Franziskus ganz nah

Franziskusjahr
Ausgabe Nr. 3
  • Spiritualität
Autor:
Franziskus folgen und Orientierung finden im Leben: Die Franziskanerinnen helfen dabei.
Orientierung finden im Leben: Die Franziskanerinnen helfen dabei. ©Franziskanerinnen Vöcklabruck
Die kleine Kapelle Portiuncula in der Basilika von Santa Maria degli Angeli.
Die kleine Kapelle Portiuncula in der Basilika von Santa Maria degli Angeli. ©istock
Der Schöpfung begegnen, wie Franziskus – mitten im Klostergarten.
Der Schöpfung begegnen, wie Franziskus – mitten im Klostergarten. ©Franziskanerinnen Vöcklabruck

800 Jahre nach seinem Tod prägt der heilige Franz von Assisi - auch genannt Franziskus - noch immer, wie Menschen glauben und leben.

Silenzio!“ Die Stimme des Aufsehers ist leise, aber bestimmt. Das Gemurmel der Hunderten Besucher, das gerade noch die Basilika San Francesco in Assisi erfüllt hat, verstummt augenblicklich. Eine tiefe Stille macht sich breit. Und plötzlich erscheint es, als würde das Sehen, was sich in der Basilika versteckt, erst jetzt beginnen: Die Wände der Kirche sind komplett mit farbenfrohen Fresken bedeckt. Da sind Giottos weltberühmte Darstellungen des Lebens des heiligen Franziskus, Cimabues Darstellung der Kreuzigung, zudem zahlreiche Szenen aus dem Alten und Neuen Testament. Dass man sich mit Hunderten anderen Pilgerinnen und Pilgern durch das Gotteshaus schiebt, nimmt man kaum wahr bei all der Pracht und den vielen Details, die es zu entdecken gibt.

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Überreste des Heiligen Franziskus

Weiter geht es in die Unterkirche. Hier unten ist das Grab des heiligen Franziskus und die Atmosphäre ist noch ein wenig dichter, friedlicher. „Silenzio“ muss hier niemand mehr sagen. Andächtig und ohne auch nur ein Wort zu sagen, gehen Pilgerinnen und Pilger um das Grab herum. Viele beten dabei, manche setzen sich auch für einige Momente in die Bänke. Hier waren Anfang dieses Jubiläumsjahres 2026 vier Wochen lang die sterblichen Überreste des Heiligen Franziskus in einem durchsichtigen Sarg zu sehen gewesen. Mehr als 370.000 Menschen hatten die seltene Gelegenheit beim Schopf ergriffen.

©Franziskanerinnen Vöcklabruck

Schwester Angelika Garstenauer


„Die Sendung unserer Gemeinschaft war, der Not der Zeit zu folgen und sie nach Kräften zu lindern.“

Reicher Kaufmannssohn

Über all die Jahrhunderte hat der heilige Franz von Assisi ganz offensichtlich nichts von seiner Faszination verloren. „Il Poverello“, der kleine Arme, wird er in Italien genannt. Dabei begann sein Leben alles andere als arm: Geboren wurde er als Sohn reicher Kaufleute. Sein Vater, Pietro di Bernardone, ein Tuchhändler, war ausgerechnet bei der Geburt auf Reisen. Seine Mutter entschied deshalb im Alleingang, dem Kind den Namen Giovanni zu geben. Der Vater soll bei seiner Rückkunft mit diesem Namen so gar nicht einverstanden gewesen sein und gab ihm deshalb kurzerhand den Spitznamen Francesco – was so viel bedeutet wie „der kleine Franzose“ – als Zeichen seiner Verbundenheit zu Frankreich und aufgrund seiner Liebe für die dort herrschende Lebenskultur, die er aufgrund seiner Geschäftsbeziehungen hatte.

Franziskus wollte Christus nachfolgen

Der kleine Francesco führte ein privilegiertes Leben. Besuchte die besten Schulen und sollte eigentlich das Geschäft seines Vaters übernehmen. Doch ein Kriegseinsatz, bei dem Francesco in Gefangenschaft geriet, stürzte ihn in eine tiefe Lebenskrise. In der Hoffnung, so wieder Sinn in seinem Dasein zu entdecken, entschied er sich, ein Leben in Armut zu beginnen. Sein Vater brachte für diese neuen Ideen gar kein Verständnis auf. Zum endgültigen Bruch kam es dann, als Franziskus beschloss, Familienvermögen für den Wiederaufbau der verfallenen Kirche San Damiano zu verwenden. Bei einem öffentlichen Verfahren, das Pietro di Bernardone daraufhin gegen seinen Sohn führte, zog Francesco mitten in Assisi seine Kleider aus und verkündete von nun an – ganz nach der Botschaft des Evangeliums – nur mehr Jesus Christus nachzufolgen. Viele Menschen schlossen sich ihm in den folgenden Jahren an. 1209 bestätigte Papst Innozenz III. die Ordensregel der Minderen Brüder (Ordo Fratrum Minorum), wie Franziskus seinen Orden nannte. 1223 wurden die Regeln endgültig von Papst Honorius III. bestätigt.

©Franziskanerinnen Vöcklabruck

Schwester Johanna Pobitzer


„Wir leisten nicht einfach nur Sozialarbeit – wir tun das aus der Überzeugung heraus, mit Christus an der Seite der Menschen zu sein.“

Mitgefühl und Liebe zur Schöpfung

Heute gerät die Person des heiligen Franz von Assisi selten, aber doch auch immer wieder in die Kritik. Francesco, so heißt es dann, sei nicht nur der friedliche und freundliche Mensch gewesen, der sich um Menschen, Tiere und die Natur gesorgt und gekümmert habe. Vielmehr habe er seine Ideen der vollkommenen Armut auch teilweise in einer radikalen und geradezu rücksichtslosen Weise umgesetzt.

Beständiger als diese Kritik aber ist das Bild jenes Franz von Assisi, dessen Leben geprägt war von einem tiefen Mitgefühl, einem radikalen Engagement für Arme und Notleidende und einer umfassenden Liebe zur Schöpfung. Und wer sich der Spiritualität des heiligen Franziskus verschreibt, der nimmt damit auch genau das besonders in den Blick. Prominentestes Beispiel: Papst Franziskus. Der Name, für den sich Jorge Mario Bergoglio als Papst entschieden hatte, war eine Ansage, fast schon ein erster Blick auf das Profil des Pontifikats des neuen Heiligen Vaters. Sofort hatte man das Bild einer Kirche vor Augen, die sich den Menschen neu zuwendet, besonders den Armen, und die für eine Haltung der Einfachheit, des Mitgefühls und der Verantwortung für die Schöpfung steht. Und damit war einmal mehr klar: Selbst Hunderte Jahre nach seinem Tod ist der Mann aus Assisi weit mehr als eine historische Gestalt.

Der Not der Zeit folgen

Schauplatzwechsel: Vöcklabruck in Österreich. Im Kloster der Franziskanerinnen treffe ich drei Frauen, die heute ganz im Geist des heiligen Franz von Assisi leben: Generaloberin Schwester Angelika Garstenauer, Generalsekretärin, Generalökonomin und Ausbildungsbegleiterin Schwester Johanna Pobitzer und Schwester Ida Vorel, Social-Media-Managerin des Ordens und Leiterin des Quartier 16. Ich möchte verstehen, wie das, was vor Hunderten von Jahren in Assisi begonnen hat, im Hier und Jetzt Gestalt annimmt und weitergetragen wird.

©Franziskanerinnen Vöcklabruck

Schwester Ida Vorel


„Wenn mich jemand bittet, für ihn zu beten, werden die sozialen Medien schnell sehr persönlich und lebendig.“

„Unser Orden wurde 1850 vom Priester Sebastian Schwarz mit Schwester Franziska Wimmer als erster Oberin gegründet“, erzählt mir Generaloberin Schwester Angelika Garstenauer. „Die Sendung unserer Gemeinschaft war, der Not der Zeit zu folgen und sie nach Kräften zu lindern.“ 1850 bedeutete dieses Der-Not-der-Zeit- Folgen konkret, sich um die Bildung, besonders auch um die Herzensbildung von Kindern zu kümmern. Mit der Zeit kam dann das Engagement für alte und kranke Menschen dazu.

„Die Sendung unserer Gemeinschaft war, der Not der Zeit zu folgen und sie nach Kräften zu lindern.“

Generaloberin Schwester Angelika Garstenauer

Franziskanische Spiritualität

Getragen wurde diese Sendung immer von der franziskanischen Spiritualität. „Sie ist keine einzelne Aufgabe, sondern eine Haltung, die unser  ganzes Leben prägt, unser Handeln bestimmt und unseren Alltag durchdringt“, sagt Schwester Johanna Pobitzer, Generalsekretärin und Generalökonomin. „Aus diesem Geist heraus versuchen wir, den Menschen beizustehen. Das bedeutet für uns: Wir leisten nicht einfach nur Sozialarbeit – wir tun das aus der Überzeugung heraus, mit Christus an der Seite der Menschen zu sein und sie zu begleiten. Wir glauben an einen Gott, der auch in schwierigen Situationen mitgeht.“

„Wir glauben an einen Gott, der auch in schwierigen Situationen mitgeht.“

Schwester Johanna Pobitzer

Dieser Gedanke treibt die Schwestern in all ihrem Engagement an. Und er ist auch das Kriterium, das sie an alle neuen Ideen, die sie haben, anlegen. „Es geht ja nicht darum, was wir wollen, sondern darum: Was brauchen die Menschen?“ sagt Schwester Johanna. „Wir stellen uns immer die Frage: Passt das zu uns und unserem Auftrag? Sind wir damit an der Seite der Menschen? Helfen wir damit, ein besseres Leben zu führen? Und wir wollen damit auch das Mit-Leiden Gottes sichtbar und erfahrbar machen.“

Engagement in vielen Bereichen

Mittlerweile hat der Orden nicht nur in Österreich Niederlassungen, sondern auch in Deutschland, den USA und Kasachstan. 110 Ordensfrauen leben in der Gemeinschaft in Vöcklabruck. Über 800 waren es zu Spitzenzeiten. Der Altersdurchschnitt liegt derzeit deutlich über 75 Jahre. „Dass wir immer weniger werden und immer älter und die Tatsache, dass es auch bei uns mit dem Ordensnachwuchs schwierig ist, hat uns darüber nachdenken lassen, wie eine Ordensgemeinschaft aussehen muss, in der sich jüngere und ältere Schwestern wohlfühlen und die nach außen auch attraktiv und zukunftsorientiert agiert“, sagt Schwester Angelika.

„Es gibt sehr junge Frauen, aber genauso ältere – erst vor kurzem hat sich eine 77-Jährige nach einem Platz bei uns erkundigt.“

Schwester Ida Vorel

Manchmal bedeute das, neue Schwerpunkte zu setzen; manchmal Projekte umzuorganisieren. So sind die Schwestern etwa immer noch Eigentümerinnen zahlreicher Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen, Alten- und Pflegeheime sowie Krankenhäuser und oft sind hier auch noch immer Schwestern tätig. Der laufende Betrieb dieser Einrichtungen allerdings wird von Trägerorganisationen sichergestellt. Und die Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen werden seit September 2019 vom Verein für Franziskanische Bildung geführt, wo die Schwestern im Vorstand vertreten sind.

Viele Aufgaben für die Franziskanerinnen

Neben Schulen, Kinderbetreuungseinrichtungen, Alten- und Pflegeheimen sowie Krankenhäusern sind die Franziskanerinnen in Vöcklabruck auch in anderen sozialen Bereichen tätig. Hier hinein fällt etwa das „Quartier 16“ in dem seit 2021 Frauen mit und ohne Kinder in schwierigen Lebenssituationen vorübergehend ein Zuhause finden. „Das Haus bietet Stabilität, aber keine Rundumbetreuung“, erklärt Schwester Ida Vorel, die das Haus leitet. „Die Frauen müssen sich selbst versorgen können, müssen selbst einkaufen, selbst kochen – aber sie sind in all dem nicht allein. Wir stehen ihnen mit Rat und Tat zur Seite.“ Die Altersstruktur im Quartier 16 sei ganz unterschiedlich. „Es gibt sehr junge Frauen, aber genauso ältere – erst vor kurzem hat sich eine 77-Jährige nach einem Platz bei uns erkundigt.“ Die Auslastung ist hoch – der Bedarf wäre eigentlich noch größer.

Kleine Einheit im großen Mutterhaus

Die Frage danach, wie eine Ordensgemeinschaft aussehen kann, in der sich alte und junge Ordensfrauen wohlfühlen und entfalten können, haben die Franziskanerinnen in Vöcklabruck unter anderem mit dem Konvent Portiuncula beantwortet. Hier leben die jüngeren berufstätigen Schwestern der Gemeinschaft in ihren eigenen Räumlichkeiten und nach einem anderen – einem Berufsalltag angepassten – Tagesablauf.

„Man darf sich auch innerhalb einer Ordensgemeinschaft verändern.“

Schwester Angelika Garstenauer

Seinen Namen hat der Konvent von der kleinen Kapelle Portiuncula, deren Name sich vom lateinischen Wort für „kleiner Flecken Land“ ableitet. Hier nahm die franziskanische Bewegung ihren Ursprung. Die Kapelle ist weit über die Grenzen Assisis hinaus dafür bekannt, dass über ihr im 16. und 17. Jahrhundert die Basilika Santa Maria degli Angeli errichtet wurde. „Unser Konvent Portiuncula ist sozusagen so wie die Kapelle in der Basilika Santa Maria degli Angeli eine kleine Einheit in unserem großen Mutterhaus“, sagt Schwester Angelika. „Die jüngeren Schwestern können ihren Alltag gestalten und die Älteren tun dasselbe. Gleichzeitig bleibt die enge Verbindung bestehen. Allen unseren Schwestern diese Flexibilität zu geben – das hat für mich mit Wertschätzung zu tun. Es sollen sich alle wohlfühlen. Und man muss realistisch sein: Manche Strukturen, die hier im Kloster gewachsen sind und die für die älteren Schwestern hervorragend passen, sind mit einem modernen Berufsalltag nicht zu vereinbaren.“

Ordensgemeinschaft darf sich verändern

Und einem modernen Berufsalltag gehen viele der Schwestern nach. „Wenn sie ins Kloster eintreten, bringen unsere Schwestern bereits eine Berufsausbildung mit“, sagt Schwester Angelika. „Die meisten aber machen im Laufe ihres Ordenslebens eine weitere Ausbildung oder Zusatzausbildung – etwa für geistliche Begleitung oder für Supervision.“ Für die Ordensfrauen, so Schwester Angelika, sei das eine gute Möglichkeit, was ihre Lebensgestaltung betrifft, und dem Orden kommen diese Ausbildungen dann natürlich auch zugute. „Ich finde es absolut wichtig, dass wir hier möglichst breit aufgestellt sind und dass es möglich ist, sich beruflich neu zu orientieren. Man darf sich auch innerhalb einer Ordensgemeinschaft verändern. Man darf sagen, ich möchte mein Engagement in einem anderen Beruf einbringen.“

Auf Instagram und TikTok

Zu jenen, die derzeit eine Zusatzausbildung machen, gehört Schwester Ida Vorel. Sie kam als ausgebildete Gärtnerin ins Kloster und macht derzeit eine journalistische Ausbildung. „Ein Orden heute braucht auch einen zeitgemäßen Auftritt nach außen“, ist sie überzeugt. „Aber dieser Gedanke, das nach außen zu tragen, was man tut, selbst wenn es noch so gut ist, dieser Gedanke ist für eine Ordensgemeinschaft eher fremd. Wir leben eigentlich in Bescheidenheit und Zurückhaltung. Es ist aber wichtig, dass wir uns auch damit anfreunden und auseinandersetzen.“ Eine externe PR-Agentur unterstützt die Gemeinschaft deshalb. Vieles machen die Schwestern aber selbst.

„Ein Orden heute braucht auch einen zeitgemäßen Auftritt nach außen“

Schwester Ida Vorel

Seit gut einem Jahr ist Schwester Ida erfolgreich in den sozialen Medien unterwegs. „Die Entscheidung, sich in Social Media einzubringen, fiel beim letzten Kapitel, der offiziellen Versammlung der entscheidungsberechtigten Mitglieder.“ Rund 5.000 Followerinnen und Follower hat Schwester Ida bereits auf Instagram – schon das ist ein guter Wert, auf TikTok kommt sie gar auf beeindruckende 53.000. „Begonnen hat alles mit der Frage ,Schon mal mit einer Nonne geredet?‘“, erzählt sie. Die Reaktionen auf diese Frage waren überwältigend und so schickte Schwester Ida wenig später gleich die zweite Frage hinterher: „Kennst Du den Unterschied zwischen einer Nonne und einer Ordensfrau?“ Seither hat sie nicht mehr aufgehört, Fragen zu stellen und Antworten zu geben. „Darf man als Ordensfrau schwimmen gehen?“, „Wie hält der Schleier?“ – Schwester Ida ist kaum etwas zu bunt. In den vergangenen Wochen hat sie über ihre Social-Media-Kanäle auch vermehrt Gebetsanliegen entgegengenommen. „Wenn mich jemand bittet, für ihn zu beten, wird die Kommunikation schnell sehr direkt und persönlich, interaktiv und lebendig“, sagt Schwester Ida. „Ich sehe da auch, wie sehr Menschen nach Nähe suchen, nach Antworten.“ Dass sie gerade bei den Gebetsanliegen auch ihre älteren Mitschwestern miteinbeziehen kann, freut sie. „Das ist dann wieder so ein Moment, wo wir gemeinsam unserer Sendung, der Not der Zeit zu folgen, und unserer franziskanischen Haltung gerecht werden.“

Spiritualität des heiligen Franziskus

Die Franziskanerinnen in Vöcklabruck schauen in jedem Fall vertrauensvoll in die Zukunft. „Wir versuchen, nicht zuerst das zu sehen, was nicht mehr geht“, sagt Schwester Johanna. „Sondern das, was möglich ist. Ordensleben – das ist und bleibt ein Abenteuer. Jeden Tag steht da diese Frage: Wo ruft Gott mich hin? Und ja, sicherlich, wir können nichts erzwingen, aber wir können gemeinsam denken und, wo notwendig, einander durchtragen. Wir können bitten und natürlich beten. Und das tun wir mit voller Überzeugung und aus tiefstem Herzen getreu unserer Sendung und in der Spiritualität des heiligen Franz von Assisi.“

©Tyrolia

Buchtipp: Franziskus für Kinder


Wer Franz von Assisi mit Kindern entdecken möchte, dem sei das Buch „Franz von Assisi“ wärmstens ans Herz gelegt. Franziskus-Experte Hubert Gaisbauer stellt sich darin der Aufgabe, das Leben dieses Heiligen mitsamt der entscheidenden Situationen und Wendungen für Kinder aufzubereiten und spannend zu erzählen. Er arbeitet dabei vor allem jene Aspekte heraus, die an unser aktuelles alltägliches Leben anknüpfen: Schöpfungsverantwortung, Achtsamkeit, Nächstenliebe, Bescheidenheit und Dankbarkeit. Und Birgitta Heiskel gelingt es – wie schon bei ihrem Bilderbuch zum heiligen Martin – auch dieses Mal eine Bildsprache abseits von Kitsch und Lieblichkeit, voller Empathie, Emotionalität und Wertschätzung zu finden.


Hubert Gaisbauer, Birgitta Heiskel, "Franz von Assisi Das Leben des bekannten Heiligen", Tyrolia-Verlag, 26 Seiten, ISBN 978-3-7022-3643-4, ab 5 Jahren, EUR 12,95.

©Tyrolia

Buchtipp: Mehr als der Zeffirelli-Film

 

„Bruder Sonne, Schwester Mond“, der emotional-kitschige und zugleich landschaftlich schöne Film des italienischen Starregisseurs Franco Zeffirelli aus dem Jahr 1972, hat mehr als eine Generationgeprägt – und „verdorben“. Denn hier flanieren Franziskus und Klara durch die Olivenhaine und Mohnfelder ihrer Heimat Umbrien. Markus Hofer hingegen erzählt das radikale Leben des Franziskus völlig neu, spannend und einleuchtend. So ist der berühmte „Sonnengesang“ des Franziskus beispielsweise keine Naturschwärmerei, sondern ein Gebet, kein Lob der Natur, sondern ein Lob Gottes durch die Natur.


Markus Hofer, "Franz von Assisi - Ein radikales Leben neu erzählt", Tyrolia-Verlag, 184 Seiten, ISBN 978-3-7022-4326-5, EUR 25,00. 

©Patmos-Verlag

Buchtipp: Zwei Lebensgeschichten im Dialog


Ein ungewöhnliches Buch über Franz und Klara von Assisi legen Martina Kreidler-Kos und Niklaus Kuster vor. Denn zwei Menschen, die lange Jahre mit Franz und Klara gelebt haben, sind kundige Begleiter in diesem Buch: Als Gefährte des Franziskus und als Cousin Klaras kennt Bruder Rufino beide Lebenswege sehr gut. Schwester Pacifica wiederum ist mit Klara seit ihrer Geburt vertraut, sie hat mit ihr die Schwesterngemeinschaft vor den Toren Assisis mitaufgebaut. Das Fazit: historisch sehr verlässlich, spirituell äußerst aufmerksam und erzählerisch herrlich präsentiert. Sehr gelungen sind auch das Personenlexikon im Anhang sowie die Karten und Tafeln.


Martina Kreidler-Kos, Niklaus Kuster: "Bruder Feuer und Schwester Licht - Franz und Klara von Assisi. Zwei Lebensgeschichten im Dialog" Patmos-Verlag, 376 Seiten, ISBN 978-3-8436-1646-1, EUR 23,60.

Autor:
  • Portraitfoto von Andrea Harringer
    Andrea Harringer
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