Neuer Bischofsvikar für das Südvikariat

„... dass ich mitten unter den Menschen bin ...“
Ausgabe Nr. 7
  • Wien und Niederösterreich
Autor:
Der Bischofsvikar und die Tracht: ein sichtbares Bekenntnis zur Heimat, zur Herkunft.
Der Bischofsvikar und die Tracht: ein sichtbares Bekenntnis zur Heimat, zur Herkunft. ©Stefan Kronthaler

Seit 1. Februar ist Richard Kager der neue Bischofsvikar für das Vikariat Unter dem Wienerwald. Seit Jahrzehnten wirkte und wirkt er hier als Pfarrer. Im Gespräch mit dem SONNTAG beschreibt Kager sein Verständnis vom Pfarrer-Sein und worauf es künftig beim Christ-Sein ankommt.

Auf vielen Fotos und auch beim Interview mit dem SONNTAG trägt Bischofsvikar Richard Kager eine Trachtenjacke. Warum, will der SONNTAG wissen. „Das ist für mich eine Kleidung, die erstens zu den verschiedensten Anlässen passt und die zweitens meine Verbundenheit mit der Heimat zum Ausdruck bringt – das Volkstümliche, das Bäuerliche“, erklärt er schmunzelnd.

Werbung

Der neue Bischofsvikar im Interview

Sie waren lange Jahre Pfarrer in Schwadorf. Was war Ihnen dort als Seelsorger wichtig?

RICHARD KAGER: Als ich nach Schwadorf gekommen bin, gab es zuvor Auseinandersetzungen und Streitereien. Meine erste Aufgabe war daher, diese Gruppen wieder zusammenzubringen, zu versöhnen. Und so war mein erster Dienst ein Dienst der Einheit und der Versöhnung in dieser Gemeinde. Ich bin dort ohne Vorurteile, ohne Vorbehalte auf jeden Menschen zugegangen. In Schwadorf und später dann auch in den umliegenden Gemeinden, wo ich überall tätig war, war mir jeder Mensch wichtig. Und ich verstehe meine seelsorgliche Tätigkeit so, dass ich mitten unter den Menschen bin. Also nicht nur als der, der vorne steht in der Liturgie, sondern vor allem als der, der sich mitten unters Volk mischt. Ich bin dort zu fast allen Veranstaltungen, wenn es zeitlich irgendwie möglich war, gegangen, zu allen Festen. Auf diese Weise versuchte ich, meinen Glauben zu leben, die Freude am Evangelium den Menschen näherzubringen. Diese neunzehn Jahre in Schwadorf waren in Summe eine wunderschöne Zeit.

Bischofsvikar Kager über seine Pfarrgemeinden

Sie sind nun seit ein paar Jahren im großen Seelsorgeraum Föhrenberge tätig, mit den Pfarren Perchtoldsdorf, Gießhübl und Kaltenleutgeben, und jetzt auch noch Bischofsvikar. Wie geht sich das alles zeitlich aus?

In Perchtoldsdorf gibt es Gott sei Dank noch Altpfarrer Ernst Freiler, der uns sehr unterstützt. Ich habe auch einen hervorragenden Kaplan, Michael Semmelmayer, sowie einen Praktikanten, Constantin Mucha, der im April zum Diakon geweiht wird, die genauso unter den Menschen sind und auf jeden zugehen. Und wir haben sehr viele ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In meinem ersten Jahr in Perchtoldsdorf habe ich ein Mitarbeiterfest eingeführt, weil ich gemerkt habe, dass viele dieser Mitarbeiter gar nichts voneinander wussten. Dass der oder die in der anderen Kirche als Lektor, Kommunionspender oder wie auch immer engagiert war. Denn es gibt in Perchtoldsdorf die Pfarrkirche und die Marienkirche. Die wurden viele Jahre fast wie zwei Gemeinden geführt. Schon mein Vorgänger in Perchtoldsdorf, Josef Grünwidl, hat begonnen, diese Gemeinden sozusagen zusammenzuführen und zu sagen: „Wir sind eine Pfarrgemeinde, wir gehören alle zusammen.“ 
 

„Momentan halten wir bei 260 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.“

Richard Kager

Hat man bei so vielen Mitarbeitenden noch einen Überblick? 

Bei diesem Mitarbeiterfest hat man begonnen, eine möglichst lückenlose Liste zusammenzustellen, mit all denen, die mittun. Momentan halten wir bei zweihundertsechzig Ehrenamtlichen. Letzten Monat haben wir mit dem Projekt „Helfende Hände“ begonnen, bei dem sich Leute für verschiedene Bereiche in der Pfarre melden können, indem sie sagen: „Ich kann mir vorstellen, mitzutun, mich zu engagieren. Da habe ich ein Talent, da helfe ich und bin mit dabei. Nicht regelmäßig, vielleicht nur einmal im Jahr.“ So versuchen wir, auch neue Mitarbeiter zu gewinnen. In Gießhübl und in Kaltenleutgeben habe ich jeweils einen Pfarrvikar vor Ort, wir stimmen die Seelsorge miteinander ab. 
 

Perchtoldsdorf hat ja fast 8.000 Katholikinnen und Katholiken ...

Ich versuche auch bei Veranstaltungen, so weit es geht, mit dabei zu sein, um den Menschen die Möglichkeit zu bieten, mit mir ins Gespräch zu kommen. Ich bin nicht einer, der im Pfarrhof sitzt und wartet, bis jemand kommt, sondern ich sehe mich eher als einen, der unter den Menschen ist.
 

Wie gut kennt der neue Bischofsvikar das Südvikariat?

Wie gut kennen Sie das Südvikariat?

Als ich vor mehr als zwanzig Jahren von Kardinal Schönborn gebeten wurde, nach Schwadorf zu gehen, da war meine erste Frage: Wo liegt das? Ich kenne jetzt die Ostregion sehr gut durch meine Tätigkeit in Schwadorf und den umliegenden Gemeinden. Ich kenne die Südregion sehr gut, weil ich dort aufgewachsen bin. Ich kenne im Detail weniger die mittlere Region, sprich westlich und nördlich von Wiener Neustadt bis Mödling. Aber ich kenne viele Priester, die dort tätig sind.

"Es wird sicher schwer sein, in Zukunft in alle Pfarren einen Pfarrer schicken zu können."

Wir erleben derzeit in der Kirche große Umbrüche – auch auf dem Land. Paul Michael Zulehner sagt immer wieder: „Es geht nicht darum, den Untergang zu verwalten, sondern den Übergang zu gestalten.“ Welche Prioritäten der Pastoral legen sich da nahe?

Es wird sicher schwer sein, in Zukunft in alle Pfarren einen Pfarrer schicken zu können. Es wird daher wichtig sein, die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu fördern, ihnen vor allem auch Vertrauen zu schenken. Das heißt: Wenn man ihnen eine Aufgabe überträgt, auch darauf zu vertrauen, dass sie das gut, ja sehr gut machen werden. Und es wird wichtig sein, die Pfarren auch noch stärker zu vernetzen, um hier auch die Ressourcen besser nutzen zu können. Wir erleben beispielsweise vor Ort in Perchtoldsdorf, Gießhübl und Kaltenleutgeben, dass es für die Pfarren und für die Gemeinschaft immer ein Gewinn ist, wenn man stärker zusammenarbeitet.
 

„Es wird in Zukunft wichtig sein, die Pfarren noch stärker zu vernetzen.“

Richard Kager

Sie haben in der Schweiz Ihre Doktorarbeit geschrieben. Worüber?

Ich habe mich im Rahmen meiner Dissertation in der Schweiz, in Fribourg, intensiv mit dem Tübinger Theologen Johann Adam Möhler beschäftigt. Möhler ist in der damaligen Zeit, so glaube ich, zu wenig geschätzt und geachtet worden. Er hat schon Anfang des 19. Jahrhunderts gewisse Spuren gelegt, die dann vor allem im Zweiten Vatikanischen Konzil aufgegriffen wurden. Möhler hat seine Theologie sehr von den Kirchenvätern her gedacht und geschrieben. Er hat sich sozusagen bemüht, die Einheit der Kirche nicht als Einheit der Kirche zu sehen, sondern als Einheit in der Kirche. Und dieser Blickwinkel ist einer, der auch für die heutige Zeit sehr wichtig ist.

Worauf kommt es beim Christsein heute an?

Worauf kommt es beim Christsein heute an? Karl Rahner sagte einmal: „Der Fromme von morgen wird ein Mystiker sein, einer, der Gott erfahren hat, oder er wird nicht mehr sein.“

Das glaube ich auch. Wenn ich diese Verbindung mit Christus nicht habe, im Gebet, im Betrachten der Heiligen Schrift, im Feiern der Liturgie, dann kann ich nicht Christ sein. Sondern dann verwalte ich Strukturen, aber ich gebe nicht das Leben, das von Gott kommt, weiter. Diese Verbundenheit mit Christus ist für mich im Glauben essentiell. Und ich merke auch in der Gemeinde, dort, wo Menschen neu oder wieder neu mit Christus in Verbindung kommen, da entsteht Glaube, da wächst Glaube, da wächst auch die Freude am Glauben, da entsteht einfach Neues. 

©David Kassl

Radio-Tipp: Perspektiven


Ein Porträt von Bischofs­vikar Richard Kager hören Sie am 13. Februar um 17:30 Uhr auf ▶ radioklassik.at

Autor:
  • Stefan Kronthaler
Werbung

Neueste Beiträge

| Soziales
Konferenz in Zagreb

In Zagreb findet an der Katholischen Universität von Kroatien von 13. bis 15. Februar der erste "International Catholic Singles Summit" (ICSS) statt. Rund 400 Katholiken werden zum Single-Treffen erwartet.

| Chronik
Sehenswert

Was war los in Wien und Niederösterreich?

| Spiritualität
Glaubenszeugnis

Jeden Mittwoch versammeln sich um halb sieben, der ‚Rush hour‘ im Familienalltag, viele Eltern, Kinder und Großeltern vorm Bildschirm und beten gemeinsam den Rosenkranz. Ihr Anliegen: der Friede in der Welt.