Meine Schablone fürs Leben
Woran ich glaube
Auf der Suche nach einer Bibelgruppe, in der sie sich mit Gleichgesinnten austauschen kann, ist Miriam Haslauer vor vier Jahren auf die Katholische Hochschulgemeinde in Wien gestoßen. Mittlerweile leitet sie selbst dort eine Bibelgruppe, nimmt sich aber auch Zeit für Anbetung, tägliches Gebet und Gottesdienste, nicht nur an Sonntagen; oder sie reist an christlich geprägte Orte, wie erst vor kurzem nach Medjugorje.
"Glaube bringt hier Menschen zusammen"
Wie würden Sie die Katholische Hochschulgemeinde, kurz KHG, jemandem beschreiben, der davon noch nie gehört hat?
Die KHG wird auch immer wieder als die Pfarre der Studenten bezeichnet. Es ist eine große Gemeinschaft, in der man schnell Leute kennenlernt und Anschluss findet. Was mir besonders gefällt, ist, dass es hier einen großen Mix aus den unterschiedlichsten Menschen gibt. Solche, die sehr tief im Glauben verwurzelt sind, aber auch solche, die eine Sehnsucht spüren und schauen wollen, wo es sie hinzieht, die sich Fragen stellen und Antworten suchen. Und dann auch solche, die kritisch sind. Das Programm in der Katholischen Hochschulgemeinde ist dann auch dementsprechend bunt – es gibt regelmäßige Messen, Bibelgruppen, Wallfahrten, Reisen. Man kann hier Gemeinschaft in verschiedensten Kontexten erleben. Der Glaube bringt hier Menschen zusammen. Und das tut unheimlich gut.
Der Sinn im Leben ist für mich, Gott in allem, was mir begegnet, zu entdecken.
Das Verbindende des Glaubens – ist das etwas, was Sie schon ihr Leben lang kennen, oder ist das eine neue Erfahrung für Sie?
Ich bin die älteste von fünf Geschwistern und wir alle haben von Kindheit an von unseren Eltern mitbekommen, was es heißt, zu glauben. Glaube war etwas Selbstverständliches für mich – Teil meines Alltags. Wir waren jeden Sonntag gemeinsam in der Messe, haben vor dem Essen gebetet, viel über Glaubensthemen gesprochen, schon als kleine Kinder Bücher gelesen. Und Traditionen – die wurden bei uns so richtig zelebriert – Weihnachten, Ostern, das war alles mehr als einfach nur eine schöne Feier.
Glaube als Teil des Alltags
Sie sagen, der Glaube war immer Teil Ihres Alltags – das bedeutet wohl auch, dass er Ihre Sicht auf das Leben beeinflusst?
Bestimmt – ich sehe das Leben als ein Geschenk. Der Sinn im Leben ist für mich, Gott zu finden und ihn in allem, was mir begegnet, zu entdecken. Dass das so ist, macht alles auch irgendwie wichtiger, wertvoller, besonders. Und gleichzeitig verleiht dieses „Gott ist überall“ allem auch eine gewisse Nichtigkeit – ich meine das positiv in dem Sinne, dass das Leben hier auf Erden nicht das letzte ist. Unsere eigentliche Bestimmung ist Gott in der Ewigkeit.
"Mein Glaube hilft mir, zu entscheiden."
Und wie zeigt sich diese Sicht auf das Leben ganz konkret?
Sie zeigt sich darin, wie ich Beziehungen lebe, wie ich versuche, mit den Menschen rund um mich herum umzugehen. Aber auch was mir wichtig ist, ob ich irgendwo mitmache oder eben nicht. Mein Glaube hilft mir, zu entscheiden. Er ist sozusagen eine Schablone für die Entscheidungen, die ich treffe. Im ersten Moment klingt das nach Einschränkung, als würde mir mein Glaube unangenehme Grenzen setzen, aber so ist das gar nicht. Er macht mir mein Leben leichter, weil ich die Welt nicht ständig neu definieren muss. Das hat für mich etwas sehr Befreiendes.
Glaube in schwierigen Phasen
Hat jemand wie Sie, der den Glauben als eine solche Bereicherung erlebt, trotzdem manchmal auch Zweifel? Hadern Sie mit Gott?
Ja, sicherlich hatte ich auch schon solche Phasen. Wenn ich so richtig im Stress bin, wenn größere Entscheidungen anstehen – dann wird die Zeit für das Gebet knapp, man schiebt Gott auf die Seite und dann kommt das unweigerlich, die Frage an Gott: „Hörst Du mich überhaupt?“ Ich habe ein freiwilliges soziales Jahr in England gemacht und war da sehr nahe am protestantischen Glauben und die Unterschiede, die ich da zum Katholizismus gespürt und gesehen habe, haben mich Fragen stellen lassen, die ich davor in dieser Form noch nicht gehabt hatte. Das war tatsächlich eine Zeit des Zweifelns und ich kann mich erinnern, dass ich mich, als ich wieder in Wien war, ganz bewusst wieder darauf einlassen musste, das Katholische neu und tiefer zu entdecken. So etwas ist herausfordernd, aber gleichzeitig auch bereichernd – vor allem die Katholische Hochschulgemeinde hat mir dabei als Ort, um Antworten zu finden, sehr geholfen.