Menschen nicht alleine lassen

Assistierter Suizid & Seelsorge
Ausgabe Nr. 27
  • Politik
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Im Gespräch waren die Gäste bei der neuen Dialogreihe – ein guter Start zum herausfordernden Thema „Assistierter Suizid“.
Im Gespräch waren die Gäste bei der neuen Dialogreihe – ein guter Start zum herausfordernden Thema „Assistierter Suizid“. ©Stephan Schönlaub/Erzdiözese Wien

Vergangene Woche startete in Mamas Café eine neue Dialogreihe der Erzdiözese Wien. Die erste Podiumsdiskussion thematisierte ein kontroversielles Thema: „Assistierter Suizid & Seelsorge – ethische Herausforderungen und pastorale Antworten“.

Die Erzdiözese Wien hat eine neue Dialogreihe zu seelsorglich-ethischen Fragen gestartet. Bei der ersten Podiumsdiskussion unter dem Titel „Assistierter Suizid & Seelsorge – ethische Herausforderungen und pastorale Antworten“ diskutierten vergangenen Donnerstag, den 25. Juni, Fachleute aus Medizin, Recht und Seelsorge über den Umgang mit Menschen in existenziellen Krisensituationen. Fragen rund um den assistierten Suizid seien nicht allein juristisch oder medizinisch zu beantworten, sondern berührten grundlegende ethische und gesellschaftliche Fragen, so der Tenor im Gesprächskreis, darunter der Grazer Palliativmediziner Gerold Muhri, der Jurist Michael Halmich, der Leiter der Krankenhaus- und Pflegeheimseelsorge der Erzdiözese Wien, Traian Tamas, sowie die Leiterin der Seniorenpastoral, Beatrix Auer. 

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Assistierter Suizid: Dialog als Brücke zwischen Ethik und Praxis

Im Fokus stand das Spannungsfeld zwischen gesetzlichen Rahmenbedingungen, kirchlicher Lehre und der praktischen Begleitung von Menschen in existenziellen Situationen. Die Diskussion bewegte sich zwischen den gesetzlichen Vorgaben, die aktuell durch eine Gesetzesnovellierung erneut adaptiert werden, der kirchlichen Lehre und den konkreten Erfahrungen aus der Praxis. Menschen auf der Basis eines multiprofessionellen Zugangs und eines gut gebildeten Gewissens zu begleiten, stand im Zentrum der unterschiedlichen Blickwinkel. 

Würdevolles Sterben auch ohne assistierten Suizid

Die Moderatorin und Geschäftsführerin der St. Elisabeth-Stifung, Nicole Meissner, unterstrich im Verlauf der Diskussion immer wieder die zentrale Aufgabe der Seelsorge: Dialog zu ermöglichen, zuzuhören, auszuhalten und Menschen in schwierigen Lebenssituationen nicht allein zu lassen, sondern als Teil der Mitte unserer Gesellschaft wahrgenommen und zu begleiten. Gerold Muhri brachte zum Thema des Abends die praktische Perspektive der Palliativmedizin ein und diskutierte, wie ein würdevolles Sterben auch ohne assistierten Suizid möglich ist. Sein Fokus lag auf der Begleitung von Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörigen in der letzten Lebensphase. Zentral war für ihn die Verantwortung von Kirche und Gesellschaft, das Engagement für Menschen am Lebensende lebendig zu halten und jene Strukturen zu stärken, die Nähe, Würde und Beistand ermöglichen.

Ethikberater Halmich thematisierte die rechtlichen Rahmenbedingungen rund um Sterbeverfügungen und das Spannungsfeld zwischen individueller Selbstbestimmung und dem Schutz besonders verletzlicher Personen. Er machte deutlich, dass gesetzliche Regelungen Orientierung und Schutz bieten, zugleich aber persönliche Entscheidungsräume wahren müssen. Der Staat habe nicht die Aufgabe, einen einzigen Weg am Lebensende vorzugeben. Vielmehr gehe es darum, unterschiedliche Interessen sorgfältig auszubalancieren, so der Jurist. 

Assistierter Suizid: Perspektive aus der Pflege

Traian Tamas, erfahrener Krankenhausseelsorger, ergänzte die Diskussion um die seelsorgerische Perspektive in der Pflege. Er betonte, dass die Relevanz und Professionalität der Seelsorge in der Gesellschaft sichtbar und anerkannt bleiben müssen. Seelsorge sei dort besonders gefordert, wo Menschen mit Krankheit, Sterben, Trauer und existenziellen Fragen konfrontiert sind. Beatrix Auer verwies insbesondere auf die Herausforderungen von Einsamkeit im Alter und die Notwendigkeit ausreichender personeller und finanzieller Ressourcen für pastorale Angebote. Einsparungen in diesem sensiblen Bereich würden jene Menschen treffen, die besonders auf Nähe und Begleitung angewiesen sind, so die Leiterin der Seniorenpastoral. 
 

Die Antwort liegt im Zuhören, im Aushalten und im gemeinsamen Suchen nach Lösungen, die Würde und Selbstbestimmung wahren.

Nicole Meissner

Fazit von Nicole Meissner: „Als Moderatorin war es mir ein Anliegen, den fachlichen Austausch zwischen Medizin, Recht, Ethik und pastoraler Praxis zu ermöglichen. Im Zentrum stand dabei immer der Mensch: Wie können wir Menschen in existenziellen Krisen begleiten, ohne sie an den Rand zu drängen? Die Antwort liegt im Zuhören, im Aushalten und im gemeinsamen Suchen nach Lösungen, die Würde und Selbstbestimmung wahren.“ 

Assistierter Suizid: Ethische Fragen vertragen einen Austausch

Die Veranstaltung war ein erster Impuls in der Dialogreihe, die sich zum Ziel gesetzt hat, Theorie und Praxis zusammenzubringen und Räume für Austausch zu schaffen – zum Wohl der Menschen. Gut, dass es in der Kirche ein neues Diskussionsformat gibt. Genügend soziale und ethische Fragen vertragen einen Austausch. Wir sind auf die kommenden Themen der Reihe gespannt. 

Autor:
  • Sophie Lauringer
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