„Jeden Sonntag wie ein kleines Osterfest feiern“
OsterinterviewDie vielen Termine, die er seit der Weihe am 24. Jänner wahrnimmt, sind immer auch gleichsam seelsorgliche Aufgaben, unterstreicht Erzbischof Josef Grünwidl.
Bedeutung der Osterfeier für Erzbischof Grünwidl
Welche Bedeutung hat die Feier von Ostern für Sie?
JOSEF GRÜNWIDL: Ich darf heuer zum zweiten Mal die ganze Osterliturgie, also die Karwoche von Palmsonntag bis zur Auferstehung, Osternacht und Ostersonntag im Stephansdom feiern. Das sind wunderschöne, große Feiern und Liturgien und es ist einfach eine Freude, im vollen Stephansdom mit so vielen Menschen, die österlich gestimmt sind, das Hauptfest der Kirche feiern zu dürfen. Das ist mein Dienst als Erzbischof, aber natürlich feiere ich Ostern auch privat: Am Ostermontag ist dann Zeit für meine Familie. Wir werden uns am Nachmittag treffen und Ostern gemeinsam feiern.
Jeden Sonntag ein "kleines Osterfest"
Wie kann die Osterfreude ein Stück weit anhalten, wenigstens bis Pfingsten?
Die Kirche hat eine tolle „Erfindung“, damit Ostern lebendig bleibt und die Osterhoffnung anhält, und das ist der Sonntag. Jeder Sonntag ist für uns nicht das Wochenende, sondern jeder erste Tag der Woche ist ein kleines Osterfest, und ich kann alle Menschen nur herzlich einladen, dieses Werkzeug, dieses Osterwerkzeug „Sonntag“ auch zu nutzen, weil es guttut und wirklich hilft, wenn man am Sonntag zusammenkommt, um den Tod und die Auferstehung Jesu zu feiern. Damit auch die Osterhoffnung und die Osterfreude in uns lebendig bleiben. Bis Pfingsten und weit darüber hinaus. Ich wünsche mir, dass Ostern, dass meine Grundstimmung nicht Karfreitag und Karsamstag ist, sondern dass wir österlich leben. Dazu sind wir berufen aufgrund unserer Taufe und das wünsche ich mir, dass sich das auch zeigt in meinem Leben.
Auferstehung vs. Wiedergeburtslehre
Was unterscheidet die christliche Hoffnung auf Auferstehung von der Wiedergeburtslehre?
Das sind für mich zwei Erklärungsmuster für ein Leben nach dem Tod, die nicht kompatibel sind. Die Lehre von der Wiedergeburt, besonders ausgeprägt im Hinduismus und im Buddhismus, hängt mit dem Karma zusammen. Karma heißt übersetzt Tat, das heißt meine Taten im jetzigen Leben entscheiden, wie ich wiedergeboren werde. Setze ich gute Taten, werde ich in einer guten Weise wiedergeboren, habe ich Schlechtes getan, dann werde ich zum Beispiel auch als Tier oder in einem schlechteren Zustand wiedergeboren.
„Das Rad der Wiedergeburt ist eigentlich wie eine Last, wie eine Strafe.“
Grünwidl: "Das Rad der Wiedergeburt ist etwas, das man möglichst schnell hinter sich bringen möchte"
Bei uns im Westen wird die Lehre von der Wiedergeburt oft als eine sehr positive Form des Weiterlebens nach dem Tod interpretiert. Aber eigentlich ist dieses Rad der Wiedergeburt im Buddhismus und Hinduismus etwas, das man möglichst schnell hinter sich bringen möchte: Es ist eine Last und eine Strafe, dass man immer wieder geboren werden muss, so oft, bis man sich dann endlich durch seine eigenen Taten sozusagen erlöst hat und nicht mehr wiedergeboren werden muss.
Erzbischof Grünwidl über die christliche Botschaft der Auferstehung
Und die Antwort des Christentums?
Die christliche Botschaft von der Auferstehung hat ein ganz anderes Konzept. Unser Leben hier auf der Erde ist einmalig und einzigartig und ich muss mich als Christ nicht selbst erlösen, sondern das hat Jesus Christus getan. Und Gott, davon bin ich überzeugt, verlangt von uns auch nicht, dass wir perfekt und vollkommen sind, um ins ewige Leben eingehen zu dürfen, sondern er vollendet mich. Er sieht, wenn ich sterbe, meine Stärken, meine guten Taten, meine Erfolge, und er wird ergänzen, was fehlt. Und nach dem Tod dürfen wir darauf hoffen, dass wir auf ewig bei Gott in der Freude des Himmels geborgen sind. Also nicht diese Last, du musst so lange und so oft leben, bis du es endlich geschafft hast, dich zu erlösen, bis du so gut und perfekt und vollkommen bist, dass das nicht mehr sein muss. Sondern ich versuche, das Leben hier auf der Erde so gut ich kann zu gestalten und nach dem Evangelium auszurichten. Und ich vertraue darauf, dass im Tod Gott mir barmherzig begegnet, mich vollendet und mir Anteil an der Auferstehung Jesu schenkt.
Zeit für Gottesdienste mit den Menschen der Pfarrgemeinden
Sie haben in diesen Monaten und Wochen einen Marathon an Antrittsbesuchen hinter sich, von der Politik bis zu Nichtregierungsorganisationen, es gab die erste Bischofskonferenz, die Ernennung von neuen Positionen wie Generalvikar Andreas Kaiser und auch die Ernennung des neuen Rektors für das Hospiz in Jerusalem. Wie ordnen Sie Ihre Verpflichtungen und wie priorisieren Sie diese?
Ich glaube, man kann gut nachvollziehen, dass der Herr Kardinal in den letzten Jahren manche Entscheidungen nicht mehr getroffen hat, um seinen Nachfolger nicht zu präjudizieren. Auch ich als Administrator durfte solche Entscheidungen nicht treffen. Es gibt also einiges, was jetzt ansteht. Das ist jetzt auch vordringlich für mich. Da geht es um die Fragen der Strukturreform mit Pfarrgründungen und Pfarrgrenzänderungen. Da ist unser Leitbild, das auf dem Weg ist. Da sind Inkardinierungen von Priestern, die in der Zeit ohne amtierenden Bischof angestanden sind und gewartet haben.
Es gibt einiges an Verwaltungsaufgaben, die jetzt dringend zu erledigen sind. Ich glaube, wir sind ganz gut auf dem Weg. Ich versuche meine Zeit so einzuteilen, dass ich einen Halbtag in der Woche hinausfahre und zum Beispiel in einem Pflegeheim bin, in einer Caritas-Einrichtung, in einer Schule oder in der Kirchlich-Pädagogischen Hochschule. Dass ich auch wirklich Zeit habe, nicht nur hier im Büro am Stephansplatz zu sitzen mit Gesprächen, Terminen, Priestersprechtagen und Sitzungen, sondern auch hinauszugehen. Und ganz wichtig sind mir natürlich auch die Sonntage. Also jeden Sonntag auch in einer Pfarrgemeinde einen Besuch zu machen, mit den Menschen Gottesdienst zu feiern. Bei den Agapen, bei den anschließenden Begegnungsmöglichkeiten gibt es auch viele gute Gespräche und erfreuliche Begegnungen.
Zeit für Seelsorge
Das heißt, Sie haben auch noch Zeit für Seelsorge?
Ich sehe auch meine Telefonate, ich sehe die Post, wenn ich Anfragen beantworte, als seelsorgliche Aufgaben. Und auch in den Gesprächen, wenn es etwa Priestersprechtage sind, wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu mir kommen, da sehe ich mich auch als Seelsorger, nicht nur als Chef und Vorgesetzter. Ich habe den Eindruck, Seelsorge und seelsorgliche Tätigkeiten kommen nicht zu kurz. Es ist immer wieder Platz, auch um Gottesdienste zu feiern, ich habe in den letzten Wochen auch einige Begräbnisse gehalten und Seelenmessen gefeiert.
„Ich sehe mich als Seelsorger, nicht nur als Chef und Vorgesetzter.“
Beichte vor Ostern
Vor Ostern gehen viele Gläubige zur Beichte. Ist der Beichtdienst für den Erzbischof von Wien ein wesentlicher Faktor in seinem Leben?
Das habe ich heuer leider noch nicht geschafft, weil auch in der Karwoche der Terminkalender so voll ist. Ich weiß, dass der Herr Kardinal in den Kartagen auch im Stephansdom im Beicht- und Aussprachezimmer gesessen ist. Das habe ich mir für nächstes Jahr fest vorgenommen.
Das Pallium von Papst Leo XIV.
Sie werden in absehbarer Zeit von Papst Leo XIV. das Pallium bekommen. Eine hohe Ehre oder noch mehr Zeichen der Verantwortung?
Papst Leo XIV. wird am 29. Juni, am Festtag von Peter und Paul, das Pallium an alle neu ernannten Erzbischöfe verleihen. Dieses weiße Wollband mit schwarzen Kreuzen erinnert mit der Schafswolle an die Aufgabe des Hirten. Es ist auch eine Erinnerung, dass der Erzbischof in besonderer Weise die Hirtenaufgabe übernommen hat und ein guter Hirte sein soll und sich an Jesus Christus orientiert. Ich sehe es nicht als Auszeichnung, sondern als Erinnerung und Bestärkung für meinen Dienst als Bischof in der Erzdiözese Wien.
Erzbischof Grünwidl: "Sehe mich nicht als Einzelkämpfer im elfenbeinernen Turm"
Hirtenamt hat mit Verantwortung zu tun. Wie geht es Ihnen damit?
Die Verantwortung ist groß, das stimmt sicher, aber ich habe schon als Pfarrer, als Dechant, als Bischofsvikar in den letzten 30 Jahren immer Verantwortung übernehmen müssen und auch übernommen, natürlich in überschaubareren Bereichen. Ich übernehme gerne Verantwortung, aber ich sehe mich nicht als Einzelkämpfer und als einen, der im elfenbeinernen Turm einsame Entscheidungen trifft, sondern ich glaube, dass wir mit den Beratungsgremien in der Erzdiözese Wien schon ganz gut synodal aufgestellt sind. Nach wirklich guten Beratungen mit vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern treffe ich dann gerne auch die Entscheidungen. Ich weiß, dass ich dann auch Entscheidungen zu treffen habe und die Verantwortung zu übernehmen habe. Wie gesagt, das steht auf einer guten Basis.
Kritik an der Kirche
Jetzt gibt es auch Menschen, die nicht in der Kirche mit dabei sein wollen. Die Kritik üben an der Kirche: Zu viel Institution, zu viel Geld, zu viel Macht. Was sagen Sie diesen Menschen?
Ich verstehe, dass sehr oft der Eindruck entsteht, dass es zu viel Kirche und zu wenig Evangelium oder zu wenig Jesus gibt. Theologisch gesagt ist die Kirche eine res mixta, eine gemischte Angelegenheit. Sie ist eine göttliche Stiftung und sie ist zugleich auch eine Institution, die es auch braucht. Ich erinnere gern daran, dass es unser Grundauftrag ist, das Evangelium zu verkünden und Menschen in ihrer Beziehung zu Gott, in ihrer Beziehung, in ihrer Freundschaft mit Jesus Christus zu stärken und zu begleiten. Das ist das Attraktive an der Kirche. Aber um das machen zu können, um das umsetzen zu können, braucht es eben auch ein Gerüst: Es braucht Gebäude, es braucht Personal, es braucht so viele Dinge, die in diesem Bereich notwendig sind. Das alles kostet auch Geld. Wir haben in der Diözese ungefähr 1.200 Priester, die bei uns mitarbeiten. Wir haben ungefähr 1.700 weitere hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Pfarren und in den verschiedenen Einrichtungen. Das kostet Geld und dazu braucht man Geld.
"Das Attraktive an der Kirche ist, die Botschaft des Evangeliums unter die Menschen zu bringen"
Und wir haben Institutionen, wo es um Ausbildungsvorgänge geht, um Berufsbegleitung. Ich danke an dieser Stelle allen, die mit dem Kirchenbeitrag unsere Arbeit und das kirchliche Leben unterstützen und auch zeigen, dass sie das wertschätzen, was wir tun. Auch wenn viele von unseren Kirchenbeitragszahlern keinen direkten oder regelmäßigen Kontakt mit Kirche oder Pfarre haben, sehe ich das als einen ganz wichtigen und wertvollen Beitrag, den diese Menschen für unsere Arbeit leisten. Und ich bitte um Verständnis, dass es in der Kirche als Apparat, als Institution, da und dort auch immer wieder Anlass gibt zu Kritik oder dass manche Menschen auch enttäuscht sind von einzelnen Vertreterinnen oder Vertretern der Kirche. Aber das Attraktive an der Kirche oder das, wozu wir da sind, ist, die Botschaft des Evangeliums unter die Menschen zu bringen. Und das versuchen wir, so gut wir können.
Landeplätze für den Heiligen Geist
Herr Erzbischof, Sie haben vor kurzem bei der Vollversammlung der österreichischen Bischofskonferenz beim öffentlichen Festgottesdienst die Predigt gehalten und da einen sehr markanten Satz geprägt, der sehr oft zitiert wurde. Dass Sie nämlich davon überzeugt sind, dass das Kirchenrecht nicht verhindern kann, was der Heilige Geist will. Sie haben das damals im Zusammenhang mit innerkirchlichen Reformthemen wie Frauenpriestertum und Zölibat gesagt. Was meinen Sie damit konkret, wo, glauben Sie, könnte es in der Erzdiözese Wien in Ihrem Verantwortungsbereich solche Landeplätze für den Heiligen Geist geben, wo dann das Kirchenrecht ein bisschen Abstand nehmen muss?
Ich habe bei dieser Predigt vielleicht nicht ganz genau ausgedrückt, was ich meine. Ich habe mich da bezogen auch auf einen Text, den wir in der Apostelgeschichte finden, wo der Hohe Rat die Apostel verurteilen will. Und der Pharisäer Gamaliel den Rat gibt: Wenn das, was die Apostel tun, von Gott kommt, vom Heiligen Geist, dann können wir es nicht verhindern. Und so will ich das auch verstanden wissen. Bei dieser Ansprache war vor allem die Frauenfrage im Fokus. Wenn diese Frage vom Heiligen Geist kommt und wenn das ein Zeichen der Zeit ist, dann wird sich das auch durchsetzen und wird das in der Kirche geschehen. Das Kirchenrecht richtet sich ja immer nach der Lehre der Kirche. Und wenn wir die Ergebnisse der letzten Weltsynode ernstnehmen, dann müssen sich auch manche Bestimmungen, Traditionen und auch kirchenrechtliche Regelungen ändern. Dann müssen zum Beispiel auch Beratungsgremien anders zusammengesetzt werden, als das bis jetzt der Fall ist. Ich glaube schon, dass es Bereiche gibt, wo jetzt Handlungsbedarf ist, wenn man die Ergebnisse der Synode auch erden und auf den Boden bringen will.
Was wäre das konkret für die Erzdiözese Wien?
Das wäre zum Beispiel die Frage, wie es gelingen kann, dass Beratungsgremien, auch die des Bischofs, so zusammengesetzt sind, dass dort nicht nur geweihte Männer sitzen, sondern auch Getaufte teilnehmen können. Dass also auch, wie man sagt, die Laien stärker vertreten sind und wieder nicht nur Männer, sondern auch Frauen.
Josef Grünwidl zur Karfreitagsregelung
Es war Ihnen in Ihren ersten Wochen nach dem Amtsantritt ein großes Anliegen, Vertreterinnen und Vertreter anderer Kirchen in Österreich zu treffen, kennenzulernen, zum Beispiel die evangelische Bischöfin Cornelia Richter. Die evangelische Kirche kämpft massiv darum, den Karfreitag als Feiertag wieder zurückzubekommen. Wie sehen Sie diese Frage? Kann die evangelische Kirche auf die Unterstützung des Wiener Erzbischofs setzen?
Ich verstehe, dass die Karfreitagsregelung seit 2019 eine Wunde für die evangelischen, für die methodistischen und die anglikanischen Christinnen und Christen ist: dass der Karfreitag ein persönlicher Feiertag ist, und dass ich mir, wenn ich am Karfreitag frei haben will, einen Urlaubstag nehmen muss. Der Karfreitag hat in diesen Kirchen noch einmal eine ganz andere und identitätsstiftende Bedeutung als für uns in der katholischen Kirche. Ich möchte aber auch daran erinnern, dass Bischof Chalupka im Vorjahr zwar traurig, aber realistisch gesagt hat, dass es in Zeiten von Sparpaketen und Budgetdefiziten unrealistisch ist, dass ein zusätzlicher Feiertag in Österreich für alle eingeführt wird.
Als diese Diskussion vor einigen Jahren begonnen hat, wurde von der katholischen Kirche signalisiert, dass wir bereit wären, einen katholischen Feiertag herzugeben, der eigentlich gar kein katholischer Feiertag in der Weltkirche ist, Ostermontag oder Pfingstmontag. Der Pfingstmontag ist nicht einmal im Vatikanstaat ein Feiertag. Da wurde aber nicht weiter nachgedacht und diese Idee wurde auch vom Handel und von der Wirtschaft nicht aufgegriffen. Ich verstehe das Anliegen der evangelischen Christinnen und Christen, und hoffe, dass es da zu einer Lösung kommt, die auch für diese betroffenen Kirchen gut sein wird.
Tausch von Ostermontag gegen Pfingstmontag
Wäre es für Sie persönlich eine Möglichkeit, den Ostermontag oder den Pfingstmontag einzutauschen?
Ja, ich kann mir das, so wie das damals auch mehrere Bischöfe gesagt haben, vorstellen, dass zum Beispiel der Pfingstmontag eingetauscht wird. Aber das hängt nicht nur von der Kirche ab, das müsste dann auch eine gesetzlich-staatliche Regelung werden. Und soweit ich informiert bin, gibt es Widerstände, einen Feiertag einzutauschen.
Hospiz in Jerusalem
Eine Ihrer ersten Personalentscheidungen war auch die Besetzung des Hospizes in Jerusalem mit einem neuen Rektor. Warum haben Sie sich für Franz Xaver Brandmayr entschieden? Welche Bedeutung hat überhaupt dieses Hospiz in Jerusalem, gerade in einer Stadt, in einer Region, die derzeit leider nur sehr negative Schlagzeilen macht?
Seit Oktober 2023 herrscht eine ganz schwierige Situation im Nahen Osten. Und da ist auch das österreichische Hospiz in Jerusalem massiv davon betroffen. Es gibt keine oder fast keine Pilgergruppen. Es fehlen dem Haus die Einnahmen, es musste das Personal schon drastisch reduziert werden und es fehlte uns auch ein Rektor, ein Leiter dieses Hauses. Das Hospiz in Jerusalem hat eine sehr große und wichtige Aufgabe und Bedeutung in dieser Region. Es ist ein kultureller, ein ökumenischer und ein interreligiöser Treffpunkt. Ich habe Franz Xaver Brandmayr als Rektor vorgeschlagen und das wurde auch von der Bischofskonferenz jetzt im Frühjahr bestätigt, weil er ein sehr gut vernetzter Kirchenmann ist und auch ein guter Manager.
Bekanntlich hat Brandmayr die Anima – ein großes Haus und Zentrum der deutschsprachigen Seelsorge in Rom - in Rom saniert und auch auf sehr gute finanzielle Beine gestellt. Und im Hospiz in Jerusalem steht seit Jahren eine Generalsanierung des Altbaus an. Das ist natürlich unter den jetzigen Umständen besonders schwierig. Franz Xaver Brandmayr sieht sich auch als Interimsrektor, also nicht auf 10 oder 20 Jahre bestellt, sondern für eine überschaubare Zeit. Und ich bin zuversichtlich, dass es ihm gelingt, jetzt einmal die Sanierung dieses Hauses zu planen und vielleicht auch einen Finanzierungsplan, ein Finanzierungskonzept zu erstellen. Das ist seine vordringliche Aufgabe, aber er ist natürlich als Rektor auch so etwas wie ein Hausvater für die Gemeinde, für die Gemeinschaft, die im Hospiz wohnt, für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und auch für Pilgergruppen, die hoffentlich bald wiederkommen können.
Gedanken des Friedens
Wie sehen Sie den Nahostkonflikt? Haben Sie ein Lösungsmodell, wie kann man aus dieser endlosen Spirale der Gewalt rauskommen?
Ich bin da ziemlich ratlos, muss ich gestehen. Es ist wirklich erschreckend und bedrückend, dass gerade diese Region der Welt und auch Jerusalem, dass das Heilige Land, wie wir sagen, nicht zur Ruhe kommt und dass dort ständig Krieg, Gewalt und Hass herrschen. Ich kann nur hoffen und beten, und darauf vertraue ich auch, dass Gott die Möglichkeit hat, auch den Mächtigen und den Zerstrittenen und den Menschen, die einander mit Hass begegnen, ihr Herz zu verändern und ihnen Gedanken des Friedens einzugeben.
Zum Nachhören: Josef Grünwidl
Das Osterinterview mit Erzbischof Josef Grünwidl hören Sie im Podcast der „Perspektiven“ auf: ▶ radioklassik.at