Herabschauender Hund
Hirtenhund
Eine wichtige Grundposition im Yoga ist der „herabschauende Hund“. Man beginnt im Vierfüßlerstand, stellt die Zehen auf, schiebt das Gesäß nach oben. Die Position ist ein Teil des „Sonnengrußes“, der die Ehrfurcht vor der Sonne und der Gottheit zum Ausdruck bringen soll. Kryptoreligiöse Restbestände im Aufwind: Immer mehr Österreicher yogieren mindestens einmal pro Woche.
Yoga, Katholizismus und Religiosität
Auch Promis scheinen ihre Scheu vor Religion abzulegen – zumindest in ihrer entkirchlichten, frei flottierenden Form. Der „Bilderbuch“-Sänger Maurice Ernst sagt, die „Wechselwirkung aus Kirche und Showbusiness“ habe ihn „immer inspiriert“. Der Entertainer Hape Kerkeling bekennt freimütig, ein Fan von Papst Leo und TV-Gottesdiensten zu sein; der „BAP“-Sänger Wolfgang Niedecken bezeichnet sich als „restkatholisch“ und als „hoffenden Agnostiker“. Und dann gibt es da natürlich noch das Phänomen der vielen Taufen junger Menschen in Frankreich, die plötzlich ihr Faible fürs Katholische (wieder)entdecken.
Religion ist mehr als ein persönlich-spirituelles Add-on
Was ist da los? Pulsiert die lange verödet geglaubte religiöse Ader der Menschenkinder wieder? Gewiss, die angezeigten Phänomene sind extrem vielfältig und bunt – dennoch stimmt mich das hochgejazzte Gerede von der Rückkehr der Religion skeptisch. Religion mag mit Luther als das verstanden werden, woran man sein Herz hängt – doch steht der gefühligen Religiosität von Beginn an auch eine theologisch motivierte Form der Religionskritik zur Seite. Die runzelt etwa die Stirn, wenn sie vom „Restkatholen“ Niedecken liest, dass sich beten „lohnt“, weil man sich dabei selber besser kennenlerne. Und dass er gern in die Kirche gehe, weil das ein „Raum der Meditation“ ist. Doch meint Religion – zumindest die biblische – nicht mehr als ein persönlich-spirituelles Add-on? Mehr als ein Update meiner selbst? Mehr als ein „Shot“, der mich kurz mal aus dem terminvollen und doch sinnleeren Alltag schießt? Geht es ihr nicht um Befreiung und die Veränderung der Welt?
Yoga und herabschauender Hund
Nun freu dich doch über das neue Interesse an Religio, dummer Hund!, höre ich schon den Chor der Empörten. Ich freue mich eh – und hoffe nur, unsere Seelbesorgten sehen darin nicht bloß Selbstbestätigung, sondern vor allem einen Auftrag, das zart keimende Pflänzchen durch nachgehende und umsichtige Seelsorge zu hegen und zu pflegen; und den „Neuen“ zu zeigen, dass das Schatzkästchen der Religion weit mehr bereithält, als Seelenyoga. Denn merke: Ein herabschauender Hund sieht nicht den offenen Himmel, sondern nur die eigenen Pfoten. Das räume ich im Übrigen auch selbstkritisch ein. Und lasse mich gern vom Gegenteil überraschen.