Bekenntnis zum Christentum als kulturelles Erbe
Wertestudie
Werte sind die Grundsätze unseres Zusammenlebens, die Österreich zu dem machen, was es ist: zu einem starken Land, in dem man gerne lebt.“ Das betont Integrationsministerin Claudia Plakolm anlässlich der Studie über gemeinsame Grundwerte der Bevölkerung Österreichs. In einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Experten für die wissenschaftliche Auswertung digitaler Daten Johannes Klotz (OGM-Institut) wurden im Bundeskanzleramt die Ergebnisse der jüngsten OGM-Wertestudie präsentiert. Diese bietet ein aktuelles Bild über das Zusammenleben in Österreich und darüber, welche Werte der Bevölkerung besonders wichtig sind. Eine Erkenntnis: Es bestehe ein hohes Vertrauen in die staatliche Verwaltung, wobei allerdings Autoritätsverluste von Parteien und Kirchen festgestellt wurden, so Klotz.
Christentum in Schulen: 7 von 10 für Kreuze im Klassenzimmer
Integrationsministerin Plakolm wies auf die Studienergebnisse hin, die zeigen, dass auch ein klares Bekenntnis zum Christentum als kulturelles Erbe in Österreich vorherrscht. So würden 7 von 10 Befragten das Kreuz im Klassenzimmer als kulturelles Erbe sehen und sich dafür aussprechen, dass es in den Schulklassen hängt. „Ich denke, dass es auch ein Symbol des Zusammenhalts ist und auch für unsere Identität steht“, unterstrich die Ministerin. Denn: „Fast 8 von 10 Befragten sagen, dass christliche Feste wie Ostern, das Martinsfest oder auch der Nikolaus zu unserem Miteinander dazugehören. Das steht für den kulturellen Zusammenhang, das kulturelle Erbe und für die kulturelle Tradition, die auch in Zukunft ihren Platz bei uns in Österreich braucht.“
Gesetze vor religiösen Vorschriften: Christentum als kulturelles Erbe
Interessant: Kreuze in Klassenzimmern oder das Feiern christlicher Feste in Schulen und Kindergärten erachteten auch jene Menschen als wichtig, die von sich sagen, ohne religiöses Bekenntnis zu sein, erklärte Johannes Klotz: „Zum Christentum als kulturelles Erbe, zu christlichen Festen gibt es ein klares Bekenntnis, und zwar auch bei denen, die selber keine Christen sind.“ Die Ministerin betonte, dass die Bevölkerung erwarte, dass Gesetze über religiösen Vorschriften stehen. Klar abgelehnt wurde etwa die Möglichkeit, Schulkinder aus religiösen Gründen vom Schwimmunterricht abzumelden.
Ein großer Wermutstropfen der Studie: Nur 11 Prozent sehen ihre grundlegenden Überzeugungen ausdrücklich von „Religions- und Glaubensgemeinschaften“ geprägt.
Das „halbleere“ oder das „halbvolle“ Glas
„Für die Kirchen, insbesondere für die katholische Kirche, die Österreich über Jahrhunderte in jeder Hinsicht geprägt hat, ist die neue Wertestudie alles andere als ein Grund zur Zufriedenheit. Und dies nicht etwa, weil sich die Kirchen selbst einem Vertrauensverlust ausgesetzt sehen, sondern weil Kirchenbesuch und Glaubenspraxis weiter im freien Fall sind“, schreibt Stephan Baier, Österreich-Korrespondent der deutschen „Tagespost“. „Ein von Glaubenswissen und Glaubenspraxis entleertes Brauchtum ist wie eine geleerte Flasche besten Rotweins: Man riecht noch eine Weile, welch köstlicher Tropfen wohl darin gewesen sein muss. Aber das war’s. Für diesen Geruch der leeren Flasche wird man niemanden begeistern können.“
„Mit diesem Befund der Realität, wie sie mir tagtäglich gegenübertritt, kann ich nicht glücklich sein, verstehe ihn aber als große Chance und Auftrag: Christliche Symbole und Feste sind für über zwei Drittel der Österreicherinnen und Österreicher – ob mit oder ohne Migrationshintergrund – ein hoher Wert“, schrieb Wiens Dompfarrer Toni Faber in seiner Kolumne im „Kurier“ am 24. August. „Das ist eine gute Grundlage, um beim einen oder der anderen eine tiefe Glaubensentscheidung wachsen lassen zu können. Vielen Hunderten, die – oft aus verständlichen Gründen – aus der Kirche ausgetreten waren, hilft für den neuen Schritt hin zur Glaubensgemeinschaft eine besondere biographische Gelegenheit. Die Glaubensgeschichten der Wiedereingetretenen machen mir Mut.“