Kunst als Übung des Blicks

Jesuitenfoyer
Ausgabe Nr. 8
  • Kunst und Kultur
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Ein an der Wand stehendes „Tisch-Bild“ wird bei Nadim Vardag zum Kunstobjekt: ein Werk, das die Aufmerksamkeit weg vom Gegenstand und hin zu den Bedingungen des Zeigens lenkt.
Ein an der Wand stehendes „Tisch-Bild“ wird bei Nadim Vardag zum Kunstobjekt: ein Werk, das die Aufmerksamkeit weg vom Gegenstand und hin zu den Bedingungen des Zeigens lenkt. ©Nadim Vardag

Mit kargen, präzisen und zugleich hochreflektierten Arbeiten legt Otto-Mauer-Preisträger Nadim Vardag die verborgenen Bedingungen des Zeigens frei – jene Strukturen, in denen Bilder entstehen, bevor sie überhaupt etwas darstellen.

Wie erscheinen Bilder eigentlich – und unter welchen Bedingungen? Mit dieser ebenso einfachen wie grundlegenden Frage konfrontiert der aktuelle Otto-Mauer-Preisträger Nadim Vardag die Besucherinnen und Besucher in seiner neuen Ausstellung im JesuitenFoyer. Die Schau, die derzeit in der Bäckerstraße zu sehen ist, versammelt ausgewählte Arbeiten, in denen Vardag die Bedingungen des Zeigens, des Wahrnehmens und des Öffentlich-Machens von Bildern untersucht. Die Werke wirken oft karg, beinahe still – und entfalten gerade dadurch ihre Spannung.

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Nadim Vardag: Kritische Wahrnehmung

Der Jesuit und Juryvorsitzende Pater Gustav Schörghofer, der die Ausstellung eröffnete, beschreibt Vardags Ansatz so: Die Arbeiten böten „jenen, die in der Kunst Themen zur Belehrung, Erbauung oder Unterhaltung suchen, keine Anhaltspunkte“. Sie seien in einem Bereich angesiedelt, „der vor den Gegenständen der Bilder, vor ihren nacherzählbaren Inhalten liegt“. Gerade diese Reduktion jedoch schärfe „den Blick für die kritische Wahrnehmung dessen, wie die Welt in Bildern vorgestellt wird“.
So geht es Vardag also weniger um das, was zu sehen ist, als um die Bedingungen, unter denen etwas sichtbar wird. Da sind Kaltnadelradierungen mit verschlungenen Formen, präzise geometrische Zeichnungen, leere oder mit Aluminiumgewebe gefüllte Klapprahmen, Raumkörper aus Sperrholz, ein an der Wand „stehendes“ tischschartiges Bildwerk – Artefakte, in denen sich die Frage nach Projektion, Licht, Raum und Wahrnehmung spiegelt.
 

Präzise Aufmerksamkeit von Künstler Nadim Vardag

Die Jury des Otto-Mauer-Preises würdigt in ihrer Begründung genau diese künstlerische Konsequenz. Vardag setze der „Ökonomie der Aufgeregtheit eine subversive Ruhe entgegen“ und richte sein Werk auf die „ästhetischen und sozialen Bedingungen des Zeigens, des Ausstellens, des Öffentlich-Machens“ aus. Seine präzise Aufmerksamkeit sei „nicht nur ästhetisches Werkzeug, sondern direkte menschliche Kommunikation“, das Betrachten seiner Kunst „eine Einübung in ein kritisches Verständnis gegenwärtiger Bildproduktion“. 

Sehgewohnheiten hinterfragen

Nadim Vardag, 1980 in Regensburg geboren und seit vielen Jahren in Wien tätig, studierte an den Akademien in Nürnberg und Wien. Seine Arbeiten waren bereits im Belvedere 21, im Mumok, in der Kunsthalle Wien sowie international in zahlreichen Städten zu sehen. Mit dem Otto-Mauer- Preis erhält er eine der renommiertesten kirchlichen Auszeichnungen für zeitgenössische Kunst – und zugleich die Möglichkeit, seine Gedankenwelt im spirituellen Kontext des JesuitenFoyers zu entfalten. Die Ausstellung ist bis 20. März zu sehen und lädt dazu ein, die eigenen Sehgewohnheiten zu hinterfragen – und in der konzentrierten Stille von Vardags Arbeiten den Raum zwischen Bild und Betrachter neu zu entdecken. 

©Bildrecht, Wien, 2025/Nadim Vardag

Zur Person:

Der Künstler Nadim Vardag erforscht die Bedingungen, unter denen Bilder entstehen.

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Autor:
  • Portraitfoto von Agathe Lauber-Gansterer
    Agathe Lauber-Gansterer
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