Kann die Kirche ihre Wunden heilen?

Hirtenhund
Ausgabe Nr. 19
  • Hirtenhund
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©Der SONNTAG

Der Hirtenhund "bellt" über Laien.

Hin und wieder verletzt sich selbst der robusteste Hirtenhund. Dann geht’s zum Tierarzt, der im schlimmsten Fall einen Verband verpasst. Verbände behindern, engen ein, darunter juckt‘s und man will das Ding loswerden. Doch – oh Wunder! – am Ende tut das Haxerl nicht mehr weh, nässt die Wunde nicht mehr, ist man genesen. So ähnlich blicke ich auf alle möglichen Verbands-, Bewegungs- und Aktionsformen in der Kirche: Sie stützen, halten zusammen, was aus den Fugen zu geraten droht, und helfen, eine Wunde zu heilen, die der Körper Kirche sich teils in klerikalen Autoimmunreaktionen selbst zugefügt hat. 

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So haben wir – um im groben Holzschnitt zu bleiben – auf der einen Seite eine nahezu waidwunde Kirche, der nicht nur die Priester ausgehen, sondern auch die Schäfchen und damit langsam, aber sicher das Geld – das es wiederum braucht, um konstruktiv gesellschaftlich zu wirken. Auf der anderen Seite steht dem ein schrumpfender Kern be-geisterter Laien entgegen, die sich redlich bemühen, ihre Kirche aus dem Krankenbett zu hieven und ihr dazu Reformspritzen verpassen wollen. Doch letztlich – darin liegt ein Teil der Tragik – liegt das organisierte Laienapostolat mit seiner Kirche selbst auf dem Krankenbett. Heterogen im Katholischen Laienrat miteinander verbunden, divers in ihren Charismen, Ansprüchen und selbst auferlegten Aufträgen. Als tragisch empfinde ich es zudem, weil ich zweifle, ob die gewählte Medikation – mehr Demokratie, Frauen am Altar, verheiratete Priester etc. – tatsächlich geeignet ist, um Glauben und Kirche wieder attraktiv für eine breite(re) Masse zu machen. 

Es geht um mehr, um vielleicht gar Wichtigeres als – Achtung, ketzerischer Gedanke – die Rettung der Kirche. Das wissen natürlich auch die Gruppen, im Laienrat heißen sie Kurien, wie die Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände, die im Juni 70 Jahre alt wird, oder die Katholische Aktion. Letztere publiziert kräftig „Dossiers“ zu Gerechtigkeit, Friedenssicherung, Schöpfungsverantwortung etc. Als würde sie es spüren, feiert die Katholische Aktion ihr 75-jähriges Bestehen in dieser Woche mit einem „Aufbruchsfest“ und einem neuen „Laienmanifest“. Man habe einen Weg vom „Bollwerk“ zur „Brücke“ zum „Pilgern im Jetzt“ hinter sich, lese ich. Bollwerke und Brücken brauchen Masse – Pilger sind unterwegs mit leichtem Gepäck, mit wenigen Mitteln. Allerdings oft auch irgendwie allein, am Straßenrand, gefährdet. Ein Bild, dem ebenfalls etwas Tragisches eignet. Und zugleich etwas Hoffnungsvolles, denn Pilgern boomt. 

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