An die 35 Millionen vertieften ihren Glauben in Rom
Heiliges Jahr beendet
Bis zur Schließung der Heiligen Pforte am Petersdom dürften an die 35 Millionen Pilgerinnen und Pilger anlässlich des Heiligen Jahres in die Ewige Stadt gekommen sein. Zum Vergleich: Im Heiligen Jahr 2000 kamen 25 Millionen Menschen, beim Heiligen Jahr der Barmherzigkeit 2016 waren es 20 Millionen. Gigantisch war die Zahl beim Heilig-Jahr-Treffen der Jugend: Im August versammelten sich südöstlich von Rom an die 1,2 Millionen junge Menschen, um mit dem Papst den Glauben zu feiern. Jede Woche gab es in diesem Heiligen Jahr thematische Sondertreffen, für die Armen, die Gefangenen, für Regierungen, Priester, Diakone, Beschäftigte im Gesundheitswesen, in Justiz oder Medien, für Chöre, Sportler, Influencer, für Familien, Jugendliche und Senioren.
Petersdom: neuer „Raum des Zuhörens“
Im Heiligen Jahr sind viele nach Rom gekommen, um die Heiligen Pforten zu durchschreiten, am Grab des Apostels Petrus zu beten und ihre Bindung an Christus zu erneuern. „Dies erinnert uns daran, dass unser ganzes Leben eine Reise ist, deren letztes Ziel Raum und Zeit übersteigt, um sich in der Begegnung mit Gott in der vollkommenen und ewigen Gemeinschaft mit ihm zu vollenden“, betonte Papst Leo XIV. Der Vatikan reagierte auch auf die veränderten Erwartungen der Menschen an die Kirche: Im September wurde im Petersdom ein „Raum des Zuhörens“ geschaffen. In einer schlichten Kabine im linken Seitenschiff kann man Priestern, Ordensleuten oder Laien sein Herz ausschütten über Probleme und existentielle Fragen.
Heilige Jahre mit zwei Päpsten
Das Jubiläum 2025 war das zweite Heilige Jahr der Kirchengeschichte, das von zwei Päpsten geprägt wurde. Im Heiligen Jahr 1700 starb Innozenz XII., ihm folgte Papst Clemens XI. Der Tod von Franziskus im April 2025 und die Wahl von Papst Leo XIV. im Mai haben dem Heiligen Jahr dann eine besondere Dynamik verliehen. Während die ersten Monate von der krankheitsbedingten Abwesenheit des Papstes geprägt waren, hat sich nach dem Konklave eine Aufbruchsstimmung eingestellt.
2033: Das „Jahr der Erlösung“
Bereits die Ankündigungsbulle von Papst Franziskus stellte das Heilige Jahr 2025 in einen größeren zeitlichen Bogen – von 2000 über das Heilige Jahr der Barmherzigkeit 2016 bis hin zum Jahr 2033. Papst Leo XIV. hat für 2033 ein „Heiliges Jahr der Erlösung“ angekündigt, in Erinnerung an den Tod und an die Auferstehung von Jesus Christus vor 2.000 Jahren. Die Planungen dafür können beginnen – in den Diözesen, in den Pfarren und auch persönlich.
„Anders nach Hause zurückgekehrt“
Das Heilige Jahr 2025 hat nach Einschätzung des Heilig-Jahr-Beauftragten der Österreichischen Bischofskonferenz, Michael Max, in Rom vor allem als geistliches Ereignis der Hoffnung nachhaltige Wirkung entfaltet. „Erwartet wurden Zahlen, gekommen sind Menschen“, resümierte der Rektor der deutschsprachigen Kirche Santa Maria dell’Anima zum Abschluss des Jubiläumsjahres im Interview mit „Vatican News“. Die Begegnungen mit Pilgerinnen und Pilgern aus aller Welt, ihre Fragen, ihre Gottesdienste und ihre persönliche Glaubenssuche hätten das Heilige Jahr geprägt, sagte Max. Auch in der Beichtpraxis habe sich das Heilige Jahr bemerkbar gemacht. In der Anima sei es dank eines kontinuierlichen Beichtdienstes zu zahlreichen Gesprächen gekommen, darunter mit Menschen, die seit Jahrzehnten nicht mehr gebeichtet hätten. Der Zusammenhang zwischen Beichte, Versöhnung und dem Gang durch die Heiligen Pforten sei vielfach bewusst gewesen. Ob und wie tief diese Erfahrungen nachwirkten, lasse sich nicht messen, räumte Max ein. Dennoch sei er überzeugt, dass viele Pilgerinnen und Pilger „ein bisschen anders nach Hause zurückgekehrt sind, als sie gekommen sind“.
Mit Blick auf die kirchliche Bedeutung des Jubiläums stellte Max fest, dass das Heilige Jahr 2025 stärker nach innen gerichtet gewesen sei als frühere Jubiläen. Während das Heilige Jahr 2000 unter Johannes Paul II. auch deutliche politische Akzente gesetzt habe, sei der diesmalige Schwerpunkt stärker spirituell gewesen. Grundsätzlich hätten Heilige Jahre auch im dritten Jahrtausend ihre Berechtigung. Sie machten sichtbar, dass Kirche eine weltumspannende Gemeinschaft mit einer ebenso weltumspannenden, hoffnungsvollen Botschaft sei.