Durch die Rosa-Brille

Hirtenhund
Ausgabe Nr. 13
  • Hirtenhund
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©Der SONNTAG

Der Hirtenhund bellt diese Woche über die Bedeutung von resonanten Lebensverhältnissen und allgegenwärtige Gereiztheit in unserer Gesellschaft.

Der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen hat 2018 mit seinem Buch „Die große Gereiztheit. Wege aus der kollektiven Erregung“ einen Bestseller geschrieben. Ein Buch, das „ein Muss ist für all jene, die im Heute sich reflektierend mit der Wirklichkeit von Medien beschäftigen“, wie der Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl urteilte.

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Die allgegenwärtige Gereiztheit in unserer Gesellschaft

Da er sich also mit Medien beschäftigt, wurde er folgerichtig bei der letzten Bischofskonferenz zum neuen „Medienbischof“ bestellt. Das ist ein positives Signal, denn den Grazer Bischof bringt so rasch nichts auf die Palme oder die Mehlbeere (den österreichischen Baum des Jahres 2025). Diese Gereiztheit macht der Soziologe Hartmut Rosa allüberall aus: In unserer Aggression gegen die Natur, in die wir immer tiefer eingreifen; in der Aggression gegen den Mitmenschen, dem wir am liebsten medial die Krätze an den Hals wünschen – und schließlich in einer Aggression gegen uns selbst, die wir uns durch endlose To-do-Listen, ständiges Selbstoptimieren und Unzufriedenheit(en) zufügen.

Gereiztheit und der Weg zu resonanten Lebensverhältnissen

Dagegen empfiehlt Rosa ein Hinhören auf die feinen Zwischentöne im Alltag: „resonante Lebensverhältnisse“. Gemeint sind Lebensverhältnisse, in denen man merkt, dass das Leben eigentlich etwas anderes von uns will als Aggression und Gereiztheit. Und da sieht er auch Religion verortet: als eine Anleitung zur Resonanz. Hörend auf das Wort Gottes, hörend auf den Mitmenschen, hörend auf die Schöpfung. Liest sich zu schön, um wahr zu sein. Schließlich ist Gereiztheit in den eigenen Reihen nichts Unbekanntes. Ich kann da ein Liedchen von bellen. 

Die Bedeutung der Anonymität in Zeiten der Gereiztheit

So melden sich selbst im vierten Jahr meines „Bellofikats“ hier im „SONNTAG“ noch immer Stimmen, die meine Anonymität irritiert, ja verärgert; und die mich anbellen, doch bitte „mit offenem Visier“ zu kämpfen. Abgesehen davon, dass ich als Hirtenhund hüte und nicht kämpfe, möchte ich zurückfragen: Was wäre denn anders, wenn ich unter „Klarnamen“ schriebe? Würdet ihr mir dann vor dem Körbchen auflauern, meine Wortmeldungen notieren und an die oberste diözesane Heeresleitung melden? Was wäre gewonnen? Haben wir nicht gelernt, dass der Text zählt und wir Autorinnen und Autoren hinter dem Text zurücktreten? Daher: Solange Gereiztheit statt Resonanz die Resonanz auf mich bestimmt, ist die Anonymität das Mittel der Wahl.
Oder um es erneut (ich werde noch zum Ratzi-Fan …) mit Benedikt XVI. zu sagen, der im Vorwort zu seinem ersten Jesus-Buch schrieb: „Ich bitte die Leserinnen und Leser nur um jenen Vorschuss an Sympathie, ohne den es kein Verstehen gibt.“

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