das vatikanische Dekret gefolgt, das die mit der Tat automatisch eingetretene Exkommunikation bestätigte. Kirchenrechtler rechnen mit einem ähnlichen Prozedere Roms auch für dieses Mal. Der Priesterbruderschaft St. Pius X. gehören weltweit mehr als 700 Priester an, die meisten davon in Nordamerika und in Frankreich. Schon 1988 zogen sich nach der unerlaubten Weihe von vier eigenen Bischöfen ihr französischer Gründer, Erzbischof Marcel Lefebvre (1905-1991), sowie die Geweihten die Exkommunikation zu. Benedikt XVI. (2005-2013) hob diese Beugestrafe zwar 2009 auf; zu einer theologischen Einigung kam es aber seither nicht. Am Mittwoch nun wurden vier Männer zu Bischöfen geweiht, um den Priesternachwuchs der Gemeinschaft sicherzustellen: ein Schweizer, ein US-Amerikaner sowie zwei Franzosen.
Antwort der Piusbruderschaft "in kindlicher Ergebenheit"
Der Vatikan und auch Leo XIV. hatten die Piusbruderschaft bis zuletzt gewarnt. Der Papst bat sie, "das geistliche Wohl der Gläubigen sorgfältig zu bedenken". Denn durch den schismatischen Akt der Weihe würden sie ihre Anhänger des "Empfangs der Sakramente berauben", die sie doch suchten. Ausdrücklich würdigte der Papst die große Verbundenheit der Piusbrüder mit der Liturgie, ihr Engagement in der Priesterausbildung und ihren "Wunsch nach Treue zur Tradition". Die Kirche sei "offen für einen Weg des Dialogs und der Verständigung". Der Generalobere Pagliarani dankte dem Papst am Vorabend der Weihen "in kindlicher Ergebenheit" für seine "väterliche Fürsorge" - und bat ihn, sich vor einer Erklärung des Schismas "die notwendige Zeit" zur Unterscheidung der Geister zu nehmen.