Caritas hilft ukrainischen Flüchtlingskindern in Moldau

Am Rande des Ukraine-Krieges
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Caritas-Flüchtlingszentrum ukrainische Kinder
Ukrainische Kinder im „Fides“-Flüchtlingszentrum der Caritas in Chisinau ©Mikhail Kalarashan
Caritas Brennholzlieferung
Brennholzlieferung für bedürftige Familien – der Wiener Caritasdirektor Klaus Schwertner und Caritas-Präsident Michael Landau. ©Mikhail Kalarashan

Bis zu 110.000 Flüchtlinge aus der Ukraine wurden im kleinen Nachbarland Moldau aufgenommen. Gut die Hälfte davon sind Kinder. Das arme Moldau kann diese Herausforderung nicht alleine bewältigen. Deshalb hilft die Caritas vor Ort.

Alles begann am 24. Februar 2022: „Um 4:30 Uhr früh schlugen schon die ersten Raketen ein“, erinnert sich die 60-jährige Natalija. „Am selben Tag rief mich meine Schwester aus Kiew an und sagte: ‚Das ist der Krieg, das ist kein Scherz. Das ist wirklich der Krieg.‘“ – Natalijas Sohn wurde noch am gleichen Tag zum Militär einberufen. Ihr Mann am nächsten Tag. Natalija stammt aus der südukrainischen Stadt Mykolajiw, die von Kriegsbeginn an zu den umkämpften Städten gehörte. „Zuerst haben die Russen nur die militärischen Einrichtungen bombardiert, dann die Infrastruktur. Und dann haben sie auch begonnen, die Wohngebiete zu beschließen“, erzählt Natalija. 

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Immer mehr Menschen flohen aus Mykolajiw. Doch Natalija blieb mit drei weiteren älteren Frauen. Sie lebten über mehrere Wochen in einem Keller. „Es war kalt, wir ließen unsere Kleidung ständig an, ich schlief auf einem Tisch.“

 Wir hatten wenig zu essen, nur ein bisschen Wasser, das uns jüngere Leute brachten.

Natalija

Die Hoffnung auf die Rückkehr der Söhne und Männer schwand, die Frauen verloren ihren Lebenswillen. Schließlich wurden die vier von einer Sozialarbeiterin gefunden. Mykolajiw war damals schon fast vollständig von den Russen eingeschlossen. Es gab nur mehr eine einzige Straße hinaus. Die hieß „Lebensweg“. Über diesen „Lebensweg“ wurden die vier Frauen am 27. April gerettet. 

An der Grenze von Moldau wurden wir von vielen Freiwilligen empfangen. Die Leute wurden in die Busse gebracht, es war kalt, viele waren krank.“ Auch Natalija war krank. Einige Caritas-Mitarbeiter wurden auf sie aufmerksam und nahmen sich ihrer an. Sie brachten sie in das „Fides“-Flüchtlingszentrum der Caritas-Moldau in Chișinău.

Das Zentrum in der moldauischen Hauptstadt bietet 125 Schlafplätze für Mütter mit Kindern, ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen. In der Unterkunft erhalten Geflüchtete warme Mahlzeiten, medizinische Versorgung und psychologische Unterstützung. Die ukrainischen Flüchtlingskinder können im Zentrum am Online-Unterricht ihrer Schulen in der Ukraine teilnehmen.  

Eine neue Familie

Natalija bewohnt ein größeres Zimmer, gemeinsam mit Marija (32) und ihrer zehnjährigen Tochter Veronika. „Dieses Kind ist wie ein Lichtstrahl in meinem Leben“, erzählt Natalija: „Wir spielen gemeinsam, wir machen gemeinsam Hausaufgaben und wenn ich mich krank fühle, dann bringt sie mir Essen.“ Mutter und Kind stammen ebenfalls aus Mykolajiw. Sie kannten sich vorher nicht, zu einer kleinen neuen Familie zusammengewachsenen sind sie erst hier im Zentrum. Gegenseitig helfen sie sich in dieser schwierigen Zeit.

Mit liebevollen Augen blickt Natalija auf Veronika. Doch dann bricht das Grauen in ihr wieder durch: „Mein Nachbar war 35 Jahre alt. Er hat an der Uni unterrichtet. Sie haben ihn tot von der Front zurückgebracht. So viele Mütter weinen um ihre Söhne. Welchen Sinn hat das alles?“

Hilfe für die Helfer


Mehr als 700.000 Ukrainerinnen und Ukrainer sind seit Kriegsausbruch vor einem Jahr nach Moldau geflohen. Viele reisten weiter, zwischen 100.000 und 110.000 sind geblieben; darunter rund 50.000 Kinder. Die Republik Moldau hat in Relation zur eigenen Einwohnerzahl von allen Ländern der Welt die meisten Geflüchteten aufgenommen. Das kleine Land ist nicht einmal halb so groß wie Österreich und hat nur 2,6 Mio. Einwohner. Zumindest jeder vierte Moldauer hat verwandtschaftliche Beziehungen zum Nachbarland. Bis zu 90 Prozent der Geflüchteten haben privat Unterkunft gefunden. Bei Verwandten oder auch Fremden.

Dieses Glück hat auch die 31-jährige Irina, die mit ihren beiden Töchtern bei ihrer Cousine Marta in einem kleinen Häuschen in Anenii Noi Aufnahme gefunden hat. Irina stammt aus der südukrainischen Stadt Ismail. Dort begann der Krieg so richtig am 1. März, „als die russischen Raketen immer näher kamen“. Irina war vorbereitet, nahm ihre beiden Töchter, setzte sich ins Auto und fuhr Richtung Moldau. Obwohl die Grenze nur gut 50 Kilometer entfernt ist, brauchte sie für diese Strecke zwei Tage. „Wir hatten ein wenig Essen, Thermosflaschen und Kleidung dabei.“ Die Straße war völlig verstopft, dazu kamen auch tausende Fußgänger, die zuerst über die Grenze gelassen wurden. „Es war bitterkalt. Ich hatte ständig Angst, dass mir der Sprit ausgehen würde“, erzählt Irina. 

Marta (32) hat sie gerne aufgenommen. Doch die Not ist groß. Marta arbeitet in einem Fleischereibetrieb, 12 Stunden pro Tag. Irina passt inzwischen auch auf Martas Tochter auf. Und dann gibt es im Haus auch noch die Großmutter. Martas Mann hat in Deutschland gearbeitet, ist nun aber arbeitslos und wieder zurück in Moldau. Ohne Hilfe von außen würde es die Großfamilie in Anenii Noi nicht schaffen. Von der Caritas bekommen sie Brennholz, Lebensmittelpakete, Hygienepakete und manchmal auch ein wenig Geld. So kommen sie über die Runden. 

„Kinder leiden besonders“

„Die tiefsten Wunden sind die unsichtbaren“ lautet das Motto der diesjährigen Kinderkampagne der Caritas. „Kinder leiden besonders unter den vielen Krisen, auch wenn sie auf den ersten Blick nicht sichtbar sind“, weiß Caritas-Präsident Michael Landau. Deshalb bemühen sich die Caritas bzw. ihre Partner vor Ort auch so sehr, den Kindern ein möglichst geregeltes und zugleich abwechslungsreiches Leben zu bieten. 

Aufgrund der Sprachbarriere besuchen allerdings nur die wenigsten Flüchtlingskinder eine (rumänischsprachige) Schule in Moldau. In praktisch jeder Flüchtlingsunterkunft und auch in vielen Tagesstätten, die von privat untergebrachten Kindern besucht werden, gibt es deshalb eigene Computersäle, in denen die Kinder online lernen. So bleiben sie mit ihren Schulen in Kontakt, freilich auch mit dem Grauen des Krieges. Immer wieder hört man durch die Computerlautsprecher den Luftalarm in der Heimat. Noch öfter hört man freilich in den Caritas-Einrichtungen fröhliches Kinderlachen. – Wenn gespielt, gesungen oder auch getanzt wird. 
 

Aus Traumata werden wieder Träume 

Auch hoher Besuch aus Österreich ist für die Kinder eine besondere Attraktion. – Der achtjährige Makar nützt den Besuch von Caritas-Präsident Landau im „Fides“-Zentrum, um das Rechnen und Schreiben im Online-Unterricht einmal ein wenig hintanzustellen. Stattdessen führt er den Gast an der Hand fachkundig durch das ganze Haus. Bald gesellt sich auch sein dreijähriger Bruder hinzu.

Der Besuch in Moldau hat Caritas-Präsident Michael Landau und Caritasdirektor Klaus Schwertner einmal mehr bestätigt, wie notwendig die Hilfe aus Österreich für die Flüchtlinge in Moldau ist. Landau: „Kriege verletzten das Recht jedes Kindes. Es braucht Schutz, Bildung und Betreuung. Wenn Kinder aber gut aufgefangen und versorgt werden, können sie auch die schlimmsten Umstände überwinden. Dann können aus den Traumata der Kinder wieder Träume werden. Wir dürfen die Kinder nicht im Stich lassen.“

Spenden für Flüchtlingskinder in Moldau

Die Caritas bittet dringend um Spenden für Flüchtlingskinder und ihre Familien in Moldau. Mit 25 Euro kann eine Flüchtlingsfamilie mit einem Hygienepaket ausgestattet werden mit 20 Euro kann die Unterbringung, Verpflegung und Betreuung von einem Kind für einen Tag in einer Flüchtlingsunterkunft oder einem Sozialzentrum finanziert werden. Mit 40 Euro können zwei Kinder einer Familie mit hochwertiger Winterkleidung versorgt werden, und 350 Euro versorgen eine moldauische Familie, die Flüchtlinge bei sich aufgenommen hat, mit Brennholz für den gesamten Winter.

 

Caritas-Spendenkonto: 
Erste Bank, IBAN: AT23 2011 1000 0123 4560, 
Kennwort: Kinder in Not, 
Online-Spenden: caritas.at/helfen
 

Schlagwörter
Autor:
  • Georg Pulling
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