„Religionen bringen Menschen einander näher“

Dialog & Solidarität
Ausgabe Nr. 9
  • Weltkirche
Autor:
Begegnung: Kardinal Schönborn trifft junge Frauen bei der Islamic Arts Biennale in Jiddah. ©Kathpress/G. Pulling

Der Besuch von Kardinal Schönborn in Saudi-Arabien vom 24. bis zum 28. Februar diente der Begegnung mit den Christen vor Ort und dem interreligiösen Dialog.

Im Zeichen des interreligiösen Dialogs und der Solidarität mit den Christen vor Ort stand der jüngste Besuch von Kardinal Schönborn in Saudi Arabien. Der Kardinal war von 24. bis 28. Februar in das Königreich gereist, wo er religiöse muslimische Führer, Politiker, aber auch zahlreiche Katholikinnen und Katholiken traf. Den Gläubigen vor Ort sprach Schönborn Mut zu, gegenüber den politisch und religiös Verantwortlichen wies er unter anderem das Thema der Religionsfreiheit an. Der Kardinal war einer Einladung des Generalsekretärs der Muslim World League, Muhammad Al-Issa, nach Saudi Arabien gefolgt, mit dem er gleich zwei Mal in der Hauptstadt Riad zusammentraf. Beide Gesprächspartner bekräftigten zugleich das Bemühen, den interreligiösen Dialog zu vertiefen. „Die Welt braucht gerade heute angesichts so vieler Herausforderungen mehr Einheit und keine Spaltungen“, so Schönborn. Die Religionen müssten Teil der Lösung sein und nicht des Problems. Al-Issa würdigte in diesem Zusammenhang auch in besonderer Weise Papst Franziskus und dessen Initiativen für den interreligiösen Dialog. Der Papst sei in der arabischen Welt eine sehr angesehene und geschätzte Persönlichkeit.

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Gegen Gewalt und Terrorismus

Großes mediales Interesse vor Ort in Riad löste vor allem der Besuch Schönborns bei Religionsminister Scheich Abdullahtif bin Abdulaziz Al-Sheikh aus. Schönborn wie auch der Minister verurteilten jede Form von religiös legitimierter Gewalt oder gar Terrorismus. Dies sei ein Missbrauch von Religion. Genauso würden sich Pauschalverurteilungen ganzer Religionsgemeinschaften aufgrund von Verbrechen einzelner verbieten. Der Erzbischof begrüßte u. a. die vom Minister vorgebrachten Bemühungen Saudi-Arabiens, verstärkt in das Bildungssystem zu investieren. Die gut ausgebildeten jungen Frauen und Männer seien die Zukunft des Landes. Schönborn wies in diesem Zusammenhang auch darauf hin, dass in den Schulbüchern die Religionen sachlich richtig und ohne Vorurteile dargestellt werden müssten. Das gelte für alle Staaten. Aufgabe der Religionen sei es, die Menschen einander näher zu bringen. Der Kardinal sprach aber auch die Situation der katholischen Migranten in Saudi-Arabien an. Sie stünden loyal zu ihrem Gastland, versicherte Schönborn.

1,5 Millionen Christen in Saudi-Arabien

Er würdigte auch die Entwicklung der vergangenen Jahre bzw. die Schritte der Öffnung in Saudi-Arabien, die es u. a. den Katholiken ermögliche, „in aller Stille miteinander zu beten und Gott zu ehren“, wie Schönborn es wörtlich formulierte. Die bis zu 1,5 Millionen Christen im streng islamisch geprägten Saudi-Arabien sind zu 100 Prozent Migranten, viele stammen von den Philippinen, aus Sri Lanka, Indien oder auch Pakistan. Kirchen gibt es nicht. Gottesdienste im kleinen, privaten Rahmen sind inzwischen möglich.

„Haltet an eurem Glauben fest“

In der österreichischen Botschaft in Riad feierte der Kardinal mehrere Gottesdienste mit den Gläubigen. Dabei rief er ihnen zu: „Haltet zusammen und halten an eurem Glauben fest!“ Er wisse um die schwierigen Bedingungen, unter denen die Christen hier ihren Glauben leben, sagte der Kardinal. Umso beeindruckender sei ihr Glaubenszeugnis.

In die österreichische Botschaft gekommen waren u. a. auch der Bischof von Nordarabien, Paul Hinder, und sein designierter Nachfolger Aldo Berardi. Weitere Gesprächstermine hatte der Kardinal u. a. im saudischen Außen- und Kulturministerium. Alle Gesprächspartner bekräftigten gegenüber Schönborn, dass sich Saudi Arabien Reformen verschrieben habe und die Gesellschaft in den vergangenen Jahren – bei allen Problemen – offener geworden sei. Das zeige sich auch daran, dass sich die Stellung der Frauen in jüngster Zeit deutlich verbessert habe.

Autor:
  • Georg Pulling
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