"Ich habe mich von zwei auf vier A gesteigert"
Tag des geweihten Lebens
Ordensspiritualität als Quelle erneuerbarer Energie und die anhaltende Ausstrahlung der Regel des heiligen Benedikt: Schwester Nathanaela Gmoser, Benediktinerin der Anbetung, im Gespräch mit dem SONNTAG.
Nathanaela als Ordensname
Ist „Nathanaela“ Ihr Ordensname? Oder Ihr Taufname? Und warum „Nathanaela“?
Nathanaela Gmoser: Mein Taufname ist Sarah, ich habe mich jetzt also von zwei „A“ auf vier „A“ gesteigert. Der biblische Nathanael wird mit dem heiligen Bartholomäus gleichgesetzt. Bartholomäus ist der Patron der Dorfkirche meiner Heimat. Da hörte ich immer wieder beim Patrozinium das Evangelium, in dem Nathanael vorkommt. Zum Namen: Bei uns im Orden kann man entweder drei Vorschläge machen und die Priorin sucht einen Namen aus oder man kann auch gar nichts sagen und sich beim Ordensnamen überraschen lassen oder man kann auch um einen bestimmten Ordensnamen bitten. Das habe ich getan.
Nathanael wird von Philippus zu Jesus geführt
Die Begegnung Jesu mit Nathanael ist kurz
Ich liebe diese Stelle aus dem Johannesevangelium (Kapitel 1, Verse 45 bis 51).Nathanael, dieser kritische Geist, sagt dem Philippus: „Kann aus Nazaret etwas Gutes kommen?“ Da finde ich mich sehr wieder. Oder auch darin, über Freunde zum Glauben zu kommen: Denn Nathanael wird von Philippus zu Jesus geführt. Das war für mich auch eine konkrete Erfahrung, über andere Menschen zum Glauben zu kommen. Und dann diese herrliche Szene, wo Jesus sagt: „Schon bevor dich Philippus rief, habe ich dich unter dem Feigenbaum gesehen.“ Es tut gut, zu wissen, dass ich von Gott gesehen bin, aber nicht beobachtet, dass er mich kennt und um mich weiß.
Schwester Nathanaela: "Ich freue mich, dem heiligen Benedikt in der Ewigkeit zu begegnen"
Auch Orden setzen heute auf erneuerbare Energien. Welche erneuerbaren Energien finden Sie in Ihrer Spiritualität?
Für mich ist die Regel des heiligen Benedikt eine erneuerbare Energie, weil ich seit 17 Jahren diese Regel immer wieder durchkaue und es ist unfassbar, was da für eine Weisheit drinnensteckt, eine Tiefe, eine Aktualität, die immer wieder auf die Situationen passt, in denen man gerade steht. Ich freue mich, dem heiligen Benedikt in der Ewigkeit zu begegnen, er muss ein beeindruckender Mensch gewesen sein, mit seiner Menschenkenntnis, Weisheit und Güte. Auch die eucharistische Anbetung ist für mich eine erneuerbare Energie, weil sie mich erdet und in die Beziehung zu Christus hinführt.
"Ich bin zufrieden mit dem, was da ist."
Wie können Sie die sogenannten evangelischen Räte erklären?
Als Mitglieder der benediktinischen Familie leben wir nicht die klassischen Räte wie Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam, weil der heilige Benedikt dies anders von uns fordert. Er sagt in seiner Regel, dass wir Beständigkeit, klösterlichen Lebenswandel und Gehorsam versprechen. Die Beständigkeit ist etwas sehr spezifisch Benediktinisches, zum klösterlichen Lebenswandel gehört natürlich die Ehelosigkeit. Benedikt spricht nicht von der Armut, sondern von der Anspruchslosigkeit. Also nicht: Mir steht das zu, ich muss das haben, sondern: Ich bin zufrieden mit dem, was da ist. Beim Gehorsam geht es nicht darum, dass einer etwas befiehlt und der andere es ausführt.
Schwester Nathanaela über Gehorsam
Was ist dann echter Gehorsam?
Gehorsam ist die Verantwortung des Hörens auf das Wort Gottes, im Gebet auf Gott zu hören. Die Oberen haben die Verantwortung, darauf zu hören, auch ich habe diese Verantwortung, und wir haben die gemeinsame Verantwortung, in diesem Hören zu schauen: Was ist jetzt das Richtige? Wir hören im Dialog gemeinsam, was das Richtige ist.
Schwester Nathanaela: "Der heilige Benedikt spricht von dieser Beständigkeit in Christus."
Und die Beständigkeit?
Sie wird bei den Benediktinern oft auch missverstanden als Beständigkeit nur am Ort im Sinne von: Da bin ich, da bleibe ich. Aber der heilige Benedikt spricht von dieser Beständigkeit in Christus, also verwurzelt sein in meiner Christusbeziehung. Das ist das Fundament, auf dem ich stehe, und ich schaue, dass ich da nicht rausfalle. Natürlich bleiben Benediktiner eher klassisch am Ort, sie werden nicht so häufig versetzt wie andere Ordensleute.