Tier und Mensch: Eine ambivalente Beziehung
Ausstellung im Dom Museum WienDie Ausstellung „tierisch menschlich“ beschäftigt sich bis 22. August 2027 mit der so prägenden wie ambivalenten Beziehung zwischen Tier und Mensch. Der Rundgang beginnt dabei bereits im Stiegenhaus mit einem fotografischen Beitrag von Werner Feiersinger, der Tierskulpturen aus dem öffentlichen Raum porträtiert.
„tierisch menschlich“
Im Otto-Mauer-Raum im 1. Stock steht ein Tier im Vordergrund, das mit dem Menschen wie kein anderes verbunden ist: der Hund.
Vier verspielte Hunde-Bilder von Alois Mosbacher aus der Serie „Hundert“ (2025) hängen auf einer dioramaartigen beigen „Insel“, die mit Kalk verputzt ist. Diese „Inseln“ ziehen sich durch die Ausstellung und verleihen ihr einen besonderen Charme.
Daneben ist ein steinerner Wasserspeier vom Stephansdom platziert. Gegenüber ist eine kleine Mops-Grafik von Norbertine Bresslern-Roth aus dem Jahr 1926 zu sehen (siehe Bildergalerie). In der Mitte des Raumes ist Flora N. Galowitz' „Versuch einer Kleintierplastik“ (2026) positioniert.
Berührungspunkte zwischen Tier und Mensch
Die Ausstellung beginnt harmlos, verhandelt aber in den anderen, dem Stephansplatz zugewandten Ausstellungsräumen viele gewichtige Themen: Jagd, Tierquälerei, Nutztierhaltung, Kolonialismus und Tierversuche. Diese Themen werden jedoch so präsentiert, dass sie zwar zum Nachdenken anregen, die Grausamkeit aber nur indirekt vermittelt wird.
So zeigt Michael Wilds Porträt des Windhundes „Aktäon“ (1789) einen weißen Hund, der sich klar von einer dunklen Landschaft abhebt. Das massive, verzierte Halsband des Hundes macht jedoch die Beziehung zwischen Mensch und Tier, Besitzer und Haustier sichtbar. Ein originales Hundehalsband aus Leder und Silberblech in der Vitrine daneben verdeutlicht das nochmals.
Das widersprüchliche Verhältnis von Tier und Mensch hat Luzia Hürzeler aus einer anderen Blickrichtung erfasst: In ihrer Videoarbeit „Selbstporträt für die Katz“ (2006) frisst eine Katze den aus Katzenfutter geformten Abguss des Oberkörpers der Künstlerin langsam auf.
Macht, Geschlecht und Krieg
Im anschließenden Raum liegt der Fokus auf den Themen Macht, Geschlecht und Krieg. Hier sieht man Tiere als Begleiter, Statussymbol oder Instrument menschlicher Interessen.
So zeigt Ferdinand Rauchs „Landschaft mit Paar zu Pferd“ (1844) einen Mann auf einem großen weißen Pferd. Neben ihm reitet eine Frau auf einem kleinen braunen Pferd im Damensattel. Das hierarchische Verständnis von Geschlechterrollen ist hier klar dargestellt. Kontrastiert wird dieses Bild mit einer Fotografie aus der „Mappe der Hundigkeit“ von Valie Export. Darauf führt sie Peter Weibel an einer Hundeleine durch die Wiener Innenstadt. Besonders berührend ist das Bild „Ein lieber Besuch“ (1894) von Max Kurzweil. Es zeigt einen sterbenden Soldaten, der sich von seinem Pferd verabschiedet.
Tier zwischen Leben und Tod
Im nächsten Raum findet man jenes Bild, das auch das Titelbild der Ausstellung ist: eine Fotografie von Graciela Iturbide mit dem Namen „Nuestra Señora de las Iguanas (Our Lady of the Iguanas)“ (1985). Es zeigt eine Frau mit Leguanen auf dem Kopf.
Daneben veranschaulicht der Bereich „Gejagt, gequält, gegessen“ die gewaltsamen Seiten der Beziehung zwischen Tier und Mensch. In einer Vitrine experimentieren in einem Miniaturlabor vermenschlichte Mäuse mit Körperteilen. Die Fotografie „Reh“ (1985) von Gabriele Rothemann zeigt ein Tier zwischen Leben und Tod.
„Wandelbare Zeichen“: Das Tier als Symbol
Unter der Betitelung „Wandelbare Zeichen“ geht es um die Symbolkraft von Tieren. Zu sehen ist unter anderem eine mittelalterliche Verkündigungstafel des Meisters der Heiligenmartyrien (um 1490), die den Heiligen Geist in Form einer Taube zeigt, oder Gabriele Rothemanns „Schlangenmosaik IV“ (2012).
„Koexistenz der Kreaturen“
Der Bereich „Ausgestellt und eingesperrt“ stellt Tiere als Prestigeobjekte oder „exotische“ Attraktionen in den Mittelpunkt. Hier werden auch die Themen Aneignung und koloniale Machtordnungen aufgegriffen. Ein Beispiel: Joanna Piotrowskas leere Tiergehege aus der Serie „Enclosures“ (seit 2018).
Der letzte Bereich der Ausstellung widmet sich der „Koexistenz der Kreaturen“. Besonders interessant sind hier die Bilder, die quasi von Tieren geschaffen wurden, wie zum Beispiel Timm Ulrichs' „Bienenwaben-Wachskollage“ (1963/1972), an dessen Entstehung Bienen maßgeblich beteiligt waren.
Der Schrei der Nachtigall
Abgerundet wird die Ausstellung durch eine Installation von Konstanze Stoiber im Raum neben dem berühmten Porträt von Rudolf IV., dem Stifter der Stephanskirche. Die österreichische Künstlerin stellt hier nicht nur ihre Malerei aus, denn auch der Boden lässt den Museumsbesucher Vögel sinnlich erfahren: Die Bretter des Bodens quietschen und klingen dabei wie eine japanische Nachtigall („Uguisu“).
Termintipp
Aktuelle Ausstellung im Wiener Dom Museum: „tierisch menschlich“
Kuratiert wurde die Ausstellung von Johanna Schwanberg und Co-Kuratorin Vanessa Joan Müller. Die kuratorischen Assistentinnen waren Nina Schermann und Anke Wiedmann.
Wann: bis 22. August 2027
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