Martin – ein Offizier, der Mensch blieb

Fundament für den Frieden
Ausgabe Nr. 45
  • Meinung
Autor:
Der Heilige Martin in einer Darstellung des Naumburger Meisters am Mainzer Dom.
Der Heilige Martin in einer Darstellung des Naumburger Meisters am Mainzer Dom. ©wikicommons
Generalmajor DDr. Sylvia Carolina ­Sperandio ist Heeres­sanitätschefin und Leiterin des Militärischen Gesundheitswesens.
Generalmajor DDr. Sylvia Carolina ­Sperandio ist Heeres­sanitätschefin und Leiterin des Militärischen Gesundheitswesens. ©Österreichisches Bundesheer

Generalmajor DDr. Sylvia Carolina ­Sperandio über den heiligen Martin.

Der heilige Martin hat mich schon als Kind sehr beeindruckt: ein Mann auf einem Pferd, der seinen roten Mantel mit einem Schwert teilt und eine Hälfte davon einem Bettler gibt. Dass dieser Mann am Pferd ein römischer Soldat und Offizier war, ist mir allerdings erst bewusst geworden, als ich selbst Soldatin wurde. Seither ist er für mich ein Kamerad im Geiste und ethisch-moralisches Vorbild geworden. Die Teilung des Mantels vor den Toren von Amiens ist also mehr als eine bedeutende Legende, sie ist bestgelebte Praxis soldatischer Tugend. Martin verweigerte später den Militärdienst, weil er sein Leben ausschließlich dem christlichen Glauben widmen wollte. 

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Martin der Soldat

Manch eine oder einer mag ein Leben als Soldatin oder Soldat als unvereinbar betrachten mit dem christlichen Leben, aber ich kann versichern, dass wir im Österreichischen Bundesheer dem Frieden dienen. Gerade für Waffenführende ist es besonders wichtig, einem hohen Ethos und klaren Gewissen zu folgen und ihre Menschlichkeit zu bewahren. 

Krieg in Europa

Gerade in diesen Zeiten, in denen Krieg in Europa wieder Realität ist und unzählige Unschuldige getötet werden, zahlreiche Menschen frieren, fliehen und hungern, gewinnt die Mantelteilung eine erschreckend aktuelle Bedeutung. Sie erinnert uns daran, dass unser aller Sicherheit mehr ist als militärische Verteidigungsfähigkeit. Sie ist Solidarität, Mitgefühl und die Bereitschaft, zu teilen. Das humanitäre Völkerrecht hat diese Tugenden zur Pflicht erhoben, und dennoch werden diese derzeit nur allzu oft mit Füßen getreten. 

Was uns der heilige Martin lehrt

Am 11. November werden wieder Kinder mit strahlenden Augen mit ihren Laternen singen, und viele von uns das Martini-Gansl genießen. Möge uns all das daran erinnern, dass auch nur ein einziger geteilter Mantel unsere Welt ein Stück menschlicher macht.
Martin lehrt uns: Wehrhaftigkeit und Menschlichkeit, Disziplin und Barmherzigkeit, Mut und Güte sind kein Widerspruch. All das in uns gemeinsam vereint ist ein Fundament für Frieden.

Der Kommentar drückt ihre persönliche Meinung aus!

©Österreichisches Bundesheer

Zur Person


Generalmajor DDr. Sylvia Carolina ­Sperandio ist Heeres­sanitätschefin und Leiterin des Militärischen Gesundheitswesens.

Autor:
  • Sylvia Carolina ­Sperandio
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