"Gut und glaubwürdig leben"
Der neue OberhirteHimmel & Erde hat den künftigen Erzbischof, Josef Grünwidl, zu einem ersten Gespräch getroffen. In Österreich werden wir wohl noch viel von ihm hören, sehen und mit ihm erleben.
Wissenswertes über Josef Grünwidl
Was sollte eine KI-Suche über Josef Grünwidl wissen?
Da wäre mir recht, wenn da rauskäme, das ist ein Kirchenmann, der versucht, Hoffnung zu verbreiten, auch in schwierigen und herausfordernden Zeiten. Das ist ein Mensch, der mit all seinen Schwächen und Grenzen versucht, als Christ gut und glaubwürdig zu leben und der gerne einen Dienst in der Kirche übernimmt, im Wissen, dass das existenziell wichtig ist für viele Menschen und dass es auch wichtig ist, sich selber führen zu lassen und darauf zu reagieren und zu antworten, was man als Gottes Weg und Gottes Wille erkannt hat.
Josef Grünwidl: "Wir haben eine Bringschuld"
Ist denn die Kirche Ihrer Meinung nach sehr nah bei den Menschen, wenn ich nur einmal im Jahr eine Beitragsforderung in einem sehr formalen Schreiben bekomme und wenn die Menschen aber umgekehrt gar keinen Sinn darin sehen, Teil dieser Gemeinschaft zu werden?
Da sehe ich auf jeden Fall ein Ausbaupotential. Wir haben uns auch entschieden, neue Wege in der Mitgliederkommunikation einzuschlagen. Das ist die Kommunikation und der Informationsfluss, der von unserer Seite ausgeht zu den vielen Menschen, die uns mit ihrem Kirchenbeitrag unterstützen. Wir haben eine Bringschuld: Was passiert mit dem Geld, was leistet die Kirche – auch für unsere Gesellschaft? Manche Kirchenmitglieder sind in keiner Pfarre mit dabei oder nehmen unsere Angebote kaum in Anspruch. Trotzdem unterstützen sie uns finanziell. Dafür ein großes Danke!
Wie wollen Sie denn Menschen motivieren, dass sie sagen: „Ich schaue mir diese Glaubensgemeinschaft und dann in Folge die Kirche auch einmal an“?
Mir hilft die letzte große Studie „Was glaubt Österreich“ weiter. Ein Ergebnis war, dass ein sehr hoher Prozentsatz in der österreichischen Bevölkerung sich selbst als spirituell oder religiös oder suchend bezeichnet. Es gibt also ein Interesse, sich mit religiösen, spirituellen Themen zu beschäftigen. Ich denke, es ist wichtig, dass wir das gut nützen, was wir haben. Wir haben Schätze. Wir haben Bauten, Kunst, Kultur. Wir haben Symbole, wir haben Rituale, wir haben Sakramente, wir haben das Wort Gottes. Man erlebt bei uns ein Glaubensnetz, ein soziales Netz und ein Gemeinschaftsnetz, das Geborgenheit schenkt. Ich glaube, wir müssen einfach auch ein wenig kreativer werden, diese Schätze zu heben und sie auch den Menschen anzubieten. Bis jetzt war vieles selbstverständlich, dass Leute gekommen sind und sich als Mitglieder der Kirche gefühlt und auch engagiert haben. Jetzt liegt es an uns, offensiv auf Menschen zuzugehen.
"Am Ende des Tages zählt immer der einzelne Mensch"
Zählen am Ende des Tages immer die Zahlen?
Am Ende des Tages zählt immer der einzelne Mensch, dem ich heute begegnet bin.
Wo soll denn Ihrer Meinung nach mehr über den Glauben gesprochen werden?
Es gibt dieses schöne Wort, rede über deinen Glauben, wenn du gefragt wirst, aber lebe so, dass man dich fragt. Also, ich finde, wir selber, wir Christinnen und Christen, sollten Grund dazu geben, dass man über den Glauben redet und dass man uns fragt: Warum lebst du so? Warum bist du so versöhnlich? Warum gibst du nach? Warum reichst du als Erster die Hand? Warum schaust du auf Arme und teilst und lebst solidarisch? Warum ist dir die Schöpfung so wichtig?Leben wir noch so, dass man uns als Christen erkennt, dass man nachfragt? Und ich glaube, da beginnt das Gespräch über den Glauben und da wird es auch existenziell wichtig.
Josef Grünwidl über Kirchenmusik
Herr Erzbischof, Sie sind eine lebende Symbiose zwischen Theologie und Kirchenmusik.
Ich finde, dass Theologie und Musik eine ideale Symbiose bilden. Der heilige Märtyrerbischof Ignatius von Antiochien hat auf dem Weg zu seinem Tod Briefe geschrieben an seine Gemeinden. Darin hat er immer wieder über Musik gesprochen und hat so schön gesagt: „Nehmt die Melodie Gottes in euch auf. Seid wie Saiten, die mit der Zither verbunden sind in Harmonie. Lobt Christus symphonisch, vereint im Vielklang der Stimmen.“
Der Musiker Josef Grünwidl
Bach ist das Nonplusultra für Sie?
Wie kann ein Mensch so ein Werk hinterlassen? Bach ist für mich – und ich denke auch für viele andere – das Nonplusultra. Er hat eine derartige Vielfalt und eine solche Fülle von Werken komponiert mit einer Symbolik und auch mit einer Glaubenstiefe, die für mich völlig unbegreiflich ist.
Wann haben Sie zuletzt ein Stück gespielt?
Vorgestern am Abend. In meiner Wohnung habe ich ein kleines Klavier und wenn irgendwie Zeit ist und ich noch nicht zu müde bin, dann spiele ich gern am Abend noch ein paar Stücke für mich.
Josef Grünwidl im Wordrap
Schokolade oder Chips?
Schokolade
Fußball oder Skifahren?
Bergsteigen
Das Leben des Brian oder Konklave?
Konklave
Stoßgebet oder Rosenkranz?
Stoßgebet
Diese Frau aus der Bibel mag ich besonders:
Maria
Mit diesem Apostel würde ich gerne einen Tag verbringen:
Petrus
Diözese seit 1469, Erzdiözese seit 1723
Die Erzdiözese Wien ist ein kirchlicher Großraum von 9.100 Quadratkilometern, der die Bundeshauptstadt Wien und die gesamte östliche Hälfte Niederösterreichs umfasst. Sie zählt aktuell 1.039.055 Katholikinnen und Katholiken. Die Bandbreite der 602 Pfarren in der Erzdiözese reicht von ländlichen Einheiten wie der kleinsten Pfarre Grafensulz (81 Mitglieder) bis zur urbanen Pfarre zur Frohen Botschaft in Wien (13.699 Mitglieder).
Die Erzdiözese Wien musste sich im Mittelalter die Unabhängigkeit von der Mutterdiözese Passau mühsam erkämpfen. Zu Passau gehörten damals kirchlich gesehen große Teile Österreichs. Die Gründung des Bistums Wien erfolgte 1469 unter Kaiser Friedrich III. durch Papst Paul II., trat aber erst 1480 in Kraft, da Passau die Umsetzung lange blockiert hatte. Der Stephansdom wurde zur Kathedrale. 1722/23 wurde Wien unter Kaiser Karl VI. zur Erzdiözese erhoben. Die heutige territoriale Gestalt wurde jedoch erst durch die tiefgreifende Diözesanregulierung unter Kaiser Joseph II. (1784/85) geschaffen. Die Erzdiözese Wien erhielt ihren heutigen Umfang in Wien und dem östlichen Niederösterreich. Gleichzeitig wurde das Bistum Wiener Neustadt aufgelöst und sein Gebiet zur Gründung der neuen Diözese Sankt Pölten genutzt. Die letzte Anpassung erfolgte 1960 mit der Gründung der Diözese Eisenstadt (Burgenland), die ebenfalls der Kirchenprovinz Wien angehört.
Insgesamt hatte Wien bisher 32 Bischöfe, davon 16 Erzbischöfe seit der Erhebung zur Erzdiözese im Jahr 1723. 14 der Wiener Bischöfe wurden in das Kardinalskollegium berufen. Mit der Bischofsweihe am 24. Jänner 2026 wird Josef Grünwidl dann der 17. Erzbischof sein. Am längsten als Erzbischof diente Kardinal Christoph Anton Migazzi, nämlich von 1757 bis 1803. Lange Jahre wirkten auch Kardinal Theodor Innitzer (1932 bis 1955), Kardinal Franz König (1956 bis 1985) und Kardinal Christoph Schönborn (1995 bis 2025).
Radiotipp:
radio klassik Stephansdom überträgt die Bischofsweihe von Erzbischof Grünwidl am 24. Jänner 2026 live aus dem Stephansdom.
Digital empfangen Sie radio klassik Stephansdom in ganz Österreich über DAB+. ▶ radioklassik.at