Erinnerung an 2015

Meinung
Ausgabe Nr. 36
  • Meinung
Autor:
Peter Wesely (65) ist Kommunikationsexperte. Er arbeitete für den ORF, die Caritas und Raiffeisen.
Peter Wesely (65) ist Kommunikationsexperte. Er arbeitete für den ORF, die Caritas und Raiffeisen. ©Privat

Peter Wesely (65) über die Erinnerung an die Flüchtlingskrise im Jahr 2015.

Weil aktuell Stimmung gegen NGOs gemacht wird: Ab dem 25. August 2015 wird  Christian Konrad als Flüchtlingskoordinator im Auftrag der Bundesregierung aktiv, an seiner Seite Ferry Maier. Als Pressesprecher begleite ich die beiden, werde Augenzeuge.

Werbung

Erinnerung an internationale Dimension der Ereignisse

Schon seit Mai 2015 hatten NGOs auf unhaltbare, chaotische Zustände in Traiskirchen, der Erstaufnahmestelle Ost hingewiesen. Politik und Verwaltung leugnen, schauen weg.  NGOs und zivilgesellschaftliche Initiativen versuchen Tag für Tag akute Nothilfe und in Gesprächen Einsicht zu erwirken. Die internationale Dimension wird ab August immer größer. Orte und Bilder, die ich mit 2015/16 verbinde: das (monatelange) Chaos in Traiskirchen, die toten Menschen im Kühllaster bei Parndorf, die verzweifelte Situation am Bahnhof in Budapest, der Aufbruch der Menschen Richtung Österreich, Nickelsdorf, Spielfeld – Transitquartiere in ehemaligen Baumärkten, Containerquartiere auf Parkplätzen der Asfinag …

Erinnerung an das zivilgesellschaftliche Engagement

Politik und Verwaltung sind überfordert – haben keinen Plan. Was beeindruckt, ist das zivilgesellschaftliche Engagement:  Tausende Frauen und Männer, Jung und Alt, Hausfrauen und Studierende, Pensionistinnen und Pensionisten, leitende Angestellte, Top-Managerinnen und Manager, Arbeitslose – im Engagement finden sie sich. Mitarbeitende der „großen NGOs“, Hauptamtliche und Ehrenamtliche, neue Initiativen, Menschen, die als Privatpersonen einfach nicht wegsehen können und wollen, sondern tun. Schlafplätze anbieten, vermitteln, Gewand ausgeben, Essen bereitstellen ... Hinhören, hinsehen, Berührungsängste überwinden, einfach da sein und tun, bereit sein für Neues. An den Grenzen, in Wien am Hauptbahnhof, am Westbahnhof, im ehemaligen KURIER-Haus in der Lindengasse, im Ferry-Dusika-Stadion ...

Geflüchtete: Gekommen um zu bleiben

Rund 1 Million Menschen sind als Geflüchtete nach Österreich gekommen. Rund 80.000 Menschen sind in Österreich geblieben. Das zivilgesellschaftliche Engagement hat damals der Republik Österreich erspart, zum Ort für Chaos und menschliche Tragödien zu werden. Erfahrungen, aus denen Österreich noch heute lernen kann. Unabhängiges Denken und Handeln, Zusammenarbeit, neue Ideen – Zivilgesellschaft kann das. Österreich braucht das.

Der Kommentar drückt die persönliche Meinung des Autors aus!

Schlagwörter
Autor:
  • Peter Wesely
Werbung

Neueste Beiträge

| Meinung
Meinung

Die Fachtagung „Mythos Kopftuch! Religiöse Bedeutungen und gesellschaftliche Konfliktlinien“ von IITS und CEMIST eröffnete einen institutionellen Raum, in dem Akteurinnen und Akteure aus Theologie, Politik, Pädagogik, Medien und der Islamischen Glaubensgemeinschaft zusammenkamen, um ein hoch polarisiertes Thema jenseits enger Deutungsräume zu verhandeln.

| Chronik
Sehenswert

Was war los in Wien und Niederösterreich?

| Spiritualität
Glaubenszeugnis

Kein Religionsunterricht an der Mittelschule: Matthias J. Pernerstorfer, 50, aus Essling entschied, neben seiner Tätigkeit als Wissenschaftler Religionslehrer zu werden.