Tier und Mensch: Eine ambivalente Beziehung

Ausstellung im Dom Museum Wien
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Graciela Iturbides „Nuestra Señora de las Iguanas (Our Lady of the Iguanas)“, Juchitán, Oaxaca, 1979, fungiert als Titelbild der Ausstellung „tierisch menschlich“.
Graciela Iturbides „Nuestra Señora de las Iguanas (Our Lady of the Iguanas)“, Juchitán, Oaxaca, 1979, fungiert als Titelbild der Ausstellung „tierisch menschlich“. ©L. Deinhardstein
Der Mops von Norbertine Bresslern-Roth, 1926, in der Ausstellung im Wiener Dom Museum.
Der Mops von Norbertine Bresslern-Roth, 1926, in der Ausstellung im Wiener Dom Museum. ©Bildrecht, Wien 2026, Foto: L. Deinhardstein
Künstler Thierry Boutonnier erklärt Kühen, wie Landwirtschaft funktioniert.
Künstler Thierry Boutonnier erklärt Kühen, wie Landwirtschaft funktioniert. ©L. Deinhardstein

Anfang Oktober eröffnete die neue Jahresausstellung „tierisch menschlich“ im Wiener Dom Museum. Die Schau widmet sich dem ambivalenten Verhältnis zwischen Tieren und Menschen. Sie fragt nach Unterschieden und Gemeinsamkeiten und der Grenze zwischen Tier und Mensch.

Die Ausstellung „tierisch menschlich“ beschäftigt sich bis 22. August 2027 mit der so prägenden wie ambivalenten Beziehung zwischen Tier und Mensch. Der Rundgang beginnt dabei bereits im Stiegenhaus mit einem fotografischen Beitrag von Werner Feiersinger, der Tierskulpturen aus dem öffentlichen Raum porträtiert. 

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„tierisch menschlich“

Im Otto-Mauer-Raum im 1. Stock steht ein Tier im Vordergrund, das mit dem Menschen wie kein anderes verbunden ist: der Hund.

Vier verspielte Hunde-Bilder von Alois Mosbacher aus der Serie „Hundert“ (2025) hängen auf einer dioramaartigen beigen „Insel“, die mit Kalk verputzt ist. Diese „Inseln“ ziehen sich durch die Ausstellung und verleihen ihr einen besonderen Charme.

Daneben ist ein steinerner Wasserspeier vom Stephansdom platziert. Gegenüber ist eine kleine Mops-Grafik von Norbertine Bresslern-Roth aus dem Jahr 1926 zu sehen (siehe Bildergalerie). In der Mitte des Raumes ist Flora N. Galowitz' „Versuch einer Kleintierplastik“ (2026) positioniert. 

Berührungspunkte zwischen Tier und Mensch

Die Ausstellung beginnt harmlos, verhandelt aber in den anderen, dem Stephansplatz zugewandten Ausstellungsräumen viele gewichtige Themen: Jagd, Tierquälerei, Nutztierhaltung, Kolonialismus und Tierversuche. Diese Themen werden jedoch so präsentiert, dass sie zwar zum Nachdenken anregen, die Grausamkeit aber nur indirekt vermittelt wird.

So zeigt Michael Wilds Porträt des Windhundes „Aktäon“ (1789) einen weißen Hund, der sich klar von einer dunklen Landschaft abhebt. Das massive, verzierte Halsband des Hundes macht jedoch die Beziehung zwischen Mensch und Tier, Besitzer und Haustier sichtbar. Ein originales Hundehalsband aus Leder und Silberblech in der Vitrine daneben verdeutlicht das nochmals.

Das widersprüchliche Verhältnis von Tier und Mensch hat Luzia Hürzeler aus einer anderen Blickrichtung erfasst: In ihrer Videoarbeit „Selbstporträt für die Katz“ (2006) frisst eine Katze den aus Katzenfutter geformten Abguss des Oberkörpers der Künstlerin langsam auf. 

Macht, Geschlecht und Krieg

Im anschließenden Raum liegt der Fokus auf den Themen Macht, Geschlecht und Krieg. Hier sieht man Tiere als Begleiter, Statussymbol oder Instrument menschlicher Interessen.

So zeigt Ferdinand Rauchs „Landschaft mit Paar zu Pferd“ (1844) einen Mann auf einem großen weißen Pferd. Neben ihm reitet eine Frau auf einem kleinen braunen Pferd im Damensattel. Das hierarchische Verständnis von Geschlechterrollen ist hier klar dargestellt. Kontrastiert wird dieses Bild mit einer Fotografie aus der „Mappe der Hundigkeit“ von Valie Export. Darauf führt sie Peter Weibel an einer Hundeleine durch die Wiener Innenstadt. Besonders berührend ist das Bild „Ein lieber Besuch“ (1894) von Max Kurzweil. Es zeigt einen sterbenden Soldaten, der sich von seinem Pferd verabschiedet. 

Tier zwischen Leben und Tod

Im nächsten Raum findet man jenes Bild, das auch das Titelbild der Ausstellung ist: eine Fotografie von Graciela Iturbide mit dem Namen „Nuestra Señora de las Iguanas (Our Lady of the Iguanas)“ (1985). Es zeigt eine Frau mit Leguanen auf dem Kopf.

Daneben veranschaulicht der Bereich „Gejagt, gequält, gegessen“ die gewaltsamen Seiten der Beziehung zwischen Tier und Mensch. In einer Vitrine experimentieren in einem Miniaturlabor vermenschlichte Mäuse mit Körperteilen. Die Fotografie „Reh“ (1985) von Gabriele Rothemann zeigt ein Tier zwischen Leben und Tod. 

„Wandelbare Zeichen“: Das Tier als Symbol

Unter der Betitelung „Wandelbare Zeichen“ geht es um die Symbolkraft von Tieren. Zu sehen ist unter anderem eine mittelalterliche Verkündigungstafel des Meisters der Heiligenmartyrien (um 1490), die den Heiligen Geist in Form einer Taube zeigt, oder Gabriele Rothemanns „Schlangenmosaik IV“ (2012). 

„Koexistenz der Kreaturen“

Der Bereich „Ausgestellt und eingesperrt“ stellt Tiere als Prestigeobjekte oder „exotische“ Attraktionen in den Mittelpunkt. Hier werden auch die Themen Aneignung und koloniale Machtordnungen aufgegriffen. Ein Beispiel: Joanna Piotrowskas leere Tiergehege aus der Serie „Enclosures“ (seit 2018).

Der letzte Bereich der Ausstellung widmet sich der „Koexistenz der Kreaturen“. Besonders interessant sind hier die Bilder, die quasi von Tieren geschaffen wurden, wie zum Beispiel Timm Ulrichs' „Bienenwaben-Wachskollage“ (1963/1972), an dessen Entstehung Bienen maßgeblich beteiligt waren.

Der Schrei der Nachtigall

Abgerundet wird die Ausstellung durch eine Installation von Konstanze Stoiber im Raum neben dem berühmten Porträt von Rudolf IV., dem Stifter der Stephanskirche. Die österreichische Künstlerin stellt hier nicht nur ihre Malerei aus, denn auch der Boden lässt den Museumsbesucher Vögel sinnlich erfahren: Die Bretter des Bodens quietschen und klingen dabei wie eine japanische Nachtigall („Uguisu“). 

Autor:
  • Cornelia Grotte
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