Wohlfühloase Pfarrcafé

Von Kokoskuppeln und Kardinalschnitten
Ausgabe Nr. 50
  • Wien und Niederösterreich
Autor:
Zusammen die Zeit mit Kaffee und Kuchen genießen.
Viele gute „Geister“: Rosa Schwammenschneider, Pfarrer Franz Majca CanReg und Julia Pertlik. ©Stefan Kronthaler
Frauen aus der Pfarre Dirnelwiese mit ihren Mehlspeisen
Monika Pauzar und Josefine Müllner mit Kardinalschnitten; Erna Hirsch mit den Himbeerschnitten. ©Stefan Kronthaler
Pfarrcafe in Langenzersdorf-Dirnelwiese
Sandra Kernstock mit Schinkenfleckerln und ihren Töchtern Magdalena und Valentina. ©Stefan Kronthaler

Es ist ein für eine Pfarre wichtiger und unersetzlicher Ort des Gesprächs, des Austauschs und der Stärkung: das Pfarrcafé. In Langenzersdorf-Dirnelwiese wechselt immer wieder die Gruppe, die jeweils für die Gestaltung und Organisation zuständig ist. Der SONNTAG war dabei, als die Ministrantinnen und Ministranten mit Hilfe ihrer Eltern an einem Sonntagvormittag im Einsatz waren. Manche davon bereits um 7:30 Uhr morgens.

Erster Adventsonntag. Noch ist es um 7:30 Uhr in der Pfarrexpositur Langenzersdorf-Dirnelwiese still im Pfarrheim, bis Sandra Kernstock mit ihren beiden Töchtern Magdalena und Valentina auftaucht. Sie hat für das von den Ministrantinnen und Ministranten an diesem ersten Adventsonntag verantwortete Pfarrcafé Schinkenfleckerl gemacht. Die Menge der Zutaten, die sie dafür verwendet hat: 2,5 kg Nudeln, 1,7 kg Schinken und 1,5 kg Kartoffeln.

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Wenn die Minis schon in der Früh mithelfen

„Wenn jeder Zeit hergibt und sich einbringt, dann funktioniert auch die Gemeinschaft“, sagt Sandra Kernstock über ihre Motivation, sich „alle sechs bis acht Wochen“ beim Pfarrcafé einzubringen. Und das seit einigen Jahren. Inzwischen richten ihre beiden Töchter die Kaffeetassen. „Ich mache das gern“, sagt die achtjährige Magdalena, die auch an diesem Sonntag gemeinsam mit ihrer Schwester Valentina ministrieren wird. Auch die sechsjährige Valentina hilft gerne bei der Vorbereitung mit. „Ich will einfach nett sein und helfen“, betont sie. Wenige Minuten später taucht Monika Pauzar gemeinsam mit ihrem Ehemann Christian und Sohn Maximilian auf. Sie engagiert sich „seit rund zehn Jahren“ beim Pfarrcafé. Ihre Spezialität sind die Kardinalschnitten. „Ich schätze die Gemeinschaft in der Pfarre und ich backe so gerne“, sagt sie. Herrichten, servieren und dann wegräumen – das ist an diesem Sonntag die Aufgabe der Ministrantinnen und Ministranten beim Pfarrcafé.  Maximilian, seit fünf Jahren Ministrant, hilft in der Küche mit. „Ich mache das gern, weil es mir Spaß macht“, sagt er: „Und ich lerne mit den Tabletts balancieren.“

Josefine Müllner bringt an diesem Sonntagmorgen Kardinalschnitten, Kokoskuppeln und kleine Schaumrollen mit. Sie ist seit „rund sechs Jahren“ beim Pfarrcafé dabei, auch ihr Sohn ist Ministrant. „Ich backe einfach gern“, betont sie: „Ich bin immer dabei, wenn Not am Mann, Pardon an der Frau ist.“ Erna Hirsch sorgt an diesem Sonntag für Himbeerschnitten und Punsch-Krapferln. „Wir engagieren uns sehr gern, weil das Pfarrcafé ein Ort ist, wo wir Gemeinschaft erleben und uns unterhalten können“, betont sie: „Das hat uns in der Zeit der Pandemie und der Lockdowns sehr gefehlt.“

Ein Ort gelebter Gastfreundschaft

Nach dem Gottesdienst strömen an die 50 Frauen, Männer, Jugendliche und Kinder ins Pfarrheim. „Ein Pfarrcafé gehört für mich zur umfassenden Pastoral“, sagt Dechant und Pfarrer Franz Majca CanReg zum SONNTAG, als er nach der heiligen Messe zum Pfarrcafé kommt. „Die gelebte Gastfreundschaft ist dabei ganz entscheidend und erfahrbar“, sagt er: „Gerade jetzt, nach der Pandemie, brauchen die Menschen wieder das Zusammenkommen, das Gespräch, die Gemeinschaft und auch ein Stück weit Geselligkeit.“ „Seit 1985 gibt es bei uns das Pfarrcafé“, erzählt Rosa Schwammenschneider, „damals brachte ich noch das Geschirr von zu Hause mit“.

Ihr Mann Franz ist Diakon, sie ist „das Mädchen für alles“ in der Pfarre. „Unsere Kirche wurde damals auch durch Spenden errichtet, dazu zählten eben auch die Einnahmen beim Pfarrcafé“, weiß sie. Julia Pertlik ist als Pfarrgemeinderätin für die  Ministranten und die Jugend zuständig. „Es ist schön, nach der Messe Freunde beim Pfarrcafé zu treffen“, sagt sie. „Ein Pfarrcafé ist der gemütliche Teil des Pfarrlebens, wo man sich austauschen kann“. Und: „Die Kinder, die können sich jetzt wieder bewegen, nachdem sie eine Stunde ruhig in der Messe sitzen mussten.“ Gegen 11 Uhr leert sich langsam das Pfarrheim. Die Ministrantinnen und Ministranten haben inzwischen viel abgeräumt, in der Küche helfen ihre Eltern beim Abwaschen mit. „Jetzt bin ich schon etwas müde“, sagt Magdalena gegen 11.30 Uhr, nachdem ihr „Dienst“ um 7.30 Uhr begonnen hat.

Autor:
  • Stefan Kronthaler
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