Weihnachten feiern mit britischem Charme

Englische Weihnachtstraditionen
Ausgabe Nr. 48
  • Leben
Autor:
Zum Tee genießen die Briten Scones mit Marmelade und Clotted Cream. ©VisitBritain
Mince Pies sind gefüllte Mürbteigküchlein und ein beliebtes Weihnachtsgebäck in Großbritannien. ©Creative Commons

Die Weihnachtsfarben Rot und Grün werden in Großbritannien noch stärker mit dem Fest der Geburt Jesu in Verbindung gebracht. Ein neues Buch gibt Einblick in typisch britische Weihnachtsbräuche und regt mit vielen Anleitungen an, in Küche, Haus und Garten kreativ zu werden.

Rot und Grün gelten als die traditionellen Weihnachtsfarben. „Das Rot findet seinen Ursprung in roten Äpfeln, die in mittelalterlichen Paradiesspielen am 24. Dezember, dem Gedenktag von Adam und Eva, in den Kirchen verwendet wurden“, erzählte der Theologe und Brauchtumsexperte Manfred Becker-Huberti dem SONNTAG. Aus dem grünen „Baum der Erkenntnis“ bei den Paradiesspielen sei am 25. Dezember der Christbaum geworden – er ist der wichtigste Träger des weihnachtlichen Grün, das in Verbindung mit Rot in vielen von uns ein wohliges Gefühl von Weihnachten bewirkt.

 

 

Werbung

Die Kraft der Weihnachtsfarben

Das Grün des Adventkranzes, des Christbaumes, eines weihnachtlichen Gesteckes oder einer Tannen-Girlande symbolisiert auch das Wiedererwachen des Lebens und somit Hoffnung und Zuversicht. Es tut uns daher gut, uns in der (vor-)weihnachtlichen Zeit mit grünen Zweigen, kombiniert mit dem einen oder anderen roten Dekogegenstand wie einem roten Apfel oder einer Schleife, zu umgeben.

Manfred Becker-Huberti: „Weil der rote Apfel das Zeichen für die ersehnte Erlösung ist. Dieses hängt an dem Baum, der das Leben und die Wiedergeburt des Lebens zeigt, also die Wiederversöhnung mit Gott. Genau das ist die zentrale Botschaft von Weihnachten, die eben durch diese Farben ausgedrückt wird.“

Rot und Grün in der Weihnachtsdeko

Die Farben Rot und Grün kommen besonders in Großbritannien zu Weihnachten bei Raum- und Tischdekorationen zum Einsatz. Im inspirierenden Buch „A Merry British Christmas“ begibt sich Dekorationsexpertin Anja Amlang mit den Co-Autorinnen Britta Sopp und Tina Bungeroth auf die Spuren britischer Weichnachtraditionen und regt an, sich mit selbstgemachten Dekoideen und typischen Rezepten den Charme der britischen Weihnachtszeit ins eigene Heim zu holen. „Meine liebste Zeit zum Dekorieren ist auf jeden Fall die Weihnachtszeit, die für mich bis ins Erwachsenenalter einfach magisch geblieben ist“, berichtet Anja Amlang. Mitten in der dunklen Jahreszeit sei das Weihnachtsfest ein Lichtblick. „Ganz besonders hat es mir dabei das britische Weihnachtsfest angetan. Ich liebe die Farben Rot und Grün, die man dort noch stärker als hier mit Weihnachten in Verbindung bringt, und das Traditionelle, das unweigerlich ein Gefühl von Geborgenheit vermittelt.“

Zwar hätten England, Wales, Schottland und Nord-Irland viele Gemeinsamkeiten mit dem Rest Europas, wenn es um die Feier der Geburt Christi geht. „Und doch haben das Königshaus, das Empire und nicht zuletzt Charles Dickens mit seinen ,Christmas Tales‘ und ,A Christmas Carol‘ den Briten so einige Besonderheiten beschert.“

Besonderer Brauch des Carolling

Weihnachten wurde in Großbritannien vor allem unter Queen Victoria zu einem besonders beliebten immer stärker gepflegten Fest. Wurde es bis dahin nur von den Erwachsenen gefeiert, durften von nun an auch die Kinder dabei sein und mitfeiern. Eine wichtige Rolle spielte der Brauch des Carolling, des Singens von Weihnachtsliedern. „Seit der viktorianischen Zeit werden englische Weihnachtslieder – oftmals in kleinen Laienchören – mit Begeisterung auf der Straße und auf öffentlichen Plätzen gesungen“, schreiben die Autorinnen. Die Sängergruppen sammeln meist Spenden für wohltätige Zwecke. In der Vorweihnachtszeit ziehen sie von Haus zu Haus und verbreiten Weihnachtsstimmung.

Das eigentliche Weihnachtsfest findet bei den Briten erst am 25. Dezember statt und nicht wie bei uns am Abend des 24. An diesem, dem Christmas Eve, hängen englische Kinder ihren Weihnachtsstrumpf an den Kamin oder an ihr Bett und dürfen diesen in der Früh gefüllt mit Süßigkeiten vorfinden. Was bei uns in Österreich das Christkind ist, ist in England von alters her Father Christmas. Diese Figur verschmolz im Laufe der Zeit mit dem amerikanischen Santa Claus. Am Nachmittag des 25. Dezember lauschen die Briten traditionell der Weihnachtsansprache ihres Monarchen, heuer nach vielen Jahrzehnten ohne Queen, dafür wird erstmals König Charles seine Weihnachtswünsche an die Bevölkerung richten. Gottesdienste werden sowohl am Abend des 24. Dezember als auch am 25. besucht.

Von Weihnachten zur Twelth Night

Mit der Geburt Jesu am 25. Dezember beginnen die in England wichtigen zwölf  Weihnachtstage. Sie enden am Vorabend des 6. Jänner mit der Twelfth Night. Bekannt ist der Begriff Twelfth Night auch durch William Shakespeares Komödie „Was ihr wollt“, die im Englischen auch „Twelfth Night“ heißt.

„Gleichzeitig traditionsbewusst, modern und humorvoll feiert man in Großbritannien mit farbenfroher Dekoration, vielen deftigen und süßen Leckereien und sogar Partyhütchen und Knallbonbons ein typisch britisches Weihnachten“, schildert Anja Amlang. Mit vielen Dekoideen für Haus und Garten sowie zahlreichen Rezepten lädt ihr Buch ein, kreativ zu werden und mit britischem Sinn für Humor und Tradition zu feiern.

Autor:
  • Portraitfoto von Agathe Lauber-Gansterer
    Agathe Lauber-Gansterer
Werbung

Neueste Beiträge

| Hirtenhund

Über den viraler Video-Hit vom „Mönch von Lützerath“

| Heiter bis heilig
Anekdote

Bernadette Spitzer erzählt gerne Heiteres aus der Welt der Kirche.

Finger auf Computertastatur
| Die Kirche und ich

Kolumne von Michael Prüller, Kommunikationschef der Erzdiözese Wien