Katholisch: In eigener Sache
Ihnen gesagt
Ich bin einer jener Menschen, die seit Jahrzehnten als vom Aussterben bedroht gelten: gerne katholisch, bekennend gläubig und trotz immer wieder herausfordernder Umstände an der Kirche nicht verzweifelnd, sondern in ihr lebend, ja sich sogar zurechtfindend.
Katholisch und stolz darauf
Das bescherte mir vergangene Woche beglückende Momente – von der Einladung zu einer Komplet in einer Ordensgemeinschaft über ein Stückchen akustischen Himmels mit den Klängen der Nicolai-Messe beim Gründungsfest des Deutschen Ordens (siehe Bild der Woche) bis zu meinem ersten persönlichen Treffen mit Papst Leo. Es war eine Freude und es war aufregend, den freundlich lächelnden Papst persönlich zu sehen und ihm in wenigen Sätzen zu sagen, dass es unsere Wiener Kirchenmedien gibt. Die zwei Stunden im Vatikan katapultierten mich zurück in das Jahr 1994, als ich das erste Mal Papst Johannes Paul II. im Petersdom bei einer Generalaudienz in der Karwoche erlebt habe. Ein riesiger Moment für die wenig fromme Studentin. 2026 war für mich die gleiche Stimmung von Weltkirche, von der Bedeutung, die diese Institution hat, so ist sie schließlich überall zuhause und für alle da.
Katholisch sein ist nicht immer leicht
Es war ein Privileg im besten Sinn des Wortes, mit einem Priester aus Venezuela und einem Augustinerpater aus Nigeria zu sprechen, genauso wie mit einem römischen Ehrenmann, der uns ein filigran gearbeitetes Weihrauchgefäß zeigte. Und ja, damals wie heute habe ich nicht an die immer wieder fehlende Haltung gegenüber Frauen gedacht. Es war einfach schön, die Räume zu sehen, die Fresken von Michelangelo, eine Plastik von Salvatore Dalí und die Kapelle, in der der Papst seine Fastenexerzitien abhalten wird. Wir schlagen uns oft im Alltag mit Wirrnissen herum, es gibt Ärger, Zusatzarbeit und sogar Streit. Das durfte für wenige Stunden hintanstehen und dafür bin ich einfach dankbar.