Der Papst als Kardinal

Anekdoten
Ausgabe Nr. 34
  • Heiter bis heilig
Autor:
Auf in den Himmel: Pius VI. in Kardinals­gewändern im Stephansdom. ©Verein „Unser Stephansdom“

Im Stephansdom sieht man ganz vorne, rechts vom Volksaltar, einen Kredenzaltar. Darüber ist ein Porträt von Karl Borromäus. Oder vielmehr – dort ist ein Kardinal porträtiert, der als Karl Borromäus bezeichnet wird, dessen Gesichtszüge aber eindeutig nicht seine sind. Dahinter steckt eine interessante Geschichte.

1782 war der reformlustige Joseph II. Regent.  Er entzog Orden, die keine seelsorglichen Zwecke verfolgten, die Aufenthaltserlaubnis, löste Klöster auf ... Die Lage war derart ernst, dass Papst Pius VI. im März 1782 persönlich anreiste, um mit dem Kaiser zu verhandeln. 

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Der Papst residierte in der Wohnung der verstorbenen Maria Theresia in der Hofburg, absolvierte ein umfangreiches Besucherprogramm und stand einigen Messen vor. Höhepunkt für das Volk war, dass er am Ostersonntag den Segen „Urbi et orbi“ vom Balkon der Kirche Am Hof spendete – ein bis heute einzigartiges Ereignis! Am 22. April trat Pius VI. die Rückreise an. Erfolglos. Der Monarch gab bei seinen Reformplänen keinen Millimeter nach.  

Karl Borromäus: Gesichtszüge wie Papst Pius VI.

Für die Katholiken in Wien war der Besuch dennoch ein großartiges Ereignis gewesen. Und das wollten Kardinal Christoph Migazzi und das Domkapitel im Dom sichtbar machen. Joseph II. – quasi der Gegenspieler – war dagegen. Und so griff man zu einer List. Der Maler Wolfgang Köpp wurde damit beauftragt, ein Porträt von Karl Borromäus anzufertigen, das seine Aufnahme in den Himmel zeigt. Wer die Gesichtszüge des Heiligen kennt, merkt aber gleich – das kann er nicht sein, denn Karl hatte eine sehr markante Nase und ein kantiges Gesicht, ganz anders als der Mann auf dem Bild. Der trägt nämlich die Gesichtszüge von Papst Pius VI., der in Kardinalsgewändern in den Himmel aufgenommen wird. Pius VI. selbst starb am 29. August 1799. 

©Wiener Domverlag

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  • Bernadette Spitzer
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