Ein Leben als Ordensfrau und Lehrerin

Zwei Berufungen
Ausgabe Nr. 5
  • Meinung
Autor:
Doris Eder ist Ordensfrau und Lehrerin. Beides lässt sich wunderbar miteinander verbinden. ©Kongregation der Helferinnen

Schwester Doris Eder ist seit fast zwanzig Jahren Ordensfrau in der Gemeinschaft der Helferinnen. Mit drei Mitschwestern lebt sie im 18. Bezirk und arbeitet als Volksschullehrerin im 5. Bezirk.

"Alles außer Religion“, sagt Schwester Doris Eder lachend, wenn man sie fragt, was sie an der Volksschule unterrichtet. Lehrerin war die 49-Jährige schon, bevor Sie in den Orden eingetreten ist.  . 

Ihre Gemeinschaft mit drei Mitschwestern und ihr Arbeitsplatz in Margareten, eine Schule mit vielen Schülern mit Migrationshintergrund: Sind das zwei völlige verschiedene Welten, zwischen denen Sie täglich pendeln?

Ich erlebe da keinen so großen Unterschied, weil mir beide Welten vertraut sind. Ich bin Ordensfrau und Lehrerin. Diese zwei Welten verbinden sich auf verschiedene Weise: Ich denke, es macht ja etwas mit mir, wenn ich ein geistliches Leben führe. Das strahlt auf die Kinder aus, ganz unbewusst. Mir ist wichtig, den Schülern Werte zu vermitteln, ohne explizit über Religion zu sprechen. Wenn ich nach Hause komme, setze ich mich hin, lasse den Vormittag Revue passieren und nehme die Kinder und das, was passiert ist, ins Gebet mit hinein.

Wissen Ihre Schülerinnen und Schüler, die Lehrerinnen und Kollegen, dass Sie Ordensfrau sind?

Die Schüler wissen es nicht, die meisten Kollegen schon. Ich erzähle es neuen Kollegen nicht sofort, aber irgendwann kommt man im Gespräch auch auf Persönliches. Viele sind im ersten Moment sehr erstaunt und können es kaum glauben. Sie fangen zum Nachdenken an.
Ich merke auch, dass manche im Gespräch besonders offen sind und mit Themen zu mir kommen, die sie vielleicht mit anderen nicht ansprechen würden. In der Schule, aber auch sonst, bin ich oft mit Menschen konfrontiert, die der Kirche sehr kritisch gegenüberstehen. Für sie will ich ein Zeugnis sein, vielleicht kein großes, aber ein stilles Zeugnis. Und manchmal merke ich bei ihnen eine Art Aufatmen, wenn diese Leute mich kennenlernen und erleben: So kann Kirche auch sein.

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Sie und Ihre Mitschwestern heißen ‚Helferinnen‘. Was bedeutet Ihnen dieser Name?

Mit vollem Namen heißen wir eigentlich ‚Helferinnen der Seelen im Fegefeuer‘. Das müssen wir dann oft vorsichtig erklären, weil Menschen mit dem Fegefeuer verschiedene Bilder verbinden.
‚Durch-gehend hoffen‘, so haben wir unser Charisma einmal umschrieben. Wir gehen mit Menschen durch ihre Finsternis und wollen ihnen Hoffnung geben. Anders gesagt: Wir begleiten Menschen in Krisen- und Übergangssituationen. Für mich sind es die Kinder in der Schule, die es aus unterschiedlichen Gründen wirklich schwer haben und mit denen ich mitgehe.

Wollten Sie immer schon in einen Orden eintreten?

Nein, mein Plan war eigentlich, eine Familie zu gründen. Den Helferinnen bin ich als junge Frau zweimal begegnet. Und beim zweiten Mal war plötzlich die Frage da: Wäre das nicht was für mich?

„Wir gehen mit Menschen durch ihre Finsternis und wollen ihnen Hoffnung geben. Anders gesagt: Wir begleiten Menschen in Krisen- und Übergangssituationen.“
Sr. Doris Eder

Ich wollte das zuerst nicht wahrhaben und habe mich dann Schritt für Schritt darauf eingelassen. Und jedes Mal gedacht, dass ich eh bald sehen werde, dass das nichts für mich ist. Ja, und 2005 bin ich dann eingetreten. Von Anfang an hat mich an den Helferinnen angesprochen, dass sie normal in einer Wohnung zusammen wohnen und das Leben teilen, trotz aller Verschiedenheiten.

Autor:
  • Sandra Lobnig
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