„Über dem Kreuz wird es in der Kirche immer heller“
Glaubenszeugnis
Die pensionierte Kindergartenpädagogin hat viele Jahre als Pastoralhelferin in Cyrill und Method im 21. Bezirk gearbeitet.
Kirche Cyrill und Method
Frau Fischer, die Pfarre Cyrill und Method wurde vor dreißig Jahren neu gegründet. Sie waren von Beginn an dabei. Haben Sie Ostern immer hier gefeiert?
Ich glaube, ich war jedes Jahr zu Ostern hier, außer einmal, da waren wir auf Urlaub. Für mich gehört das Feiern in der Pfarre zu den Kar- und Ostertagen. Ich gehe seit einigen Jahren außerdem am Donnerstag, Freitag und am Samstag in der Karwoche zu den Laudes. Mir ist es ein Herzensbedürfnis, mich auf das Leiden Jesu einzulassen.
Am Karfreitag beten wir den Kreuzweg in der Kirche so, dass wir zur Sterbestunde um drei Uhr beim Kreuz stehen. Für mich ist das immer sehr bewegend. Genauso wie die Grablegung, wenn wir aufgerufen sind: ‚Bleibt hier und wachet.‘ Ich merke in meinem Leben: Bei jemandem zu bleiben, der leidet oder schwer krank ist, ist unendlich wertvoll. Viele fragen, warum das Kreuz? Ich antworte dann immer: Weil wir auch so viel Leid erleben. Es ist nun mal so, dass zum Leben der Schmerz gehört. Wir wünschen es uns anders, aber wenn wir uns im Weltgeschehen oder in unserem eigenen Leben umschauen, sehen wir, dass da viel Leid ist. Wir können es zu Jesus am Kreuz bringen. Das Kreuz gibt uns Hoffnung.
In welchen Momenten in Ihrem Leben haben Sie das so erlebt?
Als meine Mama gestorben ist. Sie war lange krank, und das war für mich sehr schlimm. Als sie ihren letzten Atemzug gemacht hat, hat es mir den Boden weggerissen. Aber da war auch die Hoffnung, dass nicht alles aus ist. Sehr geholfen hat mir meine Familie und wie mich die ganze Pfarrgemeinde getragen hat. Ich bin grundsätzlich ein Mensch mit großem Vertrauen. Eine Kollegin hat das einmal zu mir gesagt: ‚Du hast ein solches Gottvertrauen!‘ Da ist mir erst bewusst geworden, wie toll das ist. Ja, auch wenn es schlimme Zeiten gibt, mache ich mich auf die Suche danach, wo sich Gott gerade versteckt. Und bin sicher, er ist da.
Sie sind Kommunionspenderin, Lektorin, Mitglied im Pfarrgemeinderat und im Liturgieteam. Das Liturgieteam hat in der Fasten- und Osterzeit wahrscheinlich viel zu tun.
Es ist die intensivste Zeit im Jahr. Wir treffen uns immer schon im Jänner, um die ganze Fastenzeit zu besprechen. Sie hat jedes Jahr ein bestimmtes Thema, heuer lautet es ‚Im Glauben erblüht‘. Das Schöne ist: Wenn ich für die Gemeinde etwas vorbereite, beschäftige ich mich immer mit dem eigenen Glauben.
„Was sich die Leute denken würden, wenn sie wüssten, dass wir uns so früh auf den Weg in die Kirche machen.“
In Cyrill und Method wird die Osternachtsfeier um fünf Uhr früh gefeiert. Fällt Ihnen das Aufstehen schwer?
Das ist manchmal schon Hardcore. Einmal hatten wir noch dazu die Zeitumstellung in der Nacht und eine Stunde weniger Schlaf. Ich stelle mir manchmal vor, was sich die Leute wohl denken würden, wenn sie wüssten, dass wir uns so früh auf den Weg in die Kirche machen. ‚Die sind irre!‘ Aber dann in der Kirche von Stunde zu Stunde den Morgen aufgehen zu sehen, ist wunderschön. Es wird über dem Kreuz immer heller und heller – das ist das, was Maria Magdalena am Ostermorgen erlebt hat, stelle ich mir vor. Sehr gerne habe ich das Antwortlied auf die Exoduslesung, das Lied der Mirjam, wo wir singen: ‚Mirjam, Mirjam, schlug auf die Pauke‘. Da denke ich mir: Ja, es braucht Menschen, die sich trauen, aufzustehen und zu verkündigen.
Feier nach der Kirche
Und nach dem Gottesdienst wird gefeiert?
Die Osternachtsmesse dauert zweieinhalb Stunden, und dann kommt der Höhepunkt nach dem Gottesdienst: Wir gehen alle runter in den Pfarrsaal und wünschen einander frohe Ostern. Wie schön, wenn da alle ein Lachen auf dem Gesicht haben. Wir sitzen zusammen und frühstücken das, was jeder mitgebracht hat. Es wäre ja schade, wenn jeder nach dem Gottesdienst nach Hause geht und in seinem stillen Kämmerlein sitzt.
Annemarie Fischer
Alter: 62
Wohnort: Wien
Lebensmotto: Gott hat einen Plan für uns.
Gott ist für mich: mein Urgrund, mein Halt in schwierigen Zeiten.
Sonntag bedeutet für mich: In der Gemeinde Messe zu feiern und mit meiner Familie zusammen zu sein.